Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1927-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Ordensorgan erfahren wir' ferner, dje Großlöge des 13. Distrikts (Poten) eine. Schuld für den höheren jüdischen Unterricht ins Leben rufen will. Da die Staatsbehörden und die Orthodoxie sich gegen ein solches Institut aussprechen, meint Br. Rabbiner Dr.. Schorr, daß nunmehr dem Orden B. B. die Pflicht obliege, Schritte zur Schaffung eines jüdischen Gymnasiums zu tun. Ebenso schafft die dortige Großloge einen Katastrophenfonds, zu welchem jeder B. B. im Distrikt 50.Cents beizusteuern hat. Auch die Herausgabe von »Monatsberichten der Großloge«, wird geplant. In (wyrdiger Weise gedenkt die Großloge XII (Wien) das Andenken ühres verewigten Präsidenten, Prof. Dr. Ehrmann, zu ehren; sie läßt alle Aufsätze von jüdischem Interesse, die aös seiner Feder geflossen sind, zwecks Herausgabe inl einem »Gedenkbuch«, sammeln und alljährlich ein Stipendium an würdige jüdische Studenteh verteilen. Auß^r sehr schönen Aufsätzen über Spinoza und Brjndes, David ,Pinski, das jiddische Theater, einen jemenitischen Messias, die Male* Todros Geller und lssachar Ryback und übei Jerusalemer Typen weist das Ordensorgjn einet. I Rückblick auf die inneren Angelegenhe ten der deutschen Judenheit«, unter dem Titel »Dies ist (licht der Weg«, auf, der zwar in den Ruf nach Frieden und Verständigung unter den Parteien der deutschen Judenheit ausklingt, aber dennoch mancherlei Dinge enthält, deren Ueberruittlung nach Amerika besser unterblieben wäre. 1 ' Br. Eugen Wo be, - Montefiore-Loge in Eerliij. Bücherschau. B’nai B’rith Manual, heransgegeben von Samuel S. Cohon, Cincinnati 1926. Dieses Handbuch, das vom Wider Scope Comittee« (einer Art Propagandakomitee) herausgegeben wurde", enthält eine übersichtlich angdordnete reiche Fülle von Material nicht nur über den Orden, sondern auch über jüdische Fragen im allgemeinen. Man ist erstaunt, in dem Büchlein in Taschenformat, das allerdings 450 engbedruckte Selten hat, eine kleine jüdische Enzyklopädie zu entdecken, die in volkstümlicher Art die jüdische Religion, den Ritus, die Zeremonien, die jüdische Literatur, moderne jüdische Probleme et^, behandelt, Män könnte fragen, was diese Fülle von Stoff mit dem Orden zu tim hat, worauf wohl zu antworten wäre, daß, abgesehen von der Verpflichtung des Bruders, sich mit jüdischen Fragen zu befassen, wohl kaum an anderer, dem Laien zugänglicher Stelle so klare und für den normalen Bedarf erschöpfende, das Material zusämmen- - fassende Auskunft gegeben wird. Von besonderem Interesse für uns ist die Geschichte des Ordens von Dr. Boris D. Bogen, dem Sekretär der Cönstitutions-Großloge. Die erste deutsche Loge (Deutsche Reichsloge, Berlin) Würde erst 40 Jahre nach der Gründung des Ordens installiert. Die vor diesem Zeitpunkt liegende Geschichte des Ordens ist in Deutschland ziemlich unbekannt; so wird es viele Brüder interessieren, zu erfahren, daß die " Verhandlungen der ersten Logen nach dem Herkunftslande der Brüder in deutscher Sprache geführt jjnd die Gesetze und das Ritual erst bei Gründung der sechsten Loge ", (Jerusalem-Loge, Cincinnati< ins Englische übersetzt — f wurden. 1S50 gab eine Loge (Emanuel-Loge, Baltimore) ihren Freibrief zurück upd löste sich auf, weil ihr Antrag,' auch Christen in den Orden aufzunehmen, von der Constitutions-Großloge abgelehnt wurde. Es dürfte auch * nicht allgemein bekannt sein, daß die Constitutions.Oroßloge im Jahre 1920 beschlossen hat, aus dem Ritual alle Worte, durch die ein Kandidat zur Verschwiegenheit verpflichtet wird, sowie überhaupt alle Stellen, die von Verschwiegenheit und Geheirahalten handeln, zu streichen. Von höchstem Interesse sind auch die Ausführuiigei, über die Tätigkeit der Anti-Defamation League (Liga' zur Abwehr des Antisemitismus), die durch Person il-L’hion rin den leitenden Stellen eng mit dem Urden^ verknüpft ist. Auf dpm Gebiete der Presse, des Films und! de; Theaters hat sie segensreiche Arbeit geleistet, o' t g^mii gegen jüdische Unternehmer, denen der Beifall der Mi. mehr am Htrzen l(ig als die Ehre des jüdischen Namens. Alles in allem ist * das Handbuch eine erfreuliche Er scheinung i(n Ordefisleben, der "man auch in mserem-, Distrikte gern begegnen möchte. Dr. F. W. Stern, Heinrich, Dr.: Geschichte der Jtiden in Nordhausen. In den Tagen vom 27. bis 29. M ai d.Js feiert die S t(a d t Nordhausen das Fest ihres tausendjährigen Bestehens. Aus Anlaß dieses Jubiläums erscheint die eingangs genannte Schrift von Br. Dr. Heinrich Stern in Nordhausen*» (Jacob Plaut-Loge). Das mit Illust|"ationen reich ausges attete \Verk bringt ein Stück jüdischerj Kültufgeschichte, zugleich eine hochinteressante Geschidhtej d:r deutschen Jaden ijm Kleinen. Was die Nordhäusejr Juden erlebt haben, gibt uns ein deutliches Bild von ihrer Geschichte in der deutschen Heimat überhaupt. Recht düster ist das Bild, Viel haben die Juden in Nordhausen während» ihrer vielhundertjährigen Ortsgeschichte erdulden müssen. Aber sie haben ihre Heimatstadt geliebt. Allen Verfolgungