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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 41)
Language
German
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Pinchas; den sein Schicksal Verhärtet hat i>is zum Kampf» gegen den Erlösungswillen. Einer gibt sich nicht den Ekstasen der Sehnsucht, der Gier, der Verbitterung hin: der Rabbi. Er allein kämpft, wahrhaft um die Enträtselung des Geheimnisses, das der Fremde wie einen Brand in die Gemeinde geschleudert hat. Und er löst mit dem Geheimnis des Fremdep zugleich das. Geheimnis des Messias: der ani meisten Erlösungsbedürftiige wird der Erlöser. Der Fremde ist einer der ärmsten unter den armen Kreaturen: sein Vater prügelte ihn,- die Gemeinde, stjeß ihn aus.' Da erttschied er sich mit der ganzen Glut des Gutkn,j das in ihm lebte, zum Bösen- Diese Entscheidung rückgängig zu machen, ihm das Böse als eine^ Perversion seines Guten zum Erlebnis zu bringen: das" ist der Kampf, den der Rabbi mit dem Fremden kämpft. Der Rabbf siegt. Und als de|r Kosakengeneral einen Manh fordert, der für dife Gemeinde sterben soll, geht der Fremde stellvertretend in den Tod: e|n Messias! > Auch »Das reißende Lamm« ist ein Messias« DranVa. Das reißende Lamm ist dfer Sträfling Boris Twerskoj im sibirischen Gefängnis unmittelbar vor der Revolution 1917: eine Erlöser-Gestalt/ einer, der das Böse im Menschen bekämpft durch .sein Wissen um das Gute im Menschen: »in Wirklichkeit haben sie nur vergessen,- wie gut sie sind«. '! 'III. B^idc W erke sind keine Tragödien, sonderh., . Theod ceen. Das Böse ist nur der Schorf einer: Lebenrwunde: »in all ihrer Bosheit entrinnen sie ihrem Guten nicht«. Das Gute ist der ursprüngliche -Sustand/ und das Gute ist die heilende Macht. Der böse Trieb ist sekundär,- ist nur die Perversion des Guten. Bernhard ist kein Dialektikern er philosophiert nicht,- fragt nicht, woher stammt die Perversion: er glaubt. Und aus diesem Glauben heraus schuf er: den von geheimer Macht in den Heilan Is-Töd gejagten Bösewicht/ und das reißende Lamm, unserer das durch seine Lammheit alle in die Liebe hinein reißt. Diese beiden Dramen »irid stark durch die Glut: irnit der hier der ^fertsh.gerechtfertigt wird/ durch die Dynamik einer Liebe: die ebenso Fcstungsmauem sprengt1 wie graiisanyverhärtete 1 Herzen. Und diese Drarrien.'.sind stark’ durch die scharfe Offenbarung der Seelen;;-vor dieser Glut/ und durch -ihr ursprüngliches seele ihaltiges Wort. Aber diese Dramen führen nojh hi ht in die Tiefe der inneren Welt, die sie abbilden.‘ Ihre dichterische Suggestion ist bedeutender als ihre g :istige Lucidität. In diese Tiefe führen erst: Bernha ds'leidenschaftlicher Aufruf ».Judentum«, vor dess en Leidenschaft sich auch der beugt, der* seine Küft ir-Anälyse und 'seine Ethik ablehnen muß/ und Bernhards1, dichterischstes Werk: »Legenden«. Irt' len »Legenden« spricht der spätere Rabbi Mei'r zu seinem Meister Acker: »Du hast Gott und sein Gesetz verlassen, Meister, aber Du bliebst ter der Armen'' und ein Hort der Waisen und W^wen. So sehi, ich einen tugendhaften Gottlösen iiVDrr.'und frage midi: Wo nimmst Du Deine Tujen'd lier, wenn Du sie von Gott nicht nimmst üimI seinem heiligen Gesetz? Woher nimmst Du da; Lächeln Deiner Liebe, da die Quellen des Gebei :s Dir versiegelt sind? Meister^ die Welt ist mit schwer, seit ich Deine Gottlosigkeit und Güte iih.« Bernhards erschütternder Atifruf »Judentum« istdie — wie mir scheint: unbefriedigende Int wort auf die tragische Situation des, .Meisters Sicher: wirkliche Güte ist nur möglich aus dec Que le des-Glaubens,. im Rahmen der Ausübung väti dicker | Religion. Bernhards Dramen »Die Jagd Gottes« und »Das reißende Lamm« führgn noch nihf bis zu dem PunkJ : wo Liebe und Güte versijlcert werden-im Glauben und in der »heilige« Forme, inuRitus. Aber sie strahlen schon den untrt gischen OptimiS* mus des Gläubigen aus. So liegt Bernhards Werk diesseits tragischer Problematik: Aber er ist auch für die, welche nicht in Gott gebo'gen sind — und deshalb glauben; daß heute jede große Kunst tragisch sein muß —: ein vorbildlicher Charakter,- ein echler Poet/ ein geborener Dramatiker. y '• Heinrich Eduard Jacob. Von Franz Karl Gassmann Von den dem Judentum entstammenden noch jungen deutschen Dichtern, die sich in den letzten Jahren die Bühne erobert haben, ist Jacob eine evidentesten Hoffnungen. Sein Wirken war bisher ein einziger, ununterbrochen-rascher Aufstieg- Auf eine ganz ungeWohnl dieser Künstler vor anderthalb die Art begann ahrzehhten seine 183

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