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Der Orden Bne Briss · 1927-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 9 - September
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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die Schilderung der Judenverfolgungen unter Nikolaus I. (1825—1855, in Rußland. — Den Herausgeber Julius Goldstein behandelt die subjektive Volkstheorie an Hand einiger neuerer Schriften. Er macht darauf aufmerksam, daß bei Beurteilung der. Volkszugehörigkeit der Memelländer, der Wenden, der Wallonen, der Böhmen, der Oberschlesier, der Schleswiger und der Elsässer una Lothringer selbst Schriftsteller, die dem völkischen Ideenkreis nahestehen, nicht die Abstammung, sondern die psychische Einstellung Gefühl, Wille, Bekenntnis' für entscheidend anseben. Bei den Wenden z.B. halte man sich an diejenigen; die ein eigenes Volkstum ablehnen. Bei den' Juden dagegen wollen unsere Chau- ‘ vimsten sich an die Minderheit halten, die ein eigenes Volkstum bejahe. Die Typen des deutschen Judentums in ihrer Beziehung zum Sozialismus macht Dr. Hilde: Landauer zum Gegenstand einer soziologischen Erörterung. Der Sozialismus stelle sich dar als eine Erkenntnis der geschichtlichen und sozialen Bedingungen menschlichen Werdens und Gewordenseins und als ein radikaler Wille^die Bedingungen mit gegebenen Mitteln zu ändern und einem Ziel menschlicher Bildung zuzustreben. Die materielle Bedingtheit der deutschen Juden könne |init Vorbehalt als eine besitzbürgerliche, größeren oder kleineren Formates, bezeichnet werden. Hinneigen zum Sozialismus bedinge einen Klassensprung irgendwelcher Art. Die zionistische Idee als solche gebe keine bestimmte Stellung zum Sozialismus, per orthodox-jüdische Typ habe — wie der Anhänger jeder positiven Religion — die Tendenz, konservativ zu sein. Freipich sei die jüdischfe Geschichte und Lehre von tiefem Lage der Bedrängten und Enterbten erfüllt. Der Typus des liberdien Juden sei etre Wesunsfor.m ohne einheitliche Ideologie. Der entwurzelte Jur e und der Proletarier hätten Perührungspunkte gefunden. Jude, «Ser aus der Zweiheit: Glau Lebensbasis-mache, sie bejahe und falt zwar nicht die Eignung zum letzten Führer — gleich Verständnis für die Der »neu verwurzelte« ae und Heimat eine liebe, habe im Regel¬ und Viktor Adler —, als ein gegebener Einzelpersönlichkeiten wie Lassalle wohl aber dürfe er in vielen Fäll« r Mittler und Vermittler ,-für das Proletariat angesprochen werden. I *-Dr. Paul Frank bedauert in seinem Aufsatz »Brücken zur Volksgemeinschaft«, daß zwar mancherlei brückenbildende Organisationen vorhanden seien, daß es aber an den lebendigen Menschen fehle, cie nicht nur Gemeinschaftsgeist ersehnen, sondern seton selber in diesem Geisje leben. -Das Irrationale im Antisemiti: mus« hält Dr. Felix Goldmann nur für relativ irrational. Nehme 'man das Individuum als-ein aus dem Ganzer Losgelö.stes, so möge die-Entstehung der Gefühle unerklärt ar und damit, irrational, erscheinen. Nehme man aber die Gemeinschaft; betrachte man ihr Werden im Ablaufe anger geschichtlicher Perioden, so erkenne man die Krätte genauer, die das Gefühlsleben gestalten. Das Irrationale in den Gefühlen sei schließlich, wenn man es genau nehme, nicht einmal relativ, sondern nur scheinbar. ln der Abhardlung »Die Teil lahme