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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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schmerzlichen Minderheit des Geistes dem brutalen Alltag gegenüber, und so einsam.« Gegenüber solchem tiefen Eindringen in das Drama als Form bedeutet der erste dramatische Vet* such des Autors sehr wenig. Die Tragödie »Abigail und Nabal« knüpft an eine Slttestamentarische Er-, Zahlung an, aber das Jüdisch-Historische, die Gegnerschaft Sauls und Davids, ist nur Rahmen für den inneren Zwiespalt ,Abigails. Weitaus stärker als in diesem handlungsarmen Dialogstück ist das Gesetz' der Spannung in der anderen Tragödie Zweigs erfüllt,, in dem fornogerechten Drama »Ritualmord in Ungarn«, ein Titel, der in der späteren Fassung des Stücks in »Semaels Sendung« gewandelt wurde. Es ist ein Mysterienspiel, jin dem transzendente Kämpfe ein irdisches Schicksal umrahmen, wenn auch -zwischen Diesseits und Jenseits nicht immer tiefste Verbundenheit besteht. Viel Ueberreales, Symbolisches spielt hinein, alte jüdische Legende wird erweckt/ Gott und Semael, Isaak, der Patriarch und Elias, der Prp* phet, Rabbi Akiba und der Wunderrabbi Baal Schern begleiten das Schicksal des armen1-Juden* knaben Moritz Scharf, das in der Bildertechnik Büchners aufblüzt und vorübergleitiet. , Der Autor hält sich an die historischen Berichte über die Ritualmordbeschuldigung und führt mit der packen* H.r ter ist den Schlichtheit eines Chronisten die Gemeinheit der Judengegner und die Not deij verfolgten Juden vor. Entgeg Historie j nimmt . sich der Knabe ^foritz dessen dtirch List, Lockung, Drohung erz falsche Aussagen' an aller Qual seiner genossenj schuld sind, da* Leben. Ein Abschluß; erscheint unmöglich,., 'nächdem irdischen j Gewalten die Auseinändersetz Jenseits r ufgenommen haben Mögen aus nähe geschriebene »Tragödien off den falscher Aktualität und veriammenswer sationslu^t an sich tragen. — hier Zeitnahe:; so echt gestaltet, daß Zeit, in der es geschah, entwunden endgültig; Formung eines typischen Schick Zusehen sr, Nadi einem so positiven LIrieil mi folgerichtig Arnold Zweig als eine Hoffn das deutsche Drama erklären, spürte m: daß hier nicht nur äußerster seelischer dem Gemeinschaft des Blutes etwas Be; zustar.de gebracht hat. Der jüdische Zweig hat sich an der Wucht dieses Schicksals, dessen tiefe Not aus »unzählig fällen gleicher Art in dem Autor ijoch einmalig gewaltig entzündet. Dra Franz Werfe Von Kurt Walter Goldsdinii dt. Gestern ^loch war Franz Werfel einer der jüngsten literarischen Stürmer, und Dränger, ein Rufer im Streit und ein anerkannter Führer der letzten .Modernität — heüt ist er ein Siebenund* dreißiger, der bereits auf ein erstaunlich reiches Schaffen zurückblicken kann und sich gerade in den objektiven Bezirken der gestaltenden Männlichkeit, in Epik und Dramatik,, einer schönen, meisterlichen Reife nähert. So rapide geht die Entwicklung — und zumal bei bedeutenden Geistern von Werfels Art und Rang. Denn dies ist ja das Typische jeder literarischen und künstlerischen Bewegung: die zahllosen .Mitläufer, die schwachen Persönlich* keiten und kleinen Talente bleiben früher oder später auf der Strecke, erschöpfen sich in irgendeiner rasch verbrauchten Formel, Richtung, Mode tze und furchtbare en der Scharf, ovungene Volksanderer c#e über* ung im fler Zeit- Stempel Senetwas;s der und als sals an* iijßte man ung für n nichr, il, son* »anderes matiker üdischen;n Vor* nachlebt, des Tages — und nur wenige selbständige. schöpferische Geister dringen zu neuen, eigenen r Zielen var. Man kann es geradezu als :ir\£ Art geistiges Gesetz formulieren — daß von.«rjedem »Sturm, tnd Drang« sich im gegebenen Augenblick der Reif; eine »Klassik« abzulöscm pflegt — 'wenn sie sich von ihm ablöst. Denn dijes hängt eben imitier vom seltenen Glücksfall der Persönlichkeit, ijles Tajents upd Genies ab. Njun kanfi man oh ne Voreingenommenheit feststellen, daß die jüngs e Literaturbewegung nicht gerade (überreich an Persönlichkeiten und Talenten gewesen Ist. Manche ider Guten und Besten hat zudem der Moloch Krieg verschlungen . — und ein junges, lyrisches Genie, das viel verhieß, viel aber auch schon erfüllt hatte, Georg Heyin, ist schon vor dem Kriege der tragisch-sinnlosen Banalität eine» Unglücksfall! erlegen. Franz Werfel ist unter den Ueberlebmden una Weiterwirkenden der jüngeren Generation einer der wenigen — man möchte 172

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