Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus diesen Voraussetzungen ergibt sich, daß es seit Anfang des 19. Jahrhunderts im wachsenden Maße bei fast allen europäischen Kulturvölkern wie Theaterunternehmer so auch Theaterschriftsteller jüdischer Abkunft geben muß.' Der Rhythmus der Bühne, das, Wesen der dramatischen Dialektik, Spannungs- und Wirkungsgesetze des Theaters sind von jüdischen Menschen sehr -schnell zu er» spüren und zu erstellen. Diese Fähigkeit, e'n be» stimmtes Kulturinstrumeot in Bewegung zu setzen, eine vorhandene Maschine zu bedienen, ist aber an sich noch nicht produktiv — es kommt darauf an, was für neuer Lebensstoff in die Maschine geworfen wird! Unleugbar ist die Theatertätigkeit, der sich viele jüdische Männer; namentlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hingegeben haben, und,oft mit Talent-und einer Art von rein formalem Enthusiasmus, doch kulturell unschöpferisch gewesen Sie haben dgn Betrieb ver» mehrt, nicht die Lebensgüter. Wa£ da zahlreiche, zum Teil sehr bekannte The^tertschriftsteller in Paris, Berlin und Wien geschaffen haben, war keine Bereicherung der dramatischen Literatur, es gereichte der europäischen Gesamtkultur nicht zur Förderung und dem Judentum nicht zur besonderen-Ehre. In einzelnen Fällen kam es freilich schon hier 'zu festen und fruchtbaren Verwachsungen jüdischer Theater» schriftsteiler mit dem Volksgeist Ihrer Heimatstädte. Was David Kalisch und etwas später -L'Arronge für das Berliner Volksstürk getan haben, das war, ohne Ewigkeitswert, doch sicher so gut und nützlich, wie die gründlich lustigen Theaterstücke -es sind, die eine Generation später ein Tristan Bernard at^s der vollkommenen Durchdringung jüdischen und Pariserisdien Wesens herausholte! (Die Festigkeit und Fruchtbarkeit, in der eine solche Verbindung möglich ist, hat übrigens früher und in weit höherem'Maße bereits Jacques Opfenbach bewiesen — wahrscheinlich die stärkste Kraft, die das moderne Judentum, wiederum von Par*s -aus, überhaupt auf .dem Gebiet des Theaters bisher zum Einsatz brachte. Allerdings wareft seine -Mittel nur zum kleineren Teil die des . Dramatikers > Die naturalistische Bewegung, die im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts Europa erschütterte, brachte sehr stark die stofflichen Eie» mente des dramatischen Kunstwerks in den Vordergrund. In dieser Epoche bedeutete die Darstellung eines Menschen mit seinem ganzen Milieu, mit. der Summe seiner ererbten und erworbenen Eigenschaften sehr viel und, die Herausarbeitung des dramatischen Kampfrhythmus sehr wenig. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß in der Sphäre dieser Milieuslücke, dieser Suinmungsdramatike■ die Juden durchaus in zweiter Reihe standen. Eine st«»rk einset?eide Begabung, wieG eorg Hir schfeld, verlor s dindl den Atem. Und von höierem geistigen I iteresse, aber von charakteristisch geringer praktisder Wirkung ist hier eigentlid nur der Dramati cer Moritz Heimann, d|er Freund und -Schwager Gerhart| Hauptmanns, Der vir uchte sein WeltgefühJ, das dem schlesijden Dichters verwandt genug ge Phan mag, {ohne dessen enorme sinnliche dafür idi rch höchste'Anspannung des Bewu(|ts:ins zu gestalten.- — Für die Bühqei ist'in dieser Epoche — außer disjjhcn Dramatikern, die ja Milieu janz tief jVerwuizelt waren noch dei holländische Jude H e j e r m einiger Bedeutung geworden. CJanz anders wurde die Situation, Jahrhundertwende der sogenannte neu tische Stil auch im Dramä zur drängte. Da handelte es sich nicht Wirklichk ritsdarstellung, sondern um den phantastis hen Stoffen und melodiösen Sj > erreichten Ausdruck einer Stimmung, auf dem Mangel an Wirklichkeitsbesit|z Zum Au: druck drängte der unsicher, sinnlos empfundene Zustand des höher; tums in Europa, der in gewissen Kre städtischen Judentums in zwiefach gewesen, des großen wesen sein tasie und ialektisdien lebendige den j i d — in ihrem höchstens n n s von | als um, die romän» Herrschaft mehr um gefühlt w die Wien freilich stets mit sehr starken lyrischen versetzte pflegten. Uelergan? von der realistischen zu die tischen Form,- ihre reinste Ausprägung lyrische EIramatik Hofmannsthals Hof m a künstleri: Aber hängigke t, Dauer a arde. In Deutschland waren e Juden, die auchdie dratp — Form des neuromantischt n Arthur Schnitzler bed nn und Stefan Zweig si same Ausläufer. In deren Dichtungen, ganz allg;meinen Gefühl der Epoche n verschafften und darin einen * Wert be>itzen, ist gerade der besonders u»d unfeste Lebenszustand des europäi ch fruchtbar geworden. die naturalistische Stimmung die in der Neu-Romantik kommen« n Fatalismus und zum Weits »Dekadenz« gesteigert war, erwies tötliche Gefahr für das stci gan Bereich c es. europäischen Lebens und im auch für seinen kleinen dichterischen für die dramatische Kunst, Deren. Bewegungs elemente r waren in Gefahr vollkommen zu ver» meist init radimitteln lie gerade beruhte! ragwürdig, n Bürgeren groß* Stärke besonders atisdie — Elementen Dramas T eutet den! :r ld >er roman» ist die Beer» bedeut» die einem >twendigen bleibenden gefährdete i^dien Juden der Ab» zum voll» hmerz der auf jlie ze größe speziellen \ussdinitr:' - MS