Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6727475-6029141-6074746--1506-4868132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

selbstgenügsam und geschlossen gegen'das andere ab. In der Lyrik, Novellistik, Essayistik fühlt man neben derb’ Ordnungs- und Aufbautrieb audi geradezu eitlen gewissen Vollständigkeitstrieb am Werk, der an den logisdi-wissensdiaftlidien Systematisierungstrieb ziemlich nahe angrenzt. DavQn ist; im dramatische^ Schaffen Stefan Zweigs keine Rede. Immerhin zeigt selbst sein Einzeldrama trotz Selbständigkeit und Unsystematik doch den Zug zum Typischen. Wieder ] führen schon die Titel, die entweder typisch sind oder sich doch leicht ins Typische übersetzen lassen, eine beredte Sprache; [»Der verwandelte Komödiant« (Typus: Künstler)/! »Legende eines Lebens« (Typus: Genie . und GthiC'Erbe)/ »T^rsites« (Typus: Der häßliche, zu kur^ gekommene' Mensch),- »Jeremias« (Typus; 'Der zürnende, vergeblich warnende Prophet)/ endlich: »Volpone« (Typus: Macht und Mächtige des Geldes)« Stefan Zweigs außerordentliche psychologische Bejgabung und Schulung, wie sie sich in seinen Novellen und mehr noch in seinen Essays offenbart, i kommt auch seinem dramatischen Schaffen zugute. I Wie die meisten neueren österreichischen Dichter ist er wohl von der Wiener' Psychofogenschule Freuds stark angeregt. Ueber Erkenntnisse und Methoden der Psycho-Analyse, die sich Ja übrigensjigerade durch bedeutende Freud-Schüler, Jung und Adler, vertieft und erweitert har, I Bildungskünstler. Der Exzeß tnd Defekr, der nach Liditenbergs geistreicher Bemefküng das Wesen des einseitigen,- . zugleich iber- und unt^r-- entwickelten Genies ausmacht, li:gt ihm fern: 'er hat sich in einer glücklicheren ttid /ruchtbarereo Mitte, einer der gleldigewichi i jen Klassizität" benachbarten Zone , angesiedelt , . . ' Auch seihe I amen in ihrer einfachen und st ringen Fülle, cjlie nicht zur Kargheit wird, sird £in lebendiges Zeugnis-dafür. Leider ist Zweig gerade ajs^Drpmatiker weniger durchgedrungen, wenn man von dem letzten großen Erfolg des . »Vilpone« absieht. Massenverbrauch eher Produktion gegangen. Dem heaterpublikums wenig entgegen, bei ihm nicht zu r imerspiel«, den die »Legende eines Lebens« fühn, würde'auf all diese Dramen passen. Ja, es sind säfitlich'»Karnmerspiele«, die auf rohe stoffliche li lannungen und Wirkungen verzichten Und s:eh f i ir .an die kleine Gemeinde der Gleichgestimmten - fii if Empfänglichen wenden. Daß insbesondere.tines sc iner bedeutend¬ Besonders Berlin mit seinem nicht immer hochwertiger dramatji ist ziemlich achtlos an ihm vorbe Geschmack des durchschnittlichen kommen seine Dramen auch sehr Sensationen und Knalleffekte-sind hol|en: Der Untertitel »Ein Ka wie kann m^jn nätürlidi verschieden denken — Jedenfalls abelr. hat ihr diei moderne Dichtung manchen tieferen fiinblick in das dunkle und verworrene Getriebe Stefan er des Unterbewußten zu danken. Audi ztweigs Sinn und -Blick für das Leider.- schaftlidi*Elenwntare ist dadurch gestärkt worden. So wird ies immer deutlicher, daß wir die verschiedenen Äeußerungen seines Wesens und seiner Kunst nuht auseinanderreißen dürfen. Die Einheit seiner zugleich kultivierten ynd naturstarken Persönlichkeit und seines den mannigfaltigsten Formen gewachsenen Talents durchdringt alles. Es gibt zumal in unserer zerrissenen Zeit nidit viele rfin überhaupt Legende eines rery Ranges ger gegen, diese s seiner nicht n dramatischen heraus: T e rT" oo-ne. Von jErscheinuingen geglidienheit der Gunst def Ver von solcher Allseitigkeit und Ausmensdilidvkünstlerisdien Gaben, lältnisse mag ihn getragen, Vielgereistheit und Effahrungsfülle sein Wesen weit und. elastisch (gemacht haben. Jedenfalls steht er, der die Spannungen der »dämonischen«, romant schdisharmorjisdien Künstlerseele wie wenige kennt, und darg^stellt har, in schöner, harmonischer Reife vor unsj da. Die eindeutige Dumpfheit und triebhafte Herjimungslosigkeit wenig kultivierter Künstler ist [iqm ebenso fremd wie die übersteigerte Bewußtheit, Unnaivität und Instinktschwäche der durch ^llzu v'e^ Geist und Kultur gehemmten sten Werke, der »Jeremias*, in B nicht aufgeführt, ein anderes, »Dü Leb,ens«, nur an e’iner Bühne drit geben, wurde, das spricht' wenig Wejrke als gegen — Berlin. — Au seht umfangreichen, aber bedeutsame Produktion heben sich drei - Werke! sites — Jeremias.— V. o I ihnejn ist das erste, der >Tersites*,imth heute noch nicht einmal von den doch zumeist ti< feren Männern der j Theorie, geschweige von deh Bühnenpraxis, nach Gebühr gewürefig von, höherer und reicherer Geistig mit der bequemen Fonnd »Geaaiik< zutun — einfach, weil man von Zugang zum geistigen und sublimer Audi dies Tersites-Drama ist von Höhe, die so oft, auch. noch bei Hemmung der Popularität bedeutet, es bezeichnend, daß der Dichter syh der Gestalt des Tersites angenöni Häßlichen, Mißratenen, . Zurückgeseizten, cfer im homerischen Original nur mit lieblos des »feudal« gesinnten Dichters abg£ leichtes Mißverhältnis, das allen so! dien modernen Bearbeitungen und Durchseelungen antik-rjiythischer Stoffe anhafter, muß hingenommen dernisierung führt in'solchem Fälle Grenze der Sentimentalisierung«. Stef in Zweig wird — 165 — Männecn der Alle Werke eit pflegt man ndichtung« aj>- ich aus keinen Erlebnis hat. einer geistigenden Besseren, Zunächst ist ebevoll gerade nen' hat, .des iichtigem Spott an |fird. Ein* ■ ver & Moc ft hart an die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.