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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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an. Aber dies Drama; aus der venezianischen Renaissance, *Der F e i n d und der Bruder*, enthält gleichwohl außerordentliche Schönheiten und Stärken. Das Problem der Inzucht, an dem jede aristokratische-Gesellschaft krankt, wird hier in tragischer Tiefe beleuchtet durch dieses Mädchen, das dem allzu fremden, gewalttätigen Gatten entflieht mit einem sanfteren Jüngling, -- der sich dann als ihr Bruder herausstellt. Der Feind, das Fremde, das unsere Kräfte zum Widern stand reizt und lebendig erhält, ist unseres Lebens wahrer Freund,- der Bruder, das allzu verwandte und bequeme, was uns einwiegt und erschlafft, ist der Feind unserer Lebenskraft. — Fast zehn Jahre später, erst . im Jahre 1$20, erschien wieder ein Heimannsches Drama ‘^Armand Ca frei*. Inzwischen wjfren die furchtbaren Hrschütrerungen von Krieg und Revolution über Deutschland hingegangeh, ynd Heimann. der von je aus einem tiefen Antrieb - seines Wesens heraus leidenschaftlichen Anteil an der Politik rtehm, gab hier politisches Bekenntnis — nicht im Sinne einer Partei, sondern im Sinnt des Wahrheit und Recht, Ordnung und Freiheit zugleich suchenden.Geistes. An dem Fall des Armand Carrel, des großen republikanischen Schriftstellers, der 1836 im Duell fiel gegen Herrn Girardin, einem der ersten skrupellosen Großunternehmer des Journalismus — am Ausgang dieses Carrel gestaltet Heimann das Wesen des reinen, vom höchsten menschlichen Stolz zu selbätveigessener Arbeit getragenen Politikers. — Heima ins etztes Werk gestaltet dann zum ersten, Mal einen} jüdischen Stoff: «Das Weib d e s\ Akiba*- schildert das Leben des berühmten! jüdisch n Rftbbi, der «-ein Wilder vom Felde« war, ein König} unter den Theologen wurde und schließ! ch; Is Märtyrer für die jüdische Sache im Aufstand des Barkochbar umkam. Dies Leben, das der Gewalt um des Geistes willen entsagt, und um des Geistes willen doch wieder zur Gewalt greifen mul, gibt'Heimanns tiefste Erkenntnis vom kenntnis bdaden ist, und das doch für Menschen, die ge liches, Ende’ das Wort * »\Ve| wäre, Kraft ewiger dem Felde Im urierm Welt zun sicherh eit Mensc len das v< ie dichturgen Spi el der Gegenkräfte, wie es nicht nur auf der Politik das Lebendige beherrscht idlichen Bewegen von einem Pol der anderen, in der ewig strebenden Unstedet alles Gute und Große, was den gegönnt ist. Am Ende dieses Dramas, ede dieser vier Heimannschen Bühnenfast über den Rand mit geistiger Erstiger Erlebnisse fähig sind, ein ganz wirkhöhst bewegtes Drama bedeutet — am diejser reichsten seiner Dichtungen steht sicher ist, und wenn er Gottes sicher ist bin Verderber*. Von der geheimnisvollen die: er frommen Unsicherheit lebt auch das drama ische Werk Moritz Heimanns. Arthur Schnitzler. Von I F r i t*z Engel. Im innersten Ohr lösen sich uns .oft, wenn wir von einem Dichter hören, Klänge der Musik aus,- Sch'iller schwingt in uns wie ein festliches Orgelstüdc, die Dramen unserer Jüngsten sind dialogisierte Jazzband, und von diesem Oesterreicher, von Arthur Schnitzler her tönt der Wiener Walzer, aus des Dichters innerstem Wesen heraus, und nicht nur, weil die Ideenverbindung nahe genug liegt. Keiner von den raschen und schmetternden Walzern, ©er langsame, breite, nicht überstürzte, gewissermaßen sich selbst genießerisch schlürfende, träumerische, elegische, aber, auch fröhliche, zärtliche Wiener Walzer:' dps ist Arthur Schnitzler. Er dreht sich in der Welt, die Welt dreht sich um ihn. Wie ist sie wunderlich, diese Welt, so voll Ltfidensdiaften :und Konflikten, voll Von Komik, die ins Tragische ,h in überd üsterr, voll von Tragik, die zum Komischen abschwebt — und dahinter viellei der das L Liebe früh walrtet der Tod. Wir fürchten ihn nicht, :i|cht ist er die Krone des Daseins und nur Totentanz wäre würdig, erlebt zu werden. Wir dür’en den Tod nie vergessen, auch nicht beim (Dreivierteltakt, aber wir fürchten auch nicht?ben. In unserer Trübseherei atmet doch die zu diesem Leben, just, weil es so gar nicht .einförmig weil es so seltsam und im Guten wie im Scdediten so gefüllt ist- Nein, wir wollen von dieser bunten und nur einmaligen Schüssel nicht zu aufitehen. Freigebig wirft das Leben uns Stcffe hin, es schüttet Glüdc und Unglück, seine Wonie jmd Schmerz in die Menschen hinein, und wir vollen, wenn unser Gestalten Kraft genug hat, neu^s Leben daraus formen und die Menschen der Wirklichkeit zu einem Spiel, das doch wirklich sejn könjnte, auf die Bühne bringen, auf dieses immer märchenhafte Gestell voll süßem und bitterem 156 —

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