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Der Orden Bne Briss · 1927-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli
Date
1927-06-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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blieb diese« berufene Volk fsrael seiner Ueb :rzeugung /treu. Heute hat unser Orden, inn :rhalb dea Judentums, eine besondere Aufgate: nämlich den inneren Kampf zu entgiften und den brüderlichen Geist der Eintracht zu -stärke ti;? . . Kurt Walte Zu seinem Von wenn »uch viele Hindernisse isich in den Weg stellen:; wir dürfen diese Aufgabe nicht preisgeben. Wir wollen in der umgekehrten Gedankenfolge cqs Volksspruches eingedenk sein: »Zwietracht kerstört, Eintracht ernährt!«!■/ r Goldschmidt. 50. Geburtstag. |. Nacht: Kurt Walter G o 1 d s c h m ,i d t s Geistigkei die in ihrer äußeren Ansicht wohl abendländisch anmutet, hat doch i^re Pfahlwurzel tief im Orien , im Judentum, wie dehn auch die Hauptwurzd der Schöpferkraft stets im Erdreich des Natio ■ nalen ruht. Der Grund, auf dem sein Weseir fußt, ist der Urgrund des Judentums; es ist (de Seelenzwiespalt, *die Urzweiheit. die sehnsüchtig ihre Arme nach der Synthese, nach Einheit reckt und sie auch schon im Einheitsgott der Bibe und im Alleinen Spinozas gefunden hat. Aber immer wieder von neuem gellt der Schmerzensschrei des Zwiespalts und des Widerspruchs und erschallt.der Ruf nach einer neuen heiligen ^weieinigkeät.' . Dieses urjüdische Thema erklingt in allen Schriften Goldschmidts und ist außer in seiner »Halbmaske« ganz besonders durch komponiert in .seinem Werke ^»Buddha und Dionysos«. Dieses Buch ist ein gelungener Versuch, den Drachen Zwiespalt zu erlegen, die Antinomie, den Doppelkopf der Welt, zu einem einheitlichen Januskopf* werden zu lassen. , Nur ein Volk, das schon Jahrtausende durch die Schute des Lebens und des Geistes gegangen , ist, beschenkt dffe Welt mit Männern von solcher überquellenden Reife und von solcher ausschöpfenden Tiefe, von dieser höhenmenschlichen Differenziertheit des Denkens und Fühlens, begabt mit. solchem mimosenhaften Zartsinn und mit solcher feinnervigen Erlebnisjähigkeit. Jüdisches Erbtüm an Goldschmidt scheint mir auch die jstreng aristdgra^ische Denkart, verbunden mit einem sozij&ftthlenden Herzen, der fanatische jZüg, allem gÄecht zu werden, sein Gewissen im Geist, empfindlich wie ein Seismograph. Der Zug fort von der Spezialisierung und hirt zur Zentralisierung, zum heute selten einheitlich gefügten Weltbild, das Sammeln aller Strahlen im Brennpunkt der Seele scheint mir ebenfalls aus dem jüdiischen einheitssüchtigen Geiste gebürtig zu sein. Ebenfalls sejn Ueberbewußtsein, die Ueberseele,. ein Organ, das sich an den? schon Jahrtausende denkenden jüdischen1' Gehirn besonders stark entwickelt hat, und das befähigt, dem eigenen Ich auf der Lauer zii sein, Vivisektionen! an eigener Seele zu treiben. Dem verdankt Goldschmidt manche psychologische Neuerkepptnis und Feinheit! K. W. Goldschmidt ist kein Dehker in Reinkultur, eri ist Dichterphilosoph, wie sie seit der Bibel upd den Propheten dem jüdischen Volke vorzüglich eigentümlich sind. — Haben wir Juder| aus wohlbekannten Gründen keine großen j Bildner der greifbaren; Wirklichkeit; so besitzen wirdoch um so mjshr grandiose Bildner der Sprachform. Schöpfer von ..Kunstwerken des Stifs, zu denen' ich auch jGoldschmidt zähle. Ich glaube, man muß schon bis zu Nietzsche zurückgreifen, um wieder e npn Autor zu finden, der das Sprachwerkzeug fco virtuos handhabt wie Goldschmidt. Sein Stifn|eistertum drängte ihn juch immer wieder zur Gipfelform der Prosa, zum Aphorismus und Essay, worin er - eir fach. Letztmögliches geleistet hat. — Ohne Judäomane zu sein, stehtier doch immer wieder staunend vor dem Wundermal Juda, das noch unverwittert in unsere Zei: ragt, und das sich sein Einmaliges und Überragendes erhalten hat. Liest nan Goldschmidts Werke, fühlt man sich auf dem Gipfel der'Zeit. Es ist erstaunlich, was sich hier an umfänglichstem Wissen mit mannigfaltigem Können - vermählte und Neues geboren hat! — Als Kritiker von einbohrenstem Instinkt, begabt mit zartesten Fühlern; ist K. W. Ooldschmidt weit bekannt, nicht so als Lyriker, als der er Vielleicht sein Bleibendstes geschaffen hat.' Wem s^ine Poeme noch nicht in allzu Vieler Bewußtsein leben, so werden sie doch nie ganz sterben! — Seine Lyrik ist keine 9d —

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