Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Trompetenklänge bleiben , außerhalb der Wolfensteinschen Dramen. Sie horten nach innen, nach einer, stilleren Musik. Abqr sichtbar wird auch bei ihm der Wille, anschauliches Drama und die veränderte Wirklichkeit der Zieit zu gestalten. Alfred Wolfenstein ist ein Rigorist des Ge* fühls und des I^ekennens. Er w II nackte Leiden* schatten und nackte Menschen. Ihm liegen nicht die Verkleidungen der gesellschc ftlichen Konventionen, der mechanisierten Zeir, der kollektiven Gewalten. Hier ist ein Gegensatz zu überbrücken: zwischen einem individuellen. Dichtertum und einer kollektiven Gegenwart, der dieses Dichtertum dienen will. Hier vor allem beginnt die Aufgabe des Dramatikers Wolfenstein,- denn Drama ist immer Lieberwindung von Gegensätzen. Die stärkste dramatische Wirkung erzielte Alfred Wolfensfein bisher mit seiner Nachdichtung von Shelleys Draina »Die Cenci*. v. Hans Jose Rebfisch ist der erfolgreichste Theater* Schriftsteller seiner Generation. In seinem Begirn war auch er abhängig von einer pathetischen Zeit und monologisierte in heute schon längst vergessenen Stücken. Dann, erwachte jn ihm die Leidenschaft zum Theater,- er empfand die ungeheure Macht der . Bühne 'und ihren beglückenden Rausch. ■* Seine Slücke behandeln vorzugsweise soziale Stoffe. ' Trotizdem ist Rehfisch kein sozialer Dichter im Sinne Gerhart Hauptmanns: es fehit ihm das innere Verbundensein mit der Not als Schicksal und dem Schicksal als Nor,- es fehlt ihm das Mitleid und die Empörung. Er schreibt ausgezeichnete, schlagkräftige Dialoge. Seine Szenen sind geballt, bildhaft, lebendige Anschauung. Die Technik dieser Stücke, geschult an feueren Dichtern wie an der Technik des alten Charakterstückes wie an der Maschinentechnik unserer Gegenwart, ist immer wirksam u^d verrät einen I scharfen Sinn für die Erfordernisse der Bühne wie des Publikums. So wurde Rehfisch ein wichtiger Besitz aller deutschen Spielpläne, Er zeigt den jüdischen für Praxis und Wirklichkeit. Sinn VI- | Drei Dramatiker und drei verschiedene Ausprägungen jüdischen Geistes Der ekstatische Grübler,- der ethische Lyriker,- der praktische Theaffcrmann — was also ist das Dram^? Was also ist jüdisfh? , I Der Bühnendichter Ernst Toller. Von Fran: Re u Ti. Jeder Menschheitsgruppe hat der Welrgeisteine ändere Berufung mit auf den Weg gegeben. Die Inder gaben uns die tiefsinnigste Seins-Erklärung, die Griechen die Grundlagen abendländischer Kultur, im Verlauf der neueren Geistesgeschichte schenkte das deutsche Volk der V eit die gewaltigste Musik, das englische den größten Dichter .... Mit einer bewundernswerten Reprcduktionskraft hat das Judentum im Verlaufe seines mehrere Jahrtausende langen Erdenwallens immer wie'der — G e rr i e s d e s Herzens hervorgebracht. Stets von neuem gebar es Persönlichkeiten, deren Herz so voll Erlösungssehnsucht war, daß ihre Worte wie flammendes Fanal über das unablässig auf» ■wuchcrnde Dornengestrüpp menschlicher Versklavung und Entrechtung aufleuchteten. Mit dem bib ischen »Land der Verheißung«, das die riesenhaft-legendäre, von der Historie gar nicht mehr fixierbare Moses-Gestalt ersehnte, ist mehr erhofft, als einebloß rechtschaffene irdische Daseinsversorgung. vor allem — ein Reich ewiger sozialer Gerechtigkeit I — Von Llrzeit her bis aüf unsere Tage ist es| gerade die einzigartige Leistung des Judentums gewesen, daß es der Welt immer wieder Männer gab,) die von fast prophetischer,! religiöser Inbrunst erfüllt,’ohne zu zögern, freudig das Leizte ihres-Ichs hffgaben,' um »Alle« zu »erlösen«. — Noch in keiner Epoche hat der jüdischi »Geist« versagt, wenn es galt, Unrecht und Ungeist jeweiliger Gegenwart zu« bekämpfen, ) Als dasj ungeheure Unrecht und der Ungeist des Weltkrieges die Errungenschaften europäischer Kultur zu vernichten drohten, als man \juedpr zur . Besinnung k^m und einsah, daß hier die Menschheit von-einer Art soziologisch-geistiger Krankheit gefährlichster Observanz bedroht war, dla standen Juden mit h vorderster Reihe, die, ohne an ihr eigenes Lebei zu denken, ihre ganze Persönlichkeit einsetzten, u|m ihr Wort wirken zu lftssen, um zu helfen, zji bessern. — Nicht nur reihe, weltfremde Idealisten, wie z. B. Landauer und Eisner, ^urden von geistlosen Fanatikern ge-