der deutschen Juden am Geldmarkt« zeigt Dr. Hans Priester, daß zwar zur Zeit der Stabilisierung (als Jakob Michael als einziger an sie glaubte, sich zum-Teil von seinen Sachwerten trennte, diese in Papiermark umwandelte und die Gelder I auslieh,) der d Einfluß gestandejn ganz gering ge Das August Dr. Otto Meller Bentfemann-Sus regungen auf d Dr. efrtsche Geldmarkt stark unter jüdischem habe, daß aber seitdem dieser Einfluß Worden sei. Heft bringt -noch kleinere Aufsätze von Dr. Else .Meißner mnd Margarete von «Jann. Der Leser erhält wertvolle An* n verschiedensten Gebieten. Fritz Goldschmidt (Spinoza-Loge). Clementin: Krämer: Die Raute r ei. 1927. Gustav Kiepenf euer -Verlag, Potsdam. ( »Besser gelötet werden, als töten.« Dieses Problem der Berechtigi|rg des Krieges wird an dem Problem ddr. Dorf-Raufereier im Kleinen dargestellt. Ein junger Knecht im Dorfe wird von dem Liebhaber eines Mädchens, das er einst gern hatten zu einer Rauferei provoziert und sticht den Angreifer gegen seinen Willen nieder. Die Gutsherrin, eine überzeugte Pazifistin, sucht ihfn klar zu machen, daß cie Lehre des Evangeliums mit jeglichem Totschlag, ob < urch Krieg oder Rauferei, im Widersprach steht. Unter schweren inneren Kämpfen ringt der Knecht sich zu dieser Ansicht durch. Da wird er bei neuen Liebeshändeln 1 ein zweites Mal provoziert und muß es erleben, daß infolge seiner Weigerung, sich zu schlagen, sein Mädel vor seinen Augen den Tod findet. — Der Knecht findet sich nun im Leben nicht mehr zurecht, »doch dies Ts*! wahr: das RaufeH im Ort und in der ganzen Umgegend ist seltener geworden von dieser Zeit an«. ' f j Die Erzählung verfolgt also eine ausgesprochene Tendenz. Die Verfasserin hat es jedoch verstanden, die Handlung so künstlerisch auszugestalten^ den .Wandel in der Seele des Helden so lebendig darzustellen, daß der Leser ihr gern folgt. R. E. . m Augustlieft der Monatsschrift für Geschichte und , Wissenschaft des Judentums nimmt Julius Guttmann in außerordentlich lichtvollen Ausführungen zu d^r Frage nach der »Dogmatik« des Judentums abschließend Stellung. Er weist die »Labilität« der jüdischen Glaubenslehre!) im Gegensatz zu den christlichen nach und führt sie auf [die Eigenart der jüdischen Religion, die nicht in«- dem; Sinne wie die christliche als Erlösungsreligion gelten! kann, zurück; im Zusammenhang werden die eigentümlichen Schwierigkeiten 'ejörtert, auf welche die Darstellung der jüdischen Ctläubenslehren in der Gegenwart, stößt. E. Bickermann prüft den Vorwurf des Eselskultes, den man im Altertum gegen das Judentum erhob. Jpsef Meisl schildert die etwas ergötzlichen und doch sehr ernsten Verlegenheiten, in welche die preußischen Judengemeinden dadurch kamen, daß die ^Herstellung von Kalendern Privileg der Akademie der Wissenschaften! war, die natürlich den Bedürfnissen der, Juden nicht Rechnung tragen konnte. Die Sammelbesprechung dieses Heftes, von A. Kaminka verfaßt, unterzieht wichtige Werke -über die Vlagiographen, insbesondere Gunkels neuen Psalmenkommentar, einer kritischen 'Betrachtung. Die Sagen der Juden. Juda und Israel. Gesammelt von M. J. bi n Gor ion. Uebersetzt und herausgegeben von Rahel und Ertianuel bin Gör ion. Verlag voh Rütten und Loening, Frankfurt a.M. XII und 498 S. — 144 —

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