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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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trieben gelobt oder getadelt wird, verschwindet er auch wieder mit denen, die zeitweilig in Für und Wider durch ihn erregt worden sind Nur das Ueberdurchschnittliche und Besondere hat Aussicht auf Dauer, Es hat seine Wurzeln so tief in die Zeit eingegraben, oft sogar heimlich und unbeachtet, daß es seine Kraft erst1 recht entfaltet, wenn diese Zeit selbst zum Humus geworden ist. - L Gerade, wenn man von . Carl Sternheim sprechen will, muß man sich fragen: wird von Erscheinung, der die Zukunft Wettbeständigkeit ■ zuerkennen wird. ' , ’ Merkmal und Triebkraft seines Schaffens (st: Haß. Ist »Haß* berechtigt öder edaubt? Die Moralpädagogik sagt nein, und in der Lehre ausnahmslos aller Kulturkonfessionen iteht*in dieser oder jener Form der Satz, man solle, -seinen Nächsten lieben. Aber alle'großen Menschheitslehrer, heilige und profane, habdn nur dadurch versuchen können, das GtAe zu fördern, daß sie ihm bleiben und was? Wie wird, so viel sich : das Schlechte erforschten und brandmarkten. Der Voraussagen läßt, sein Bild aussehen, wenn es vom Nebensächlichen, vom Körperlichen, vom anhaftend Irdischen befreit sein wird? ’Er hat manches geschrieben, was vergänglich ist, und was, hätte er sich sonst nicht bekundet, ihn nicht über das Mittelmäßige hinaushebt. Er hat von früh an und mit immer; zunehmender Tonstärke [sich selbst als den Messias des deutschen Dramas ausgerufen, in geschwollener Eitelkeit und Ruhmredigkeit sondergleichen, mit einer oft empörend hochmütigen Verachtung gegen andere, die es dennoch in dem Anspruch, Bleibende zu sein, mit ihm aufnehmen können Sein Ich als etwas ■ noch nie Dagewesenes in Glanzladc auszustellen und seine Gottähnlichkeit hinauszusdireien, dazu ist ihm jedes Mittel recht und erlaubt'.1 Um . seine Sonderstellung zu unterstreichen, mißbraucht er sogar das wesentlichste Werkzeug des Dichters, die Sprache. Abseits aller unabänderlichen Regeln schreibt er in einem Stil, der das Aeußerste an Konzentration geben will und dennoch wie ein Gehäuf krauser Arabesken wirkt. Seine dramatischen Gestalten, obwohl dem Leben entnommen, äußerq sich in dieser leblosen Starre, die zugleich eine oft unentwirrbare* Verschlungenheit ist. Das wärt genug, um dem Unsegen der Lächerlichkeit zu verfallen, wenn es sich nicht lohnte, hinter dem gewollt »Persönlichen« und dem närrischen ^Gespreiz eines in den Spiegel verliebten Menschen sein Eigentliches aufzuspüren und Antwort auf die einzig entscheidende Frage zu suchen, was diesen Carl Stern heim, von Schlacken befreit, als dauerndes Erz enthüllt und als eine geistige Carl, Sternhelm. Phot.-AU'lier: Becker A Maatt, Berlin Weg zum Himmel kpnnte nur dadurch gefunden werden, daß man den Weg zur Hölle erkannter Die .einen tonnten'.i den Sünder verstehen und ihm verzeihendie a ideren, härter und, marj ( möchte fast sagen, logischer, verwarfen' ihn ganz und ric fen mit Zornblick auf alles Schlechte und Faule, waS Voltaire, der ' Unerbittlichsten einer, jedem Aberglauben uischleuderte r »Ecrasez.Tinfä ne!« Zu ihnen gehört Cärl, Sternhehn. Ehaßt Europaaus der Anschauung heraus, daß es hoffnungslos überaltert and brüchig sei. Gelegentlich * 1 at er auch die heftigsten cVorte gegen - Deutschland geschrieben, und wenn „er dort wie hier maßlos 'übertrebt, so ziigf er. ■ nur, daß qie geborenen Hasser immer ungerecht und einseit g* sind. Die Pflicht, abzuwägen wird von ihnen "eber so abgelehnt, wie die andere Pflicht,.Heilmittel anzugeben für die Krankheiten und Verfallszeichen, .die sie beobachten und feststellen. Man weiß, daß die Natur, indem sie zersetzt, wieder Stoff für neues We rden erzeugt. Aber Köpfe wie Sternheim dienen nicht dem Gesetz von der Erhaltung der KrafiV $ie füllen sich nicht berufen, oder besser gesagt,.stk.sind dazu unfähig. Sie sind nichts als dhe Analytiker, *dii einen Verwitterungszustand feststellen. Ihre di ibolische Lust an der Verneinung wendet sich zule tzt gegen .sie selbst. In diesen Kämpfern mit-de; immer gezückten Kling^Hdiegt dennoch zutiefst das resignierende Bewußtsein, nicht helfen und nichts ändern zu können. Und wenn andere Sch riftsteller, die mit der Waffe der Verneinung gegen eine morsche Welt vorstürmen, in'all' ihrem.Pessmismus "noch irnmef den persönlichen Optimismül hegen, 'sie 167 - i ir.

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