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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Wie bezeichnend: Der bedeutendste Didhter Jener Zeit, Gerhait Hauptmann, fing mit seinen »Webelrn« als sozialer Ankläger an, begann mit einer Darstellung des ewig-unausrottbaren Unrechts in der,menschlichen Gesellschaft/ der stillere, begrenzter?, leisere, jüdische > Dichter Georg Hir$difgld aber begann mit einer Darstellung der — Familie, der jüdischen Familie, deren Zersetzungserscheinungen ' ihn in ganz ähnlicher Weise als nicht A n k 1 ä g e r auf den Plan riefen . . . »Dramatisch« war er n[in freilich nicht, zu vernehmlich schwang1 bei allem,1 was er schrieb, der lyrische Unterton mit.< — \^on Stimmungen gesättigt, aus Stimmungen geboren; sind alle seine, Stücke, -i— Er muß viel Trübes ünd Schweres in seinem jungen Leben erfahren haben, und das erlittene Ldd hat ihn frühzeitig überernst und bitter »Früh gereift und traurig« ist eine weiche, allen Gram ,mitemphneiner großen Vergangenheit nachwirkt. : Sein erster Einakter »Zu Hnusiej«, ■ ihn: schon als Neunzehnjähriger/ — höchst beachtenswerte Talentprobe, obachtungsgabe ist dem Dichter ai, sind hier schon Typen aus widerl und Parasitenkreisen, die nur auf df völlig degenerierten und zersetzten er schreibt ist bereits eine Schärfste Be« geboren! Wie eben Bummlerm Boden, eines Judentums gedeihen können, mit knappen Strid en lebenswahr gezeichnet!»— Mjt welch sittlichem schon der Kampf, gegen gesellsdiaii holde Genußsucht geführt! *—■ Äch! der' derartig gemacht . und zart er stets fremden -ewige J dende Natur», empfänglich und verträ äumt,' und > bleibt, an Hölderlin erinnernd, der Jlüngling« mit dem tiefen, weltschmerzlichen Zug um die schmalen Lippen Im Grunde ist er Musiker, der gern in Worten wiederklingen lassen möchte, was als Melodie in ihm schwingt. Sein ganzes Empfindungs« und Schlicht Deutschlands g|)Lfck der 19 erste größer« -Hirsdifelds, wurde ein Erfolg. Maji mehr lebehdig Ernst ist hier iche Lüge upd wäre die Zahl nach Wahrheit Ringenden eit in den führenden Schichten ', überwiegend groß geweser, — das Linker Jahre wäre nicht gekommen oder wäre zum mindesten wertiger katastrophal verla jfen! — Das Bühnenwerk >Die Mütter#, äftganhaltender hat Oeorg Hirschfeld. Nach einer Radierung von Hermann Strjick leben ist gewissermaßen auf Töne und Klangfarben abgestimntt. Und was in seihen Stücken so herzgewinnend und — ergreifend wirkt, ist die verhaltene Reinen Klage des sich nach allem Hohen und Sehnenden, den der Schmutz und die Erbärmlichkeiten des wirklichen Lebens unsäglich quälen. Im Judentum ist in , den letzten Jahrzehnten sammengestürzt als während eines Jahr« vorher. Vieles von dem Patriarchalischen würdig-Großen des jüdischen Familienmehr zu tausends und Ehr wird der letariat c| lebens ist im Absterben begriffen/ immer größer Unrecht als sein bestes Werk bezeichnet: sp« tere sind innerlich reicher un d seelisch differenzierter. Dn Mängel seiner Technik . liegen hier auf der Hand: naturalistische Zustandsschilderungen ohne kräftvolleExpc pirion! Irgendein Abschluß fehlt! Glänzende Beobachtung bei mangelnder künstlerischer Formung und Durchdringüngsferaft. Der »Held« ist ein. bedauernswerter’ -Sdiwädiling. Audi er wohl nur das Resultat zersjet tten jüdischen Familienlebens, in dem Harmonie und, Friede, gegenseitiges Verstehen 'und Füremanderlebeti Chimäre geworden sind. . Aber- >pie leben die beiden »Mütter« in dem $tüik, niit welcher Liebe sind diese beiden wundervollen Frauengestalten gezeichnet. Das schon 1894 gesdriebene Stück hat nach dem Kriege, ebenso wie verschiedene andere Werke des Dichters* noch e nnial fröhliche Krejs von Juden, der in eine Art »Pro- Auferstehung gefeiert, vKäte Dorsd jer Seele«, in ein »Ghetto der Gemütes hinabgleii et, das schlimmer ist, als der Jammer rein physischer Armut. Da wird nun Georg Hirschfeld wie kein anderer der Dichter eines neuen Milieus, des we ü t j ü d i s p h-en Kleinbürgertums in dem die religiöse Inbrunst'und'werteschaffende Kraft in unvergeßlicher Weiqe tira Lessin f-Theater die Hauptrolle. Das Dichteris^v-Feine und Poetische des Stückes wirkte noch ebenso frisqi und lebensvoll wie am ersten Tage. - Aber freilich, den märchenhaften Glanz einiger Hirschfeld-Aufführungen aus 4er Blütezeit des’ es zu spielte 1925 ir - 153

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