Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wobei das schmückende Beiwort sich ebenso auf den ersten wie auf den zweiten Teil des Wortes beziehen. spH '- — der aus der besten Tradition . herauskommt, der französischen, der spanischen und der Grillparzers. Fulda ist nie ein Dramatiker des heißen Atems gewesen, dessen Schaffen eine Kette von Explosionen ist. Kein Realist, der Shakespeare-Szenen nachformt, kein Grabbe und kein Wildenbruch <»er ist nur ein Trompeter und doch bin ich ihm gut,« sagt Alfred Kerr .von jenem). Kein Christian Günther (»der im Leben und Dichten nicht Maß zu halten wußte, und so zerrann sein Leben wie sein Dichten«). Wenn auch eben diesem alten Christian Günther, der an der Schwelle einer neuen Literaturära stand, seine erste germanistische Studentenliebe galt, und wenn er auch aus Günthers wildem und früh und schuldvoll verlöschendem Leben ein erstes Jugenddrama formte. Im Gegenteil: gerade das Maßhalten im Dichten,- die Selbstzucht ist die Signatur eines Ludwig Fulda. Er ist der Mann der Form, der klassischen Form, der gefälligen Form, der feinsten künstlerischsten Geste. Er ist ein moderner Nachklassiker,- aber kein Epigone. Er gehört trotzdem mit seinem ganzen Temperament, mit •seinerganzen menschlichen Einstellung in die -Gegen- » wart, und ■ nicht in die Heyse-Zeit Aber die kultivierten Formen sind ihm lieber Und naturgemäßer, als die .ungeklärten, suchenden Formen des Naturalismus, oder gar jene der Gegenwart .... ohne daß er etwa gegen sie in . einer Abwehrstellung7 stände. Im Gegenteil: Fulda hat, von den Zeiten der freien Bühne an, sich immer unter den ersten Vorkämpfern befunden für Künstler, von denen man annehmen könnte, daß sie eigentlich seinem Wesen diametral entgegengesetzt (sein müßten. Wie z.'B Ibsen, dessen erste deutsche Aufführungen in Augsburg jer nicht nur mit ermöglichte, sondern, für dessen Versdramen i und Gedichte er auch, seine formvollendete Kunst der Ueberi ragüng einsetzte. Aber man hat oft gesagt, daß Fulda doch nur ein französischer Geist und ein französischer Mann des Esprits unter den deutschen Theaterdichtern wäre. Doch trotzdem er die Alexandrina Molieres in deutsche gereimte Jamben umformte, und für die pathetisch: Grazie der.Comedie franc^aisje, die in den Vers:n Rostands und seines Cyranp weiterlebte, «in kongenialer Ueber^etzer waK ist es grundfalsch, bei Fulda von französischen Einflüssen zu spred Man kan näher, wc und Jude und zwar als Jude emporgesi iegen^ ist en. Und cs trifft ihn nicht im Kern, mt i seiner literarischen Wesensart schon nn 'man feststellt, daß Fulda Frankfurter ist. Das heißt: zuerst ein Westdeutscher, aus einem Landstrich, in dem der romanische Eii ßuß nie aufhörte,- und ein Mei\sch, der aus Ludwig Fulda. Frhr. v. Gudenbcry Berlin \V ifirr Ml völlig ferner noch eben einer Mittelrasse Als solcher mag -er völlig eingedeutscht' sein seit langen Reihen von Generationen, es liegt ihm eben doch das antikische formale Talent, der absolute Sinn für künstlerische Formen im Blut. Der Sinti für reine Gestaltung und sprachliche Linie, und die Freude am Spiel. Er lebt als solcher immer noch (wie vor Jahrtausenden) in einer klaren, nebelfreien Luft der Kunst, wie der Geistigkeit,- und das Krause, Wirre und Chaotische, aber auch oft Grandiose deutscher Mystik, —s das, was wir mit dem Sammelwort Gotik bezeichnen wollen, und das im Schaffen eines Gerhart Hauptmann z. B. einen unlösbaren Bodensatz bildet — liegt fern. Man muß einmal den Essay im iktor Hchn's »Goethe, Nordost und Südwest« gelesen ha >en, um ganz zu verstehen, was ich hier sagen will Fulda ist also zuerst der Mann südlich der Maiqlinie, und weiter ist er ein Blutserbe von allerhand: vjittelmeerrassen, und das erklärt seinen1 in Deutschland so ungewöhnlichen Sinn für die Formalien — 150 — der Wörtkunst, und die scheinbar so undeutsche. leichte Beschwingtheit seiner dramatischen-' Arbeiten. Sie sind gar nicht von romanischer, französischer Kunst beeinflußt, — selbst dort, wo sie spanische \ oder italienische Renaissancemotive wählten! : — sondern sie sind, wenn man genau hinsieht, i e h r anders- Sie werden nur aus ähnlichen Qye llen gespeist, und es ist nur der Widerschein eines ähnlichen Temperaments in ihnen, das das lieber swürdige Plänkeln des Zwiegesprächs liebt, den Witz uÄd die kluge Nachdenksamkeit. Den feinet) Stich des Floretts zieht es dem Säbeli