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Der Orden Bne Briss · 1927-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 8 - August
Date
1927-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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* kiiten zur Herrschgewalt berufen. Sie sollten den gewählten Führern auffängereZeit Vertrauen schenken, statt sie durch fortwährendes Mißtrauen zu lähmen oder zu stürzen. - Die Erfolge der deutschen Selbstverwaltung beruhten zu einem großen Teil darauf, daß die Parteien gezwungen seien, Führer auf längere Zeit zu wählen. Dies nötige zu' sorgsamer Auswahl und gebe den Gewählten die Gelegenheit, sich einzuarbeiten und Vertrauen zu erwerben. Die Selbstverwaltung müsse deshalb viel weiter ausgebaut werden. Ländliche Selbstverwaltung bestehe bisher. tatsächlich nur in Rheinland und Westfaleri. Auch der dünn bevölkerte Osten Preußens mijsse' der Segnungen der Selbstverwaltung teilhaftig werden, i Dazu müsse der preußische Landrat als Staatsbeamter verschwinden und als Beamter der Selbstverwaltung wiederauferstehen. Durch das Verschwinden j des von der Zgitralregierung abhängigen Landrats würde ein großer Teil der Befürchtungen wegfallen, daß die lokalen Eigenarten njcht genügend berücksichtigt'würden. Der Weg zum Einheitsstaat' werde so durch Milderung des Gegensatzes des Südens und Westens zu Preußen erleichtert werden. Völlig verfehlt sei dagegen der Gedanke der Auflösung Preußens in Provinzen oder das Aufgehen* der übrigen Länder-in Preußen. » Wenn die Selbstverwaltung der Städte und Kreise überall durchgeführt 'sei, dann bleibe nur noch übrig, daß auch die Reichsregierung nach dem Vorbild der Häupter der Selbstverwaltung bestellt wcde, d. h. der Reichstag müßte die Minister auf die Dauer der ganzen Legislaturperiode, also auf Vier Jahre, wählen. Zum min-, desten sollten die Parteien nicht fortwährend Regierungen stürzen, sondern ihnen Zeit zur Arbeit und zur Vertrauenserringung lassen. Das wäre ein deutscher Parlamentarismus, der Parlamentarismus -nach dem Vorbilde und in dem Geiste der deutschen Selbstverwaltung*. Auch derjenige, der die Ansichten Horneffers in vielen Punkten nicht zu teilen vermag, der sich insbesondere gerade jetzt von der Beseitigung des preußischen Landrats dicht so viel Outes verspricht, wird die Gedänkengänge des Philosophen mit Interesse verfolgen. Die deutsche Republik ist ja bislang durch Unterstützung von Seiten ihrer Hochschullehrer nicht verwöhnt worden. -Es ist daher zu begrüßen, wenn ein Mann wie Hoineffer bekennt, er könne'sich eine Loslösung unserer staatlichen Entwicklung von dem Satze »Die Staatsgewalt geht vom Volke aus« nicht vorstellen. Und man wird darüber hinwegsehen, wenn er den Urhebern der Verfassung — von denen übrigens gerade Hugo Preuß sich besonders in der Selbstverwaltung betätigt hat— nicht gerecht wird und über sie ausführt: »Nun ist zum Glück die Bevölkerung sehr viel einsichtiger gewesen als die »Staatsmänner«, die die Urheber dieser Verfassung gewesen sind. »Staatsmänner» muß man in diesem Falle notwendig mit etwas ironischem Anflug sagen.