Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Stefan Zweig. •Von K * Audi in Stefan Zweig läßt sidi der Dramatiker nicht einseitig isolieren. Man muß die bedeutepde mensddich-künstlerische Gesamtersdieinung. ’ umfasset? und würdigen. Lyrisches Episches, Dra» matisches: es sind Strahlen des Spektrums, im Prisma der Kritik zerlegt und vereinzelt. Ja, bei' einer Natur von so glücklicher. Ausgewogenheit der Neigungen, Kräfte und Talente läßt sich nicht einmal eindeutig, sagen, welcher dieser Strählen der bedeutsamste’ iSt. Ein durchgerejfter Geist, wie Stefan Zweig hält innerhalb seiner Jeigenen Natur Ord» nung und »Niveau«,- nichts darf unter eine bestimmte Höhe herabsinken. Will man abjer durchaus einem Wesens* und Kunstbezirk in ihm den Vorrang zuer» kennen — .so ist e?- vielleicht der.e s s ay i s t i sdi e. Hier hat er sein Gehaltvollstes und Glänzendstes, im guten Sinne Virtuosestes, gegeben DiÄ restlose Einfühlung des Psychologen und Analytikers verbindet sich hier mit det nachgestaltenden Intuition des Künstlers und der sicheren Sprachkraft eines ■ Stilisten, der das Wort fast zu völliger Deckung mit Stefan Zweig, dem seelischen Inhalt bis hinein in die letzte Nüance .bringt. . . Diese Herrschaft des Essayistischen beweist, daß Stefan Zwei auch ein starker Intellekt ist was man von der Nur-Dichtern, NurvKünstlern beim besten Willet nicht sagen kann. Stefan- Zweig hat die Vorzüge der. Intellektüalität und entgeht den Ge• fahren des Intellektualismus. Der Intellel t mindert nicht, sondern mehrt ihm die schöpferische Kraft- Gerade seine verhältnismäßig intellektuellsten Schöpfungen, die Essays, sind zugleich Kuns - Schöpfungen hohen Ranges. Noch etwas ander s fällt äuch schon an diesen Essays auf: ein logischer Ordnungstrieb, ein großzügiger architektonisch Bautrieb, ein Wille zu Typisierungen und Synthese n. Darüber hinaus ' auch ein nienschlich-künstlerischje Wille zum Statuarischen, Monumentalen. Schon jenen Essaybänden werden, gewaltige Ur- Kurt Walter G ildsdimidt. ~ Kunst vor uns aufgerichtet. Die »Drei Meister« <in * dem gleichnamigen Buche) Balzac, Dickens, )ostojewsl^y, oder die größten Typen des »dämolischen«, sich im Schaffensrausch opfernden Künsten, — Hölderlin, Kleist, Nietzsche — im Gegen-;atz, zu dem reifen Selbstbemeisterer und Dämon» ezwinger, als dessen höchste Verkörperung uns oethe erscheint. <In dem Buche »Der Kampf mit Idem Dämon«) Dieses Typisierungsstreben, kann bei Stefan Zweig nicht zufällig und nebensächlich sein — denn es läßt sich in u Vorbilder der Menschlichkeit, des Geistes und cer in ld seine Lyrik und Novellistik, ja in gewissem Sinne auch in seine" Dramatik hinein verfolgen. Ein klarer, um« fassender und tiefdringender Geist, der zu den Wurzc’n der Dinge gräbt und in der scheinbar regellosen Ersdiei» nung das wirkende Gesetz sucht, behauptet sich gleichsam durch Sonderung und Verknüpfung gegen das verwirrende Chaos der Welt-Eindrücke. In der Lyrik hat . dieser Wille zur Gruppenbildung den Zyklus »Die Herren der Welt« geschaffen. Der Bildner <Rodin), der Dirigent (Mahler), der Märtyrer (Dos» tojewsky), der Kaiser (Franz Josef) und andere fügen sich zu einer monumentalen Galerie. Im Epischen ist dies zyklische Bemühen noch deutlicher, ja es durchdringt hi'er die gesamte Produktion. Die Titel als solche bezeugen es schpn: »Erstes Erlebnis. Vier Geschichten aus Kinderland« — »Amok. Novellen einer Leidenschaft« — »Verwirrung der Gefühle«. — Ja, es ist bezeichnend, daß diese Zusammenhänge sich nicht nur innerhalb ein und desselben Buches auswirken, i sondern von Werk zu Werk hinüberschlingen. Die Novellen wollen sieh Glied für Glied zu, einer »Kette« zusammenreihen, und die in den Essays nachgestalteten großen Persönlichkeiten ordnen ^ieh der Gesamtidee, dem Gesamttypus »Baumeister der Welt« unter- Weniger bewußt gewollt und ausgesprochen ist diese Verknüpfung imdramatischen Schaffen Stefan Zweigs. Hier grenzt sich jedes Werk Atelier H*ntneri Salzburg 164