Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1927-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1927-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6727475-6029141-6074738--1412-4868041
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

& ■» führen sie meistens bald nach der Schule in den Beruf. Dadurch treten Familie, Interesse für Hauswirtschaft pnd alle damit jn Verbindung stehenden Dinge in den Hintergrund. Kennt* 1 nisse ayf all diesen Gebieten werden immer . mangelhafter und man sieht schwere Mängel in Haushaltführung und Kindererziehung, wenn diese Mädchen sich ihren eigenen Hausstand gründen. Es fehlen oft Liebe, Interesse und Fähigkeiten, das Heim schön und ordentlich * zu erhalten und der Familie eine Stätte des Behagens zu schaffen. Die häufige Lockerung der Ehe- und Familien Verhältnisse, die wir leider bei lins Juden jetzt gär zu oft sehen, hat" darin ihren tieferen- Grund. In unseren Mädchen muß wieder die Freude1 | an hauswirtschaftlicher Betätigung geweckt werden, sie müssen vor allen Dingen einsehen, daß Haushaltführung, und alles was dazu gehört, Kenntnisse erfordert,'die erlernt werden müssen, und wir müssen Schulen schaffen, die ihnen die Kenntnisse vermitteln. “ln diesen Schulen ist aber Wirtschaftsführung und alles, was dazu gehört, so zu lehren, wie es in Familienhaushaltungen üblich ist. Der . größte Wert muß auf die praktische Betätigung ■ während der Lehrzeit gelegt werden; eine gute! Hausmannskost, nicht Massenspeisung ist zu lehren. Aufräumen, Wäschebesorgung, praktische Säuglings- und Kinderpflege haben im Vordergrund zu stehen, damit die Mädchen wirklich' zur Hausfrau und Mutter vorbereitet werden. Wenn sie dann als Frauen all diese Dinge ver-: stehen, so wird sie die Haushaltführung nicht mehr solche Mühe und Zeit kosten, und sie werden mehr Zeit_als bisher für soziale Aufgaben und Pflichten für die, Allgemeinheit übrig haben. Vor allen Dingen aber ist die hauswirtschaftliche Betätigung als Beruf unserer weiblicjien^ugend zu erschließen, und ich bin in der glücklichen Lage, nicht nur theoretisch, sondern nach 2jähriger praktischer Erfahrung darüber berichten zu können. , Als ich vor etwa 2 Jahren mit der Idee den vielen arbeitslosen und dadurch zum Teil aüch sittlich verwahrlosten Mädchen einen neuen . Beruf durcii'' die Ausbildung zur Hausgehilfin zu erschließen, in Breslau an die Oeffentlichkeit trat, stand man in der ersten Zeit diesem Plan fast verständnislos gegenüber. '"' Die'.Jüdin, meinte ' man, würde nie die schwere Arbeit, nie Fenster putzen, "bohnern lernen wollen, sie sei nicht sauber und bescheiden genug, f um sie ins Haus zu nehmen und erst die praktische Erfahrung mit geschultem jüdischen Hauspersonal aus unserer.Schule be lehrte eines Besseren. Ich hatte persönlich Gelegenheit, täglich ir der Hausgehilfinnen-Schule der sozialen Grupp*., die Mädchen zu beachten und habe selbst ein Mädchen aus der Schule seit einem halbe'j, Jahr im Haus. 4 ' | f Um der Oeffentlichkeit nun ein Bild vot der Entwicklung unserer Hausgehilfinnen zu ge ben, mö'chte ich schildern, wie die Lagt der Mädchen ist, wenn sie in die Schtik kommen, wie sie sich während der Lehrzei entwickeln und was aus ihnen nach der Lehrzeit wird. Meislens äußerlich schmächtig und blaß, sehr verhungert und gedrückt, * oft sehr scheu und ängstlich, kommen sie zu uns. Wir müssen ihnen die primitivsten Anfänge hauswirtschaftlicher Betätigung systematisch beibringen, 20-Jährige wissen off noch nidht, wie sie den Besen führen sollen. Aber wir sehen eine große Sanftmut, viel guten Willen und ungeheuren Fleiß bei den Mädchen. Nie weigern sie sich, die schwersten und unangenehmsten Arbeiten zu erfüllen, und wir können überhaupt nie über Verweigerung irgend einer Arbeit klagen, iijn Gegenteil, sp schwer ,sit arbeiten müssen, jsie bekämpfen Ermattuhg und Müdigkeit. Sie sind von der Arbeit ausgefüllt und dann am Abend so müde, daß sie keinen Sinn mehr für andere Dinge haben und glücklich über die. wohl verdiente Ruhe sind. Natürlich haben wir auch gegen große Fehler zu kämpfen, die oft das.Milieu njiit sich bringt, aus dem sie kommen. Man darf auch nicht vergessen,1 daß wir. erst, in Anfängen stehen und gegen die Sünden von Generationen anzukämpfen haben. Es ist nicht ganz einfach, die Mädchen zur Ordnung und Reinlichkeit zu erziehen, es fehlt ihnen an Schönheitssinn, Liebe zur. Natur. Jedoch ist die Auffassungsgabe für hduswirtschaftliche Dingeieine sehr gute; für technische Dinge sind sie s^hr wenig begabt, ebens^ fehlen oft die elementarsten Kenntnisse der Schulbildung, mit Ortogrpphie, Lesen und Rechnen hadert et oft sehr. | Die Tageseinteilung unserer Schülerinnen ist folgende: Um 7j‘/s Uhr beginnen sie mit der Arbeit und räujnen bis 9 Uhr unter Leitung, der Lehrerin mehrere Zimmer auf., Vonl 9—10 82

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.