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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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[durch seine starke Geistigkeit dagegen immun. .Mit Fein» und Tiefsinn sind hier Achilles und Tersites polar gegen einander gestellt — als der sinnl ch vollendete, hart»harmonische Trieb», und Tatmen! <h und der Mensch des gestörten Gleichgewichts zwischen Innen und Außen, der nach innen abgelenkt und. aus eigenem Leid anderer und aller Leid mitzufühlen fähig’ wird. — Diese Linie setzt sich dann in den mächtigen Steigerungen des fe r e m i a s » Dramas fort. Hier ist auch der Stoff biblisch, hier klingt Mythos und Gehalt zu volltönigem Akkord zusammen. Denn die Grund» empfindung ist zeitlos-ethisch und darum immer aktuell, gerade in diesem Falle aber auch höchst zeitlich-aktuell. Denn das große Kriegserlebilis, der große Schauder, das große Mitleid haben sich natürlich in dieses abgerüdcte Symbol verdichtet. Prachtvoll lodert hier noch e*nrna^ ^'c reine und starke Flamme .des jüdischen Prophetismus. Die rein dramatische Wirkung wird sich vielleicht noch durch Kürzungen verstärken, die der Dichter neuerdings vorgenommen hat .... »V olpone* endlich ist Stefan Zweigs erster wirklicher und großer Bühnenerfolg geworden. Das Beste daran — den saftigen Humor, die zündende Handlungsführung, das heiße Renaissance-Kolorit, den echten Komödien-Atem — darf man sicher Stefan Zweig zuerkennen, mag das Werk auch nach einetn alten Stück des Ben Jonson gearbeitet sein. Man hat es im Gefühl, daß hier ein dürftiges Gerippe zum blühenden Organismus verleiblidu und beseelt ist. Die so begrenzte Zahl der guten Komödien der Weltliteratur hat dadurch eine erfreuliche Bereicherung erfahren Dem Spott ist hier jener Unt^rton des Lebensernstes beigegeben, der erst die leckte Komödie macht (die nach Sokrates-Plato ja' der Tragödie Verwandt und benachbart ist). Und zeitlos . typisch ist das Thema’ der Groteske: der Tanz ums allmächtige Gold. ,, I Wirklich dichterische Werte bergen auch zwei kleine Nebenwerke, der Einakter; »Der verwandelte Komödiant« urid das Karimerspiel »Legende eines Lebens«. Der Einakter 'gibt eitv reizvolles Rokoko-Genrebildchen und eine lyrische Apotheose echter Künstlerschafr, die aus verachtetem Komödiantentum den Funken des Selbstgefühls und der Begeisterung schlägt. Daß der junge Komödiant Verse aus der ersten deutschen Shakespeare-Uebersetzung <Marc Antons Rede) des Freiherrn v. Borck vorträgt, wirkt* als pikantes Ingrediens. Shakespeare in Alexandrinern, der verzopfte Titan: das ist ein bezeichnender und belustigender Zug im Rokokobilde. — Die »Legende eines Lebens« endlich verwertet gewisse aus Hebbels, Wagners, Dostojewskys Leben vertraute, aber durchaus typisdi gefaßte und selbständig gestaltete Motive zu wirklich kammerspielhaft feiner Wirkung, Das ideal retouchierte Bild eines großen Dichters, von der Frau eifersüchtig gehütet — der Kampf zweier Frauen um das Andenken dieses Mannes das innere Aufbäumen des Geniesohnes gegen den Drude der väterlichen Leistung und Berühmtheit: alles dies, von der Bühne herab, vollends in so noblen Formen noch nicht Behandelte, wird hier ebenso diskret wie eindringlich gestaltet. Das Werk hätte ein besseres Theaterschicksal verdient/ möge sich ein noch das Intime schätzender Bühnenleiter seiner annehmen. i Blickt man noch einmal auf die gesamt^ Ndramatische Produktion Stefan Zweigs zurück, so drängt sich der Eindruck wohl in ein Schlußwort wie dieses zusammen: vielleicht fehlt Stefan Zweig gerade im Dramatischen jene letzte Naturkraft, die den Kenner und das »Volk« gleichermaßen zu zwingen vermag (wenn man von den derben Humoren des »Volpone« absehen! will). Das ist auch eine Art tragischer Antinomie, daß oft gerade die dümmeren, ungebildeteren, kulturloseren und seelisch primitiveren Künstler die produktive Stoßkraft voraushaben und zu leichterer und breiterer Wirkung gelangen. W*r aber freuen uns gerade* in Stefan Zweig einen bei aller; Fülle dennoch geistigen Künstler zu besitzen. , I Carl Sternheim. Von Fritz Eng ei. Maßstab für schöpferische Menschen niemals sein, was sie sind, sondern iipmtr nur, was sie sein werden. Der Zeitgenosse kann ist ein Beutjeiler, dem der Blfdc vielfach getrübt ist, durch persönliche Einstellung in künstlerischen und gesellschaftlichen Dingen, durch Sympathie oder pathie, die von dem schöpferischen Menschen werden, eben weil er auch und nur ein ist. Dem Mittelmäßigen gegenüber kann weit wohl Redft haben / und selbst wenn $r Anti» erzeugt Mensch Mitüber* die 166

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