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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Zwei Dichter führten: ein Mann und ein Jüngling. Stefan George in Westdeutschland^ streng -und priesterlich, in selbstgewollter Abgeschlossenheit, und Hugo von Hpfmannsthal in Wien, schweifender, schwelgender, weicher. Während George Klarheit und Gewißheit, Wirkung und Halt mg sucht und findet, verliert sich Hofmannstha in die dunkleren Gefilde der Ahnungen, die leuchtenderen der Visionen, in Vergangenheitskulturen und Melanchölie. Sein allaufsaugendes Staunen überhauchte mit buntem Glanz seine Verse, durchtönt von einer Musik, hinspielend durch glückliche Landschaften und seltsame Menschen, die nicht nur berauscht, sondern auch ' * in sich sejlbst von sich selbst belauscht ist. Und es muß der, neben Rimbaud, in der Weltliteratur einzig dastehende Fall verzeichnet \Verden: daß die Dichtung einesjünglings mitzwanzig Jahren vollendet ist, vollendet in d appelter Bedeutung: beendet und vollkommen. Denn Hojfmannsihal hat seither nichts wesentlich Neues, nichts neues Wesentliches gedichtet. Diese etwa dreißig Gedichte aber müssen zu dem Vollkommensten gezählt werden, was deutsche Lyrik aufzuwehen hat.’ Hofmännsthal, so viel er auch noch in den nächsten drei Jahjrzehntßn schrieb, — er blidb <wenn wir von den in die tiefsten Gründe seiner Themen sich Versenkenden Abhandlungen absehen) stefe der Lyriker seiner Jugend. Blieb Lyriker auch im Dr^ma, das er vergeblich mit immer neuem Anlaur lebenslanj j erstrebte. Und in den i er doch nichts anderes erz eite a s unendliche, breite ind schwere, ja verzweifelte, aber oft zauberisch-schöne Variationen dieier bereits vollendeten Lyric. I Hiermit ist bereits Wert und Schwäche seines drajnatisd.en Werks angekündigt. , Die Gefühls, und Menschendarstellung seiner Lyrik auch das Wesentliche seiner zugleich deren Vernichtung. Triumph ies Lyrikers verhindci des) Dramatikers. | Niemand hat die Lyrik Hofmannsthals charakteris iert als er selbst in ebendiesen Gedichten. In I gepflegter, sorgloser Jugei jen^r Wiener Atmosphäre, die bedeutet Dramatik — und Denn der frühe rte die Entwicklung klarer in in ununterbrochener Tradition alles Herrliche aus den Kulturen der Jahrtausende in sich aufsog, schrieb der Jüngling einem einleitenden Poem v^u Artl ur Schnitzlers »Anatol« die Worte, - die noch besser -als den Freund jhn selber kennzeichnen:’ »Trühgereift und zart und traurig.« Seine Augen vermögen nicht die Wirklichkeit der Gegenwart, zu- < ^tragen, denn »Ganz vergessener Völker Müdigkc irett'bann ich nicht abtun von meinen Lidern«. Zr findet nicht den Weg zu sich selbst/ denn »Viele Geschicke weben neben dem meinen, durcheinander, spielt sie alle das Dasein.« Er weiß, resignier: end,. daß "wir wandernd nimmer sucheri irgend Z eie«: . Diesem träumerischen nachdenklichen Menschen löst sich die Realität und Jede Landschaft in die Sphäre des Traums, und Shakespeares Wort »Wir sind aus solchem, Zeug wiej das, zu Träumen« kehrt immer wieder in seiner Poesie, über die er den Vers als Motto) setzen könnt :' .».Und drei sind eins, ei t Mensch, ein| Ding, ein Trrum.« . 5 . Die. Vollendung , von! Hofmannsthal > Dichtung ist nicht langsam gereift, sondern war feinfach da, ‘ist nicht Endergebnis eigener. Entwicklung, sonc ern Endergebnismnd Frucht aber Kulturen, zarter. Sinne pid Nerven, des von der Vergangenheit be4 , quem und erc uicklich DargeJ botenen. Darum ist es nicht verwurderlidi, daß diej pedichte und Dramen des Jünglings sic h lesen wie vor) einem reifen) weisen Mann ggschrieber j der das Leben nicht vor sich, sondern hinter sich he t.' Es ist wohl Leüchten in ihnen, aber, kein Feuc r, Keine Beji» wegung, sondern klassische Ruhe. Niemals Vor-4 wärtsstürmen, sondern rückblickend: Betrachtung, Er sucht nicht das Neue im Menschen' und in deij; . Zeir sondern formt das, Alte, das Gegebene, das) Gewesene und Unvergängliche. Formt es aller^ dings zu berückenden Gebilden,' beda? hi-bunt gewebijl wie stille Gobelins, die als Prunk stücke an dert Wänden alter Schlösser hängen. Al er die Buntheit . in Klang und Bild strahlt nicht, sie schimmert, als! wäre jeder Vers mit fluoreszieren lern Phosphor getränkt. Sein Reichtuni ist nicht' selljster'i orben, sonderr Erbe, da* er vejsch^nkt, ganz wi: er in einem seiner schönsten Gedichte den »Erbet « feiert. Seine Hugo v. Hofmannsthal. —!5‘> —

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