Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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beginnt bei jenen, die innerlich! noch ganz jüdisch empfinden und sich der deutschen Sprache nur als eines zur Verständigung notwendigen Mittels bedienen/ und^sie fcndet bei anderen, deren Judentum aus den in deutscher Sprache verfaßten Werken kaum noch zu spüren ist. In wie starkem Maße das Urblut sich durchsetzt, bleibt entscheidend. Im Jüdischen ganz stark, und vom »Europäischen« kaum ernsthaft bedrojit, ist Wesen und Werk der beiden Autoren, denen diese Zeilen gelten. Alle Probleme, die der Begriff »Jude« enthält/ spiegelt das Schaffen Max Brods. Und wie er mit seinem Werke dem jüdischen Volke die Zukunft ebnen will, ist auch Arnold Zweig unbedingter Anhänger, Verteidiger, Verkünder des Judentums. Wollte man sich freilich streng an das Themahalten, so wäre gerade von diesen beiden Autoren wenig zu sagen,- ihr Wesentliches liegt nicht auf dem Gebiete des Dramas, ihre Begabung ist keine spezifisch dramatische, und so «fnd die dramatischen Werke auch nicht .die ^lerksteine ihrer künstlerischen Entwicklung. Bei manchem Dichter ist die Wahl der Ausdrucksform schon für das Wesen bezeichnend,- bei Brod und Zweig kehren die Motive der Dramen auf epischem Gebiete entscheidend wieder,- ein Hinweis auf die nichtdramatischen Werke der beiden Autoren muß daher auch hier erfolgen. Bei Max Brod kann, von den Jugendwerken abgesehen, von einer wirklichen Entwicklung Seines Schaffens kaum gesprochen werden,- fast könnte man sich mit der Darstellung seines Lebenswerkes, des religiösen Bekenntnisbuches »Judentum, Heidentum, Christentum«, begnügen. Brods dramatisches Schaffen beginnt mit einem romantischen Einakter <»Die Höhe des Gefühls«), der mit dem Ringen moderner Dramatiker ebensowenig Berührung hat wie das Gelegenheitswerk »Abschied von der Jugend« <im Drama der Gegenwart wird gerade die »Geburt der-Jugend« gestaltet) oder das Lustspiel »Clarissas halbes Herz«,, dessen Problematik an Ibsen geschult scheint. Mehr gehört unserer Zeit das Drama »Die Fälscher«? das ein hohes Ethos von Selbstüberwindung und restloser t Hingabe ^erkündet. Und ganz wesentlich is Königin Esther«, ein Drama, das mit schichtlich iGegebenen nur Eine Königin Esther »Eine d tm ge« in loser Bindung steht. also nicht um Dramatisierung ider Bibel Verkörperung eines handelt es Prinzips. sich, sond :rn um Darum heißt es auch zu Beginn: »Zeit und Landschaft nidi genau umschrieben«. Esther: das ist Güte, Ordnung,! Besonnenheit,- dagegen Haman: Unruhe, rastloses ]Tun/ Selbsterhaltung. Hamanwill die Juden au$ der Welt vertilgen, weil er in ihnen die Vertreter) der größten Sünde, der Selbstgc keit, siefjt. Esther tötet Haman,. um die Hebräer, zu richtigiljr Volk, retten. Güte überwindet de 1 Zorn. Aber Güte, Demut, Passivität allein macht nicit vollkommen. Darum tre nnt sich Esther nach der »Tat von dem König und k’hrt zu ihrem Volke zurück um es zum Tun anzufeuerr. Tiefe Worte fallen in diesem Stück. Haman: »Laß mich ein Wort sagep, erklärt: ich selbst b|ir Verstehst du nun, dich für immer lieber Esther: »Ich verstehe nur, warum du die Jiden hassest « Und als der König Esther fragt, warlum ugend. Max Brod. zu den Juden zurickkehre, Sie sind nicht, und be« Hamans entgegnet sie: verächtlich. Ich wt daß sie jes bleiben. Nicht schmeichelnd güiigend'komme ich zu ihnen Ich bringe Erbe ani : sie zu züchtigen « Der Wille, der aus diesen Worten spricht, -cjurchglüht das ganze Schaffen des und erlebt in seinem letzten Roman » Fürst d^r Juden« eine gewaltige Immer Rieder, im Drama* wie in den Werken,| geht es um das eine Problem: mus odef Passivität, Tun oder Demut, Sou/eränität oder Gnade, Schöpfer oder Geschöpf. De ■ Roman »Schloß Ncrnepygge« ist Abrechnung eigenen Idi, und folgerichtig schließt sich hierat i rechnung! rriit der engsten Umwelt in den Romanen »Jüdinnep« und »Arnold Beer«, die denTrcnnungs strich zui dem westeuropäischen Juden der Gegenwart ziehen. Zum Positiven führt dann das Schicksal TydiJ Brahes, dessen »Weg 2 durch eine Begegnung mit 'Rabbi Loew entt cheidend dir nur as alles Jude, daß ich muß?« sie Esthers Dichters ieubeni, Auferstehung, epischen Aktivisffiit dem die Ab» Gott« 170