Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 8 - August
- Date
- 1927-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. J. Bergei behandelt die Ausweisung der Juden aus Prag im Jahre 1744*. Wir erleben wieder einmal schaudernd den Fall, daß . der Jude verkannt, verbranrjt . oder verbannt wird, Wie es die Zeitläufte gerade fügeij. Die Einnahme Prags durch die Preußen und die scheinbar beabsichtigte Schonung der Judenstadt durch feindliche Kugeln, führen nach der Rückgewinnung der ^taqt zu den schwersten Folgen für die Juden. Maria Theresi] beschließt ihre Ausweisung und hat nur die einzige Mild für sie, daß beim Auszug die sonst üblichen BrutaJitäte fern gehalten werden: Dem schönen Werke der Praga-Loge und des BrL t^rof. Steinherz und seiner Mitarbeiter wünschen wir nicht nur voll berechtigten Erfolg, sondern auch weitere wissen schaftliche Nachfolge. A. G d t. * Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Im Junih.eft führt Max Wiener seine Besprechung der Schriften der prophetischen Literatur zu Ende J. B e r g m a n n bringt zu einer Reihe jüdischer Volksbräuche anregende Parallelen aus "dem Volksbrauch anderer Völker und zeigt in sehr lehrreicher Weise, wie das Judentum p-otz fremder Anregungen seine religiöse Eigenart zu bewahren gewußt hat. E. Bfckermann untersucht den Ursprung des Vorwurfs des Ritualmordes, “der'zum ersten Male im Altertum in der Form auftaucht, daß die Juden in ihrem j'-entpel einen Griechen mästeten, »um ihn dann zu töten;• er. jveist nach, daß diese Fabel auf die Umgebung des .Königs Antipchos Epiphanes zurückgeht, der den Tempel geplündert halte und ihn dann verleumdete, um "die Mißbilligung abzuschwächen, die im Altertum Jeder.-- Tempelraub nach sich zog. G. Schwarz versuqltUzu zeigen, daß die König David I in den Mund, gelegten* Ratschläge an seinen Nachfolger ihm zum Teil - mit-. Unrecht zugeschrieben wurden, um für harte Urteile des jungen Salomo eine Rechtfertigung zu finden. Bürgermeister Anklam -erzählt mit Unterstützung des Lehrers Wolf die Geschichte der jüdischen Gemeinde Aurichj B. R ös e n t h al führt in die Anfänge der Karlsruher Gemeindegeschichte ein. •* Soeben versendet die »Gesellschaft für jüdi s c h e F a m i 1 i e n f o r s c h u n g« das Juni-Heft ihrer »Mitteilungen«, das zehnte der gesamten Folge. — Ernst Wolff beleuchtet das Wesen eines Familienarchivs und grenzt seine: Aufgabe Von denen der Familienchronik ab. — S. Sachs, Hamburg, erzählt die Geschichte seines Vorfahren Dob Joel Sachs, des bekannten Wortführers der Posener Juden in der Zeit der ’Freiheitskriege, der den verschiedensten rRegierungen gegenüber, sowohl den napoleonlschen Präfekten wie König August von Sachsen und später der preußischen-^ Herrschaft mit Energie, Geschick und Erfolg die wirtschaftlichen und kulturellen j^iteressen seiner Glaubensgenossen vertrat. Auf König Friedrich Wilhelm III. machte er übrigens einen so starken Eindruck, daß dieser sein Porträt erbat, und da Dob Joel sich freiwillig nicht malen lassen wollte, schließlich auf 'königlichen Befehl sein Bild gemalt und in das Berliner Museum überführt wurde. — Prof. Simonsen, Kopenhagen, gibt einen wertvollen Beitrag über die Abstammung von Georg Brandes,'dem von antisemitischer Seite oft Namens- Wechsel vorgeworfen wurde, ln der Tat war sein voller Name Georg Morris Cohen Brandeä. — Dr. Max Grun- - 150 - wähl, Wien, beendet seine ausführliche Darstellung der Nacikommen des Wiener Finanzmannes §tmson Werthein ler. — .Dr Heinrich Flesch, Dolni Counice, steuert eine Zusammenstellung sogenannter Phantasienamen bei Jud< n zu, worunter er solche Namen versteht, die wedei Hercunft noch Beruf kennzeichnen, ’ vielmehr allein der eigeien Phantasie oder der des matrikel-führenden Beamten entsprungen sind. — Einen größeren Raum nimmt der \bdruck einer-Subskriptionsliste auf ein im Jahre 1842 in Hannover erschienenes Buch religiösen Inhalts ein, der die 'Möglichkeit -gibt, eine nicht unbeträchtliche Anzahl religiös interessierter Juden in Stadt und Land, insbesendere auch in Dörfern und ganz kleinen .Orten, festzust sllen, für die sonstige Dokumente meist fehlen. — Ein sehr ausführliches »Suchblatt« mit zahlreichen Frager und noch zahlreicheren Antworten auf frühere Fragen rundet den Inhalt des Heftes ab.; , 4» I ‘ * * Joerges, Dr. Ernst: Die weltgeschichtliche Bei eutung des Judentums und seine Zukur ft. Verlag Karl Curtius, Berlin.. Wieder ein Buch zur Lösung der Judenfrage! Der Autor will frei von Haß und Liebe das Judentum begreifen. Wie viel Unfug ist mit diesem Tacitus-Wort gerate uns Juden gegenüber getrieben worden? Wir erke inen an, daß der Verfasser nach Objektivität gestrebt hat. In großen Linien entwirft er ein Bild von der weltgeschichtlichen Bedeutung des Judentums in Vergangenheit, Geg mwart und Zukunft und gibt am Schluß in .einem. Abschnitt »Der Deutsche undder Jude - seine Lösung desfroblems: Eindeutschung des Juden. Wahrlich, keine neue Antwort und auch nicht eine erst zu verwirklichende Forderung. Die Tatsache der tiefsten Einfühlung in deutsches Wesen ist unleugbar. Die-Beweise dafür sind zum Ueberdruß oft gegeben und werden von völkischen Antisemiten, zu denen Joerges freilich nicht gehört, nicht anerkannt. Es ist nicht wahr, daß »der Jude mit einem Fuß in Deutschland, mit dem anderen in Palästina oder im C hetto steht«.- Ebenso wenig trifft der in der Schrift immer wieder betonte Unterschied zwischen dem In- ’ teile! tualisnlus und wachen Bewußtsein des Juden und dem Irrationalismus und der Neigung zum Unterbewußten beim Deutschen zu. Wir glauben auch nichf, daß »das Judentum seine Höhe .überschritten hat« und dem Verfall entg< gengeht, weil das Reservoir der Kräfte verstopft ist, die <s aus den östlichen Ländern bisher erhalten habe. Wir sind vor? dem Sieg der jüdischen Ideen überzeugt, dene l Joerges seine Anerkennung nicht ganz versagt Immerhin regen seine Erörterungen in Abwehr oder Zustimmung den Leser zum intensiven Nachdenken an. Löweastamm, Spandau. Robert Kaelter — Ein Lebensbild von Ruth O 1 H: n d o r j. Philo-Verlag, Berlin 1927. Bus dem Herzen der Tochter ist ein liebevolles Bild der, prächtigen Persönlichkeit des dahingeschiedenen Danz ger Rabbiners entstanden. In Robert Kaelter steckte allzeit etwas vom fröhlichen Burschen — einem, der daneben ein tiefes Oemüt, ein Verstehen von Menschen und 1 Gingen und eine klingende Sprache besaß.- Ru th Ollen dorf hat es verstanden, die prägnanten Predigten, in denen sich Robert Kaelter mit Jahreszeiten, Festen und Geschehnissen auseinandersetzte, in das Lebensbild hineitjzuwebem Immer zeigt sich die lebenssprühende,.