Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6727475-6029141-6074742--1427-4868054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lichkeit/jin sich beruhende Kraft ist. Sie ist aber der Tat gegenüber insofern unterlegen, als sie nur eine Möglichkeit und Unwirklichkeit darstellt; um Wirklichkeit zu werden, muß sie aus dieser Innerlichkeit heraus. Tritt aber die ,Oe- ■sinnung aus dem großen Reservoir reinster Idealität heraus, um durch die Tat zur Wirklichkeit zu werden, dann werden manche trübende Einflüsse in sie müriden, und dieses Ideal wird bei uns Menschen, da es zunächst ungebrochene Gesinnung und ethische Bereitschaft ist, in dem Augenblick zutn Kompromiß, wo es zur Wirklickeit wird. Das ist die seelische Tragik des Menschen: der Kampf zwischen Gesinnung und Handlung; aber diese Tragik braucht nicht als Charakterlosigkeit betrachtet zu werden, denn unsere Welt besteht nun einmal aus zwei Reichen: Aus dem Reich in' uns undl dem Reich außer uns., oder aus uns und den andern. /Und wenn wir mit den andern zuzammen leben und zusammen wirken, so wird unser Reich sich an dem Reich des andern reiben. Aus$f dieser Doppelung des menschlichen! Lebensreiches wäre wohl zunächst einmal eine Doppelung oder Teilung unserer Wahlspruchteile vorzunehmen, wobei »Wohltätigkeit« dem 1. Reiche,' »Bruderliebe« und »Eintracht« dem 2. Reiche zuzuzählen wären. Dort die Innerlichkeit der Oesinnung im eigenen Reiche, hielLdie bundgerechte Betätigung im Reiche der andkfxn. Und stellt man nun die Frage, ob das Wort »Wohltätigkeit« dem Sinne des Begriffs entspricht, so wird man sagen müssen, daß der Wunsch, dieses Wort in »Wohlwollen«- zu ändern, sowohl im Sinne unserer Begriffsbestimmung, wie * auch im Sinne der Uebertragung des ursprünglichen »Benevolence« zweifellos berechtigt wäre; aber fraglich ist, ob diese Aenderung oder Verbesserung den . Nachteil überwiegt, der darin besteht, daß wir durch ein Verlassen einer jahrzehntelang geübten Auslegung einen Bruch mit unserer Vergangenheit herbeiführen. Gewiß, wenn der verstorbene Bruder P L o t k e mit seinem Antrag auf Aenderung der »Wohltätigkeit« in »Wohlwollen« , im Jahre 1894 durchgedrungen wäre, dann hätten wir dieses Bedenken seit einem Menschenalter überwunden. Doch jener Antrag wurde abgelehnt, und wir wissen ja doch alle, und jeder Präsident wird bei Gelegenheit dieser Tatsache Ausdruck geben, daß wir für die »Tätigkeit die »Gesinnung«. voraus$etz£;n. Betonen wir durch eine Erklärung die( J^otwendigkeit der Gesinnung, so müssen wir hinzusetzen, daß natürlich auch die Tatgefordert wird, und daß wir unter Wohltätigkeit nicht etwa die durch unsere Notzeit heraufgewjrbelte gesetzlich bemäntelte, paragraphenmäßige S^zial-Hilfe oder gar eine barmherziglich. tuende AI nosenwirtschaft verstehen. Betonen wir hingegen die Tat, so müssen wir die rechte Gesinnung und allgemeinwohlwollende Einstellung als Voraussetzung^ verlangen. 1 Einen vollkommen adäquaten Aus-.i druck durch ein Wort gibt es eben nicht. Unter dem gleichen Mangrl der unzuläng-’ liehen Wprtbezeichnung leiden auch die beiden anderen Teile unseres Wahlsf ruches, weiche das Reich der Bekundung ausmachen, und eine Kritjik an dieser. Fassung ist deshalb zwar berechtigt und begründet; eine Aenderung in andere Worte würde aber stei s eine.begrenzte Festlegung nach andrer Rieht mg un’d l<eine Vollkommenheit bedeuten. W.inn erst einmal leine spfachliche Aenderung vpi genommen werden soll, dann dürfte es nur geschehen, unseren Bund durch einen gleichmäßigen j Wortlaut über die Distrikte hinweg als Einheit zu bekunden und zu festigen.^ ln diesem Falle käme aber nur ein hebräischer .Wortspriich in Frage, der etwa/ »Zedakah« (Ausgleic lende Gerechtigkeit,) ’»Achawah« (Brü-' derlichkeit) und »jschalom« (Friede) lauten müßte und der von der Koiistitutions-Großloge zu beschließen wäre, liehe An egung früher einma abgelehnt mit der Absicht worden war, so wollet Wir das »schon inmal. da jewesen -Moment nid Wenn eine ähngegeben und [ebend betrachten und hier nicht n die Diskussion bringend die Zeiten ändern sici; trotzdem will . Ich meinen, daß die Zeit für eine Aenderung, auch in dieser Form,-noch nicht reif sei. Und wenn wir nunmehr zi t Erfassung der Bedeutung unseres Wahlsprm hes übergehen,' äo wird als erstes woh| die Frage.zu beantworten sein, ob zwischen 'den einzelnen Teilen unseres Wahlspruches ein^ irgendwie geartete Verbindung, ein logischer Aufbau oder eine seelische Steigerung besteht. Und wer n ich bei der Behandlur g dieser Frage die Ze ehern zu deuten suchen «erde, so will ich eir leitend bald bemerken, daß meine Deutung ei ne Deutung ist, d. h. eine Deutung, wie sie für, mich Bedeutung hat.. Und nun erkannten wir'bereits, daß unser »W< das nnere Reich der seelisi:hen .Disposition oder der sittlichen Bereitschaft i mschreiben und erfüllen sali, daß aber >B. unc }E.« das Gebiet der menschlichen Willenstat zi ordnen haben. Das W. hat also, um es kurz zu?agen, im Kern- — 03 - >t als ausschlagt