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Der Orden Bne Briss · 1927-08-01 · Nr. 8 - August · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 8 - August
Date
1927-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ertragen,'Not und Enlbehrung, Spott und Hohn. »Aber mitten im Hohngelächter der Menschen hörte der mächtige Strom meines Lebens nicht jj&Stuf, einzig und einzig nach dem Ziele zu streben» K$[h^e Quellen deS’Elends zu stopfen, ift‘tfafs Ich das Volk um mich her versunken sah. \ - - , ln diesem Bekenntnis liegt das Wesen seines Wirkens. Nicht eine pädagogische Aufgabe stellt er sich letzten Endes, sondern eine sjoziale, ja die größte soziale Aufgabe. Aus den Notwendigkeiten der menschlichen .Gesellschaft folgert er den Zusammenhang von Schule, Erziehung" und Gemeinschaft. Er wird daimit zum Begründer der Sozialpädagogik im. weitesten, im wahrsten Sinne, und er ist nicht; nur Theoretiker. Jegliche Not,' jegliches Elena ergriff ihn im Innersten, erschütterte seine *»Seele, weckte ^eine Aufgabe, löste den ‘ Schrei seines Herzens: »Ich will Schulmeister Werden!« Das war nicht eirt Beruf, sondern innerste Berufung, die den ganzen Menschen weiht und während des ganzen Lebens wirksam bleibt. Darum sind auch alle seine Gründungen nicht Erwerbsunternehmungen, sondern Dienst an einer heiligen Sache. Was verschlägt’s, daß er mit grauen Haaren von unten auf dienen muß, was verschlägt’s, daß seine Unternehmungen zusammenbrachen, sie sind Stationen auf seinem Leidenswege, Stationen auf dem Wege zur Rettung des Volkes, zur Rettung der Menschheit. Nach jedem Zusammenbruch erhebt sich seine sittliche Kraft von neuem — und ist ihm praktisches Wirken einmal versagt, so greift er zum Wort. Da formt er Ewigkeitsgedanken über Sinn und Zweck des menschlichen Daseins, über Weg und Ziel der wahren Menschenbildung.! v " ■ * Wahre Menschenbildung! Nicht Berufs- und Standesbildung! Auch die niedrigsten Menschen sollen sie erhalten, diese »Allgemeine Emporbildung der inneren Kräfte der Menpctnspnatur zu "wahrer MenschenweisheiU, und diese ist ihm nichts anderes, als die innere Ruhe, das Gleichmaß der Seele, Genügsamkeit, Duldung, Achtung und Glaube an die Liebe des Vaters! Die Stätte solcher Bildung aber ist ihm — die F a m i I i e. »Die häuslichen Verhältnisse sind die ersten und vorzüglichsten der Natur.« Die ursprünglichste Gemeinschaft von Menschen muß darum die Grundlage jeglicher Gemeinschaft überhaupt sein, dieFamilieistihm die Keimzeltefüt den Neubau der ganzen Menschheit. Die Rettung aus geistiger und moralischer Verkommenheit, aus seelischem und körperlichem Zerfall kann nur erfolgen aus den sittlichen Kräften der Familiengemeinschaft;1 die Hausfrau, die Mutter zumal ist ihm von entscheidender Bedeutung für pie kulturelle, sittliche Hebung der Menschheit, auch für die /eligiöse. Däs R e 1 \ g i ö s e verschmilzt mit dem wahrhaft Menschlichen, das Religiöse schlecht: hin, Befreit vom Konfessionellen, vom Dog-( matiscfien, vom Spekulativen. Das lebendig .Religiöse, die erlebte Gottheit, die' sittlich! wirkende Kraft der Religion ersehn! er, , dieser1 Quelle alles reinen Vater- und Brudersinns, PerQuelle aller Gerechtigkeit, derQuellealler Sittlichkeit, d.h. alles reinen Streben s nach Veredelung und Vollendung. Sjblche Durchdringung des gesamten tebeps mit cjem Religiös-Sittlichen ist das Ziel der Menschheitsentwicklung, ist darum eine ewige Aufgabe, wie die messianische Id^e, wie die Aufgabe Israefs. Pestalozzi, und wir! Es wäre ein Leichtes, zu zeigen, wie Vieles von Pestalozzis Wesen und Wirken, wie Vieles von seinen Ideen uns als Juden, uns als Brüder, uns als Menschen der Gegenwart im Innersten berührt. Klingt nicht seine Sprache oft wie die Sprache der Bibel, bald schlicht und einfältig wie die Rede des Volkes, bald gehoben durch ethisches. Pathos gleich den Worten der Propheten? Urtd wie bei ihnen verschmilzt nicht selten auch bei ihm die wuchtige Anklage mit der schmerzvollen Klage, die strafende Zuchtrede für sündhafte Vergangenheit mit der erzieherischen Lehrpredigt für eine bessereAZukunft. Aber die Verwandtschaft der Sprache entströmt der Verwandtschaft der beherrschenden Ideen.- Wie könhte die Gleichheit" aller, der gleiche Bildu'ngsanspruch aller reiner gedacht werden als in jenem selbstlosen Wünsche Moses: O, wäre docji das ganze Volk Gottes Propheten! Wie könnte das Bildungsziel vollkommener gefaßt werden als in der prophetischen For- , derung, Recht zu tun, Liebe zu üben und in Demut vor Gott zu wandeln! Wie könnte es höher gesteckt, wie inniger mit der Sittlichkeit verknüpft werden als in dem Worte:’ Heilig sollt ihr werden, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott. Wie könnte zugleich die Einheit von Religiosität und Sittlichkeit ohne jede Schranke absoluter in Erscheinung treten, als gerade in dieser Forderung der Selbstheiligung! Und wo ist schöner, ergreifender von Vatersinn und 198 —

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