Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Bruderliebe. Von Br. Julius G o I d!s t e i n , Damlsta<j£ Bruder ist die Bezeichnung eines bluthaften Verhältnisses. Ein Mensch ist mein Bruder, bedeutet: 1. den Ausdruck einer naturhaften Tatsache, 2j. den Ausdruck 'einer - rechtlichen Tatsache, 3, den Ausdruck einer sittlichen Tatsache. Der Bruderbegriff ist ablösbar von der naturhaften und rechtlichen Grundlage.' ' Bruder heißt dann ein Mensch, mif dem mich Gemeinsamkeiten verbinden, c(ie so stark Sind, daß sie die naturhafte und soziale Fremdheit überwinden. -Die Gemeinsamkeiten j können in zweckhaften Verbandsformen liegen. So spricht man von einem Amtsbruder, Cprpsbruder, Gegen den Begriff Geschäftsbruder sträubt silch die Sprache. Die Spannungsmomente zwischen den beiden Worten sind zu groß.; Die Gemeinsamkeiten könnep auch.-'durch erhöhte Augenblicke zum : Gefühl der Brüderlichkeit gesteigert werden. »Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter' Flügel w|eilt«. In einem ^großen Schicksalsaugehblick .wohhte dem Worte »Ich kenne keine Parteien mehr,; ich kenne nur noch Deutsche!« Wahrheit inne. (Vorübergehende Brüderlichkeit). Je weiter aber der Umfang eines Begriffes wird, je ärmer wird-sein Inhalt. Daß 60 Millionen Deutsche»; Brüder oder Blutsbrüder sein sollen, führt im Alltag zu yölkischer Verlogenheit. i Weshalb nennen wir uns (Brüder? Weil B’ne B’riss sind, Söhne des Bundes. Uns ff Bruderschaft wird nicht aufgehoben furch Mangel ah Bruderliebe. Die geistige Bruder ichgft besteht nju r in der Bruderliebe, d. h.. in einer Gesinnung, die aus der Idee, dar; Loge, s tarnhft, Eineepg umrissene Definition der Bruderliebe gibt' e$ nicht. Nur das Tote läßt sich erschöpfend definieren, Im Reiche des Lebendige n, d. h. nicht Abgeschlossenen und nicht Abschli *ßbaren, sind alle Definitionen unzulänglich. Sie können uns höchstens ein Mittel sein, Untersc iiedlichkeiten hierauszustellen und Besonderheiten näher zu erfassen. In diesem Sinne bedeutet Bruderliebe: Verhalten und Gesinnung der Logenmitglieder, als wären sie leibliche Brüder. Bruderliebe teilt mit der Freundschaft eine Voraui setzang: sie 'will den andern nicht absichtlich k änken. Nur, wenn; beide Teile diesen Willen .haben, ist Brüderlichkeit (die ich dein .Worts Bruderliebe vorziehe) möglich, f |n Brüderlichkeit liegt Verantwortungsgefühl gegen den Bruder, — ich bin der Hüter meines Bruders. »Eine Liebe, ohne Zurechtweisung ist keine Liebe« (Sprüche: der Väter). Brüderlichkeit darfnirhtS’Quallenhaftes sein. In der Brüderlichkeit liegt als Voraussetzung eine gewisse Freiheit und eine gewisse Gleichheit mit deip andern. Di :se Gleichheit darf.aber nicht heißen: Du bist nicht mehr wie ich, sondern: Ich bin nicht mehr vyie Du — im Abstand von den letzten Idealen.« ' Wo liegen die1 Grenzen der Brüderlichkeit- Gesetzedes wir läßt Vergangenheit nicht los, uns. bindet Gegenwart, uns hält die Ideä der Zukupft zusammen. Wir -sind Brüder im Hinblick auf eine Idee, die Vergangenheit und Zukunft verbindet. Der Unterschied zwischen [ uns und einem Verein, oder Klub ist dies: Der Klub faßt Menschen zusanfmen,‘denen die tiefste innere Verbundenheit fehlt; Wir fassen in einem kleineren Kreis Menschen zusanjmen, die schon durch Vergangenheit, Schicksal ur d gemeinsamen Glauben zusarämengehören;; >- B’ne B’Pss sind Juden, die zu einer solchen Lebensgemeinschaft verbunden sind, daß die Fremdheitsgefühle von geistiger Gemeinsamkeit ‘entgegenzubringen haben. Die Ex überstrahlt ^ind. Das Organ für die Herstellung einer solcheh Lebensgemeinschaft ist die Löget Ein Gebilde mit eigner Struktur, Symbolen, Riten, .Disziplin, geordnetem Rhythmus der Funktion, Stufung der Aemter. Die Menschen eiper Loge sind Brüder^ und ihre Oesinnung zu einander soll die der Bruderliebe seiP. Die leibliche L Brüderlichkeit hebt nicht die Taktes auf-und nicht die notwendigen Distanzierungen des.Lebens. 2. Brüderlichkeit ist keine, Amnestie, für menschliche Unzulänglichkeiten. 3. Brüderlichkeit heißt nicht: Ich ha >e Ansprüche, an den andern, sondern ich habe höiere Pflichten gfgen ihn. — Die Grenzen der Brüderlichkeit liegen dort, wo die Ehre pers unliche Ehre, Berufsehre, ßeschäftsehre — des ah dern, beginnt. Aus . der Brüderlichkeit ergeber .sich Forderungen an die Loge. Sie. muß. :>ei der Aufnähme neuer Brüder daran denken daß 15 000 Brüdef diesem neuen MitgliedeBrüderlichkeit diisivität, die Gesellschaft, intsCheidend wird, ist nicht die der die der Gemeinschaft, verlangt sondern für die Aufnahmedarf weder. Titel, Eesitz,; soziale Stellung, nicht einmal Geist sein, sondern das Menschentum. Titel haben außerhalb,der Loge zu yerbleiben. In der Loge gibt es nur die Rangordnung des* Herzens, nicht d e1 der. Gesell- 01