Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Heimann. Von I u I iu f . .. : ■ Moritz Heimann, der > jahrzehntelang Lektor eines führenden deutschen Verlages und bis zu seinem' frühen Tode der Freund und Berater zahl« reicher deutscher Dichter Und Schriftsteller gewesen ist, beansprucht ■als Persönlichkeit einen bedeutenden Platz in der Literaturgeschichte dieser Epoche. Auch sein Rang als Essayist ist durch den tiefen Gehalt und die höchst eigenartige Prägung seiner Prosa ^ichergestellt. Als Dichtet! bleibt dieser Mann eine problematische Erscheinung: Zwar wurzelt seine Bedeutung a-ls Denker * gerade in selber reichen sinn- 11—-'—!--—— lichen Anschauung und in der ihr entsta Timenden Ehrfurcht, die jeden hochmütigen Versuch zu dogmatischer Systematisierung von ihm fernhielt urd ihn zu einer immer feineren, immer gerechteren Auswägungaller Weltkräfte zwang Aber so reich die sinnliche Ansehauungssuyime war, die dieser in einsamem Dorf unter märkischen Bauern aufgewachsene Jude, besaß, die eigentliche, von uralten Zehnen ererbte Kraft bej ihm war doch die des messenden Bewußtseins, die Fähigkeit, mit höchster Feinheit die Kontraste zu ermessen und auszusprechen, •; in deren Gleichgewicht die V^elt sdiwebt Diese Stärke ces Bewußtseins und der geistigen Formulierun jsibereitschaft ist aber ein schweres Hindernis für den leichter, dem eine sinnlich bezwingende Nachfühlung und Nachzeichnung der Gestalten wohl nur in e nem Zustand dumpfer Hingegebenheit gelingen kann Doch in'der dramatischen Form da hört frei ich die Notwendigkeit sinnlicher Gestaltung, und damit ,die Gefahr für einen Autor vom Schlage, Moritz Heimanns, nicht auf/ aber hier bedeutet der Einsatz des dialektischen Vermögens, das Wissen um das Spie der weltbauenden Gegenkräfte doch auch anderers :its eine mächtige Förderung! Denn die An-* Ordnung der sinnlichen Gestalten iri diesem dialektischen Rhythmus ist das besondere Wesen des Moritz Heimann. s B a b. 1 , . ■- ''. ‘ ■ . .■)>! Von früh an liegt eine ganfce R:\he theatralischer Fingerübungen vorderste Sj>iele;des Heimannsdien Geistes mit der Form' des Theaters: Eines dieser Spiele ist sogar 1896 mit' einigem. Erfolg auf die Bühne gelangt. Zs hieß »D (r Weiber-- schreck«* behandelte die Anekdote von em£r Ehe, die plötzlich ungültig, wird, weil'der'amtierende' Bürgermeister ein Schwindler war,, tfii'dstellte sich als ein kräftiger Schwank' mit, etwa:. # realistischer Psychologie, aber geringer Eigenart! dar. Kauixi hie: und da blitzte etvdas vom besonderen Wesen Hei-i mannscheri Gels tes schon auf. — Ein Gegenstück dazu bedeutet das ft st zehn Jahre später erschein :nde- Gedicht »Die Lieb : s sc h u I e* -rr ein'rechtes Juchdrama — das mit einer Fülje, nun* freilich bereits'sehr reifer und L T eigenartiger, Rhetorik den dramatischen ^blayf fast ganz zum $:ehen bringt. Erst danach hat Heimann den schrhalen hX^eg^ zwischen mt t dem bloßen Theaterstück und rM '•» dem Buchdrami hindurchgefA *, funden: zu eine‘ dramatischen Dichtung, in''der das geisthaltige V-Wort doch immerfortaus girier.' Bewegung der Gestalten stammt und Bewegungen führt. ln dem 'halben das ihm von 1908.» an noch zu hat er vi.er dräfJiaHsche Didi^ S. Fischer Verlag»,’Berlin. mas. ßo sind denn von den dichterischen ngen Moritz Heimanns die dramatischen Dra Aeußert die weitaus wichtigsten geworden. zu neuen Mensdienalter, leben vergönnt war, tungen geschaffen, die einer sehr ernjien Bemühung des Theaters wert sind. - i --- Zuerst »Joachim von Brand«, eine Komödie, die man auch »Peer Gyji: in Preußen« nennen könnte! Die Geschichte eims ostelbischen Junkers, dessen mächtige Lebenskraft in einer flauen j und feigen Umgebung anarchistisch verwildert, bis er, schon am Rande der Katastrophe, schließlich! durch die Geburt eines Kindes kur. Besinnung gebracht wird. In diesem ostdeutschen- Kleinstaat-: stück ist für ' Moritz Heifnann die Welt seiner Jugend mit all ihren Erlebnissen besonders fruchtbar geworden. — Die Welt des nächsjer Dramas war: minder unmittelbar erlebt und'schon deshalb haftete^ dieser Verstragödie eher, ein literarisqter Geschmack 1-^ 155