Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli
- Date
- 1927-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' sertig kennen zu lernen, von’ einander zu lernen, mit einander zu arbeiten. Ausdruck hierfür: die j Settlements in England, die internationalen Volks- . hochschulen in Dänemark, die internationalen ^sozialen Vereinigungen (Boeke-Friends u.a.). Darf ich noch, ein paar Stimmen aus den Kreisen der Religion als Stütze anführen? Aus unserer eignen klassischen Religion •’isteigt der Gedanke des Wohlwollens und der Wohlfahrt in reinster Form in den allbekannten; Vorschriften, die Ausdruck der Zedakah sind,’!und in vorgeschrittenen modernen Staaten $jpät jGeSetzesform gefunden haben.! Im allgemeinen haben wir uns über zu viel 'Wohlwollen nicht zu beklagen. Aber-beachtlich dürfen doch Stimmen von Theologen wie Rudolf t .Otto aus Jena und Mächens aus Hildesheim ' erscheinen. Otto verlangt, man solle nicht durch Verwischung .der Gegensätze zur Ausgleichung, *. *Jzur Duldung, zur Gerechtigkeit kommen, sondern "durch Herausarbeiten des Wesentlichen, des lUnterscheidenden, man solle sich imAnderssein erkennen und achten. Der katholische Theologe Macheris ist erfüllt > von der hohen Wertschätzung deäV alten Testamentes. und, hat es öffentlich ausgesprochen, ■ wenn für ihn auch die höchste ethische Erfüllung im neuen Testament zu liegen scheint. Wohlwollen als Weltprinzip — Utopie? In einer Zeit der Allgegenwart der Stimme möchte ich auch von sittlichen Forderungen nicht als von einer -Unmöglichkeit sprechen. Darf ich auch hierzu eine Stimme anführen: die Stimme eines'Dichters, der ja doch aueh ein ■ Qft.n k e r war.' Es war Anatole France, der einmal gesagt 'hat: -»Der Weltfriede wird sich eines Tages verwirklichen', jedoch nicht, weil die Menschen besser geworden sein werden — das zu hoffen, ist nicht erlaubt —, sondern weil eine neue Ordnung der Dirige, eine neue Wissenschaft, neue ökonomische Notwendigkeiten ihnen r,- ebenso ^den pazifistischen Zustand aufzwingen Werden, wie sie früher durch die Bedingungen ' ihrer Existenz in den Kriegszustand gezwungen and darin erhalten wurden.* Wenn ^unsere Forderung von den Besten aller Orten angestrebt wird, dann dürfen wir sie getrost in unserem' engeren Kreise im Orden,, in ' uns selbst leben. Und ,wie? Br. Steinfeld, Dortmund, hat eine gute For’-. mulierung des Weges zu unseren Idealen ge . funden durch die Worte: Wandlungn-Beis p i el “ Erkenntnis. (Auch hier sind d- Buchstaben-Grundlagen W. B. und E. be:- behalten.) Das wäre kein richtiger Bruder und Be>: Briss, der sich nur als ein Seiendes, Fertige betrachtet und nicht als ein stets Werdende Ringendes, Kämpfendes, mit sich selbst und um sich s.elbst Arbeitendes. In ewiger Wandlung gilt es, den Begriff des Wohlwollens mit seiner.; weiteren Zielen dem daneben aufwachsenden Bruder als Beispiel vorzuleben, die E r k e n n t n i s des Sittlichen, des Wahren,' de? . ' Schönen, die Ergebnisse von Ethik, Wissenschaft und Kunst als Wachstumseiemehte in sich aufzunehmen, um ein Ben Briss ztr sein, zu werden und auf den Bruder neben sich , zu wirken. * Der \^eg, den wir so gehen, ist zugleich Weg und Rettung des Judentums, denn Judentum ’ kann nur gedeihen in einer Welt des Geistes und der Gerechtigkeit. Es ist diesen Weg sieg- * reich trotz aller Bedrückung durch, -die Jahrtausende gegangen, und wir ( sollen Uns als Verpflichtete Erben fühlen. Der Weg; für den einzelnen, für den Ben Briss, muß unabhängig sein von der Frage des/^ Erfolges. Auf dem Wege des Großen wachsen die Erfolge langsam. Viel wichtiger als das Was? im 1,-eben, ist das Wie? Wie man das; Leben, das einem als Aufgabe gestellt ist, meistert, darin liegt Größe, darin Bedeutung^ So soll Wohlwollen als Aufgabe die istarke Richtung bilden für unser Leben, den inneren Halt, den wir suchen und finden gegenüber allem Häßlichen des Tages und den IjierabzeTrungen einer oft widerwärtigen Um gebung. i So diene uns Wohlwollen in der Richtung auf Brüderlichkeit uncf Eintracht durch Wandlung, Beispiel und Erkenntnis für uns, für Judentum! und Menschheit. 90 f