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Der Orden Bne Briss · 1927-09-01 · Nr. 9 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 9 - September
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Möfiate berechneten, ungemein vielgestaltigen Programms wie der katholischen und protestantischen, so auch der jüdischen Gemeinschaft einige aufeinanderfolgende Tage einzuräumen, in denen die Musik als Faktor des Gottesdienstes herausgestellt werden sollte, •Wenn man bedenkt, daß die beiden christlichen Konfessionendabei durch auswärtige Kirchenchöre, und zwar die berühmtesten, nicht einmal bloß aus Deutschland; vertreten waren» so ist es ein hohes Lob, sagen zu können, daß . das jüdische Element durch die Kantoren, Organisten, Chöre und vor allem die Chordirigenten der drei großen Frankfurter Gemeindesynagogen zu durchaus würdiger'Geltung gebracht wurde. Der dem konservativen Ritus dienende und-deshalb auf unbegleiteten Männer- und Knabengesang angewiesene Chor mit seinem Vorbeter hinterließ, zumal durcfi die geschlossene Folge der Freitagabencjgesange einen nicht minder tiefen Eindruck als die vereint singenden Chöre der beiden liberalen Gotteshäuser,deren sehr zahlreichen Darbietungen neben der Mitwirkung zweier Dirigenten und dreier Oberkantoren auch noch der Schmelz der Frauenstimmen und vor allem ein von den beiden Gemeinde-Okganisten gespieltes, ganz wundervolles Instrument, die neue Walcker - Orgel des eigens für das Fest erstellten Joh. Seb- Bachsaales zustatten -kam. .Xis einer der zu Gehör gelangten Komponisten durfte sich unser greiser und doch jugendfrischer Br. Prof. Kirschner (München) des ehrendsten Beifalles erfreuen, wie er auch in einem Vortrag über iDi^ historische Entwicklung des Synagogengesanges« den gleichzeitig tagenden Kantorenverband der Öffentlichkeit gegenüber repräsentierte. Seine Werke aber, wie die der Japhet,- Lewandowsky, Sulzer, Naumbourg, ja wie auch diejenigen ostjüdischer Autoren und besonders des der Spätrenaissance angehörigen Salomone de Rossi schienen uns, vielleicht ganz persönlich, im Tonsatz und — unbeschadet der gelegentlichen Verwendung traditioneller Motive — auch; in der Melodie mehr für ihre jeweilige musikalische Umwelt als für spezifisch Jüdisches zu zeugen, so daß die’ oben erwähnte rein konfessionelle Auffassung durch das auch zeitlich in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellte zweite Konzert beinahe, gerechtfertigt wurde. In anderem, weniger unbedenklichem Sinne geschah das auch am ersten Abend, der durch das Auftreten des Münchener jüdischen Gesangvereins erwies, daß dieser der heutzutage1' manchmal etwas weitgehenden Betonung des Konfessionen vielleicht eher £ein Dasein verdankt als;inem;achlichenBedürfnis. Einstweilen wenigstens . •eich# hier die’ Literatur kaum über das reih synag jgale hinaus. Schon deshalb war ,es nicht :u verwundern, daß der Glanzpunkt dieses Conzerts das Spiel Mischa F.lmanswar. In dessen, Kunst das »Rassige«, auch außerhalb der paar Stücke ausgesprochen jüdischen Gedankengehalts, die er brachte, herauszufühlen, fiel gewiss nicht < chwer. Daß dies aber in solchem Zusammenhang nindestens nichts Schlechtes besagt, wird uns aus der Bedeutung und -der Anzahl der Violinvirtuosen jüdischer Abstammung vom großei i Joseph Joachim an klar genug. Und wenn (ieser andererseits auch von seiner ungarischen Heimat sq viel in sieh aufgenommen hatte, a so. jeigt sich hier das auch heute npch meistens f jhlba efortwährendelneinanderfließen der beiden Faktor;n und gebietet angesichts des neuen ferl’schen Buches fast gleiche Vorsicht im Urteil rwie gegenüber den dereinstigen Gehässigkeiten ii Riciard Wagners »Judentum in der Musik«, cie lei ier auch manchen Juden längst eine Art ABC-Weisheit dünken. Selbst die mustergültige Darbietung ostjüdischer Volkslieder durch Rahel Frmoliikoff (Berlin) und Obetkäntor Alter (Hanr overj die den dritten Abend zum entschiedenen Höhepunkt gestalteten, konnte, obwohl das Ewig- Jüdische hier seelisch zur reinsten, bald tief ergreiferden, bald fröhlich befreienden .Wiikung gelangte, doch die Hülle der Ausdruqksforpi s dbst einen einigermaßen -vorurteilsfreien Nationaljudnn etwas »assimilantisch« anmuten bis hin zu den wundersam exotisch tönenden Ge-' s ingen der jemenitisch« Juden. Vielleicht war d eser ständige Mahnruf zu größter Weitherzigkni und Duldsamkeit in unserer allmählichen Erkenntnis vom Sein oder Nichtsein »Jüdischer Musik' der wertvollste Gewinn der drei Konzerte. Es ist zu bedauern, daß er von denen o fenbar nicht vernommen worden ist, die auf ji discher Seite für den sichtbaren Teil 'des' »sommers der Musik« verantwortlich sind. Auf d:m ausgedehnten und für diesen Zweck besonders erweiterten und .verschönten Festhallen- gHände hat man nämlich eine am 11. Juni in Anwesenheit deutscher wie fremder Staatsmänner ftierlich eröffnete, geradezu überwältigend reiche u ’.d gehaltvolie Ausstellung »Musik im Leben d :r Völker« zusammengebracht, die bis Ende Ajgus: dauern soll. Man brauchte hier eine Ajteiling »Jüdische Musik« nicht unbedingt zi erw arten. Da sie aber einmal — und zwar unter veitgehender jüdischer Mitwirkung—ein-

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