Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Beteiligung der Juden an den deutschen Montanunfer- Behmnngen führt der Morgen die Aufgabe weiter, die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden festzustellen. ' In ‘dem 2. Teil des Heftes bespricht der Zentrumsabgeördnete Adam Roeder Emil Ludwigs Bismarck-Buch; Professor Goldstein macht mit der Bekenntnisschrift eines zum Judentum übergetretenen Katholiken bekannt und bespricht die Lebenserinnerungen Samuel Gompers, des Schöpfers der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Br. Stahl gibt s.eine Eindrücke über das englische Juden- .tp-n wieder. i i; 1 ' ‘ ..»»Deutsche Rassenangst'- von Dr. Michael Müllerdti audius. Berlin 1927 (1 öh S). C. A.Schwetschke^ Sohn', Verlagsbuchhandlung.; .Von den Deutschwölkischen wird diese Schrift voraussichtlich. als philosemitisch bezeichnet werden. Die Biologie des deutschen Antisemitismus'- von Dr. Michael Müller-Claudius zeigt aber keinerlei besondere Vorliebe fiir das Judentum, sondern bemüht sich nur, die Judenfrage frei von Rassensymbolik' zu betrachten. Dir Verfasser, der-aus einer christlichen Soldaten- und Beamtenfamilie stammt,, sieht mit Recht im Antisemitismus keine Gefahr für das Judentum, sondern eine deutsche Gefahr. ’ Er geht, von der Bedeutung der Symbole ifir die Psychologie der Massen und der Rassen aus. »Denn Symbole sind nicht Scha'ten und Formen, deren wir uns biedienen. Symbole sind Schicksale. Symbole können* Mächte werden, die uns regieren mit grausamer Vollmacht,« Jede große Religion richte Symbole auf, irt denen das Göttliche arigeschatit werde! Das heilige Symbol 'und der 'abtrünnige Alltag widersprächen sich aber ständig.. Zur Entlastung des Menschen, der spnst über alles Böse in sich und der Wejt verzweifeln Würde, erwachte die Symbolgestalt des Satans, des Teufels. Ir^ sie werde der menschliche Unwert geworfen, so daß dtfs Wertvertrauen des Individuums weise temperiert durch, die gebotene Demut vor Gott — . ungebunden’sich bjopsychisch auswirken könne. Der Lebenswert < ler SyrnbolgeStaft des Satans sei aber zugleich_darin zu erblicken, daß in uns selbst leibhaftig der Böse sitze und daß wir ihA'-in uns selbst überwinden' müssen. j Sobald aber.* die Symbolgestalt des Entfremdend :n, d^s Fremden! dazu benutzt werde, lediglich sich selbst zu entlasten,,alles Böse, alles Unheil von sich auf den Symbol-' träger 'abzuschieben, sobald das Symbol dazu verführe, nicht mehr an sich selbst zu arbeiten, sondern die Augen Vor der Wirklichkeit zu Schließen, wandle es sich zur tragischen Erstarrung und zur Hemmung. J Nach dieser psychologischen Einleitung schildert Müller-GIaudius die Stellung der Juden im alten Frankenreich,- in dem dec kirchliche Antisemitismus wirkungslos gfblieben1 sei/ wiell er durch keinerlei rassischen Judenhaß gestützt wurdfJ-Die Juden seien gern gesehene Wegweiser zum Erwerb wirtschaftlicher Macht gewesen. Erst nach dem Mißerfolg des zweiten - Kreuzzuges habe der religiöse Antisemitismus im Volke Wurzel fassen können.' Der Jude' sei als der von Gott verdammte Christusmörderangesehen worden,* der geächtet werden, müsse. Abi»' der getaufte Jude sei noch mit offenen . Armen aufgenomrrten Worden. Erst nachdem die Juden Jahrhunderte lan& im religiösen Massendenken die Symbolfunktion der Schuldträger und Unheilbringer übernommen hätten, sei zum religiösen der’nationale Antisemitismus / hinzugetreten. Die deutsche Gegenwart, die Not'der Nachkriegszeit, habe in weiten deutschen Kreisen die jWahnvorstellung e "zeugt, alles Unheil sei auf geheime Machenschaften der Juden zurückzuführen, gegen die man wehrlos Sei. * j Diese »Rassenangst« sei ein Zeichen des Niedergangs, der Schwäche. »Unsere Augen sind zaghafter geworden. Sie wagen nicht mehr zu sehen und zu gestehen. Unsere Nerven fliehen zum Symbol.