« ‘ Trotz solcher Entgleisungen kann die staatspolitische Schrift . des Oießener Philosophen allen Logenbrüdern empfohlen werden. < - Dr. Fritz Goldschmidt (Spinoza-Loge). Die Juden in Prag. Bilder aus ihrer tausendjährigen Geschichte. Festgabe der Loge Praga des Ordens Bne Briss zum Gedenktage ihres 95jährigen Bestandes. Der Bericht über die 25-Jahrfeier der Loge »Praga«! toginnt mit einer Ueberschrift, die die’beiden Worte »Tätige Freude« enthält. Ein Ausdruck tätiger-Freude ist die Herausgabe des Werkes »Die Ji den in Prag«, für «Jas als Herausgeber Br. Dr. Samuel Stei iherz, ordefttlicher Professoi an der deutschen Universität in Prag, zeichnet. DerOedj.nke der Herausgabe de^ Werk rszentstammt dem Kreise der Loge, die von der Ueberzeuf ung durchdrungen . war,'dal! die Förderung von Kunst uni Wissenschaft zu den wesentlichen Aufgaben des. Ordi ms gehört. Auslösend wirkte die als peinlich, empfundene Tatsache, daß eine Gemeinde von der Bedeutung der. ’rager noch immer keine vollständige, auf, wissenschaftlicher': Grundlage beruhende Darstellung ihrer £ntwiqklunj; besaß.-) In dem überaus gediegen ausgestatteten Werke Ijehandeltzunächst Prof. Steinherz »pie Einwänderung der luden.in Böhmen- Das erste Zeugnis weist auf die zweite Hälfte d^s 9.'Jahrzurück. .Es ist anzunehrnfi, daß dieälteste Siedlung in Prag von Juden aus . dem Westen hupderts jüdische (Deutschland) Und aus dem Osten (Ung irn, Byzantinisches Reich) war bis über die begründet worden ist Die > ririschafiliche Lage zum Schluß der« zunächst beh indelten Periode — Anfang ies II. Jahrhunderts-7eine gute. Dann brach Juden das gleiche Unheil herein wie über ihre Glaubensgenossen in Deutschland. — 9r. Anton Blaschka schildert die jüdische Gemeinde -zu Ausgang des Mittelalters. Wir erfahren mancherlei vor. dem Leben und Treiben der Juden im Ohetto, ,von diim Druck der stets., starken Besteuerung und den dauern len'Ungleichheiten , im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung. Wir werden uns nicht wifndern, daß trotz des allgemeinen politischen und seelischen Druckes stets (Geistiges von einer großen jüdischein Gemeinschaft in die Welt hjnäusdrihgt. Undi so erfahren wir bei S. H. Lieben in >einer Abhandlung: Der hebräische Buchdruck in Prag in 16. Jahrhundert«, daß Prajg die jrste Stadt Mitteleuropa gewesen ist, in v der hebräisch gedruckt wurde. (1512;. Es ist jauch kein Wunder], daß die Juden, das typische Volk-des Buches Verfasser bemerkt an der Wiege des Bpches!l Die Arbeit an Gutenbeigs l£unst wir<] als. die Arbeit« bezeichnet.* Jfcder, cer pich (laran bee pennt sich »Arbeiter, der sjcl 1 mit det.heiligen wie der stehen, »heilige teiligt, Arbeit beschäftigt«. Wir .^verden im Anhang durch die ausgezeichnete Wiedergabe hebräischer Buchdrücke iprd Abbildungen erfreut. Die] Schilderung von Dr. Käthe Fpiegel »Ipie, Juden zur Zeit des 30 jährigen Krieges«, brrnjt uns'die Verhält-, nisse der Judenschafjs in derZeit d:s großen Ringens der Gege'nsätze in Deutschland nah«. -Die Leiden der Juden in Prag waren gewiß dem. allgemeinen Schicksal der Jüdin anteilgemäß, aber im Verhä tnis vielleicht etwäs weniger drückend als die der Jur en anderer Stadtgemeimjen. Die Verfasserin schildert uns zunächst »die Judenstadt«, die erste großzügige Ghetto-Erweiterung, wie aus der;Gasse eine »Judensladt« wirrd :; darrn »bäs Leben im Ghettomit seinen harten Stern m und Geldforderurigen, die Gehässigkeiten und Üet ergriffe <jer nidht- , jüdischen Bevölkerung. In dem X|)schnitt: »die jüdin- ~gemein(le« werden wir in interne Ste tigkeiten eingeführt, die in den Qruppeb der jüdischen Gemeinde Entstanden waren. , Dies'e Streitigkeiten wurden nit größter Schärfe ausgetragen und veranlaßteh gelegen dich die Ißehörden, die Autonomie der Judengemeinde zu bescbränjken. Kfpitel »Die Besteuerung der Judenshaft« ~- k Bild vob der Willkür, in der die Gern rindein finanzieller Beziehung gehalten wurde. - D9 - Das gibt uns ein f

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