Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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i Dieses Schauspiel »Professor Bernhardi« ist ein Männerstück, wenn auch eine Frau, die hysterische Krankenschwester Ludmilla, mit hineinwirkt. Es steht abseits von der Linie, auf der sich Schnitzlers Wesen sonst abzeichnet. Im Vordet gründe steht ihm sonst immer die Frau, das Mädchen und noch mehr das Eheweib. Mit äußerster Kennerschaft, mit anatomischer Klarsicht, aber auch mit der psychologischen FeinSpürigkeitdes Dichters versenkt er sich in das Gewebe seelischer, und animalischer Regungen,' von denen die Frau beherrscht wi:d. Ihr steter Kampf um den Mann, gegen den Mann, für den Mann ist ihm ein. ebenso stetes Objekt ’ der Betrachtung und der Nachschöpfung. Abwehr, Notwehr, Sehnsucht, Erfüllung, Enttäuschung, die .. Flut und die Ebbe und alle Strömungen des Liebeslebens, das Reizende und Aufreizende, das Bleibende und Schwindende — ein Walzerfanz mit ewig wechselnden Paaren. Immer wieder voll 1 Abwechslung, volj Scheiden und Suchen ein »Rergen«, wie sich insbesondere jener Zyklus nennt, um den es soviel aufwirbelnden Staub gegeben hat. Schnitzlers Bühnenreich ist der Salon, das vornehme Hotel und der Raum," den die Ampel mehr verdunkelt als erhellt. Er hat dies und das auch in andere Stätten verlegr, aber stets kehrt er in die Sphäre zurück, in der er aufgewachsen ist , / yr.d die er liebt, auch wenn ihre Geheimnisse ihn ironisch lächeln machen. Es ist die mondaine und hälbmondaine Schicht, in der sein - Arbeitstisch heimisch ist. Von .dorther blühen ihm die Frauen zu, von dorther die Männer, mit denen er sie in anlockenden und abstoßenden Verkehr setzt. Es sind Männer aller Art, aber besonder? sind e$ diejenigen, die-noch heut und auch im alten Habsburgischen .Oesterdeich die Oeffentlichkeit so stark beherrjcSljktT:..' Journalisten, Schriftsteller, Schauspieler, Offiziere. Um den Schauspielertypus in den verschiedensten Abarten, 'vom erlauchten Hofkünstler Leben Burleske: dennoch, er es a Und da schlanke näselnd, an strarr jjs zum Wurstl, webt er immer neue, dem tjahf Phantasien, Versonnenes, Heiteres, mit seinem sanften Spott bringt er ein echter Wiener, dem Theater, indem tjf die Bühne zieht, seine Huldigung dar. m der österreichische Leutnant! Dieser Junge im prall sitzenden Rock, ein wenig kcjmmod leichtsinnig, aber nicht schlecht, mö Formen nicht so eng gebunden wie der prei ßi-che Offizier, stets mit Liebesgedanken angetan ehre«, uni scharf nur im Punkte der »Standestaucht in zahlreichen Abwandlungen auf. Er bele at j Schnitzlers Bühhenwerke, und, vom ^Leutn grauen ihren Grunde urtädichtdte dann Falls ist, so als um unserer ü bersch Atem, nicht i ch st c ie tzt der in ihm ajit jGustl« bis zum »Spiel im Morgenkehrt er stets auf's Neue auch in den Erzählu ig^n ein,. Fei isc imeckerisch, von wirtschaftlichen Sorgen nicht beerät gt, lässig vornehm, nachgiebig gegenüber ten, gepflegt rtiüßiggängerisch, aber im nint bösartig ist die von Arthur Schnitzler Menschenklasse. Vielleicht schöpft fr nur mehr aus dc?r Vergangenheit, unser gegenwärtiges. Leben i.ur ein Spiel cs doch ein Spiel um härteien Einsatz iebe. Auch das, was jetzt als Ausdruck erregfeil'-Zeitü so hoch geschätzt und oft wird, das »Tempo«, der stürmische jähe Vorwärtsstoß der Handlung ist S hn tzlers Sache. Mit allen Techniken de? Schreibens vertraut, kann er freilich auch diesen Ton an: chl igen. Seine herrliche Novelle »Fräulein Else« ist rin,Stürmen auch im Ausdruck. Aber auch hi :r ind nirgends sonst verliert er die Harmonie der Form. Er steigert f sie, aber er vernichtet;ie nicht. Das wäre, gegen sein? Natur, die nifhts anderes ist, als hochgezüchtete Kultur: im Denker ur d Fühlen, in der Erfindung und sprachlichen I istrumentierung der Wiener Melodien, die tören und aus ijim heraus singen. Hugo von Hofma nnsthal. Von Kurt Pinthus. Um 1900 wehten im den unbarmherzigen, nüchternen, von Aufriß und Aufschrei der gequälten menschlichen Kreatur durchbrochenen Realismus feierliche, edle Klängje, verlockend für die damalige Jugend, sie zurüjcklodtehd in die eben verlassenen -Gefilde der Romantik. Aber das war nicht jene an der H'Storie sich begeisternde, Tiefen und Weiten der W eit tind des Gefühls mit tiner sich selbst vernich enden Inbrunst erstrebende Romantik von 1800, loch die verlogene Kitschromantik der letzten Hälfte des ahgelaufenen Jahrhunderts, sondern eine Romartik, i dfe, -jenseits der zunächst wirr und häßlich Gestal ISS — suchenden neuen Epoche', das Schöne und Unvergängliche noch einmal kostbar formte.