« Müller-Claudius behandelt danach das Fremdheit* erlebnis zwischen demjüdischen und christlichen Kitui in der Schulet Er schildert, wie fiingeworfene Worte der Erwachsenen,) ja ein bloßes Achselzucken auf die Kinder wirken jrnd |wie dann der verschiedene Zeitpunkt des Eintritts der Pubertät (und der ihr vorangehenden Indifferenzperiode) zur Entfremdung beitragen. Das Ergebnis, zu dem der Verfasser kommt, ist folgendes; Der historische Grund des Antisemitismu-1 liege in der christlich-kirchlichen Symbolik. Der seelische Grund liege in den entlastenden, biopsychisch das Individuum in seinem Selbst- und Geltungsbewuitsein fördernden Funktionen.. Die Entlastung sei aber zur Fluch: or kritischem Angriff, zur Flucht vor schmerzlichem sehen-Müssen geworden. Der Rassenantisemit glaube, laß die Juden, von denen kaum einer auf 100 deutsch' hristen komme, die .heldischen Kräfte« der Deutschen ,;u ersticken vermögen. Müller-Claudius m^int dazu. Wenn 100 sich von einem zür Strecke bringen lassen iann ist nicht der eine, sondern die 100 .eine erbärmliche?asse . . . Lasst uns lachen über dies Gericht . . . Aber; ,vir syid in Gefahr. Wir sind in Gefahr, - ein Volk ,vou j seurotikern zu werden, die vom Phantom des seltsam i xerbten Symboltypenbildes regiert, erschüttert, verdüstert nd entmutigt werden.« Die Stärke des Juden sei, daß er seit dem Fall Jeru- : alems-von verblendender Nationalsymbolik freigeworden : ei, daß er die Transpositionssynthese« zwischen Deutschum und Judentum vollziehe. Deutschland müsse frei werden, indem es den Stecken der Rassensymbolik forterfe uud mit hellen- Augen in die Zukunft sehe. Mag man auch in Einzelheiten dem Verfasser dieser mutigen Schrift nicht zustimmen, so werden wir doch i len Grundgedanken der Abhandlung .völlig beipflichten können. Auch in jüdischen Kreisen ist man trotz aller i ns zugefügten Unbilden der Ansicht, daß der Judenhaß ’ iel mehr vom allgemein deutschen als vom besonderen j irdischen Standpunkt aus zu beklagen ist. Möge die Abhandlung /on Müller-Claudius, die zugleich eine 1 reffende Psychologie des unter dem Antisemitismus leidenden jüdischen und christlichen Kindes bringt, recht weite Verbreitung finden. Man wird 'sich insbesondere uch dem bereits geäußerten Wunsche anschließen können, < faß der Verfasser neben seiner wissenschaftlichen Abhandlung seinen Mahnruf ndch in die Gestalt einer volkstümlichen Flugschrift kleidet, nicht um dem Judentum rinen Gefallen zu erweisen, sondern um das zu fördern, worum es ihrrj, wie jede Zeile seiner Schrift beweist, vor Ilern zu tun ist; das Wohl und Gedeihen des deutschen Vaterlandes! Dr. Fr Etz-Goldschmidt (Spinoza-Loge). Höxter,- Dr. Julius: Quellenlese buch zur üdi sehe Geschichte und Literatujr. Frankturt 1927 (J. Kaqffmann). 3. Teil: Deutschland, rrankreich und Italien im Mittelalter. ' «J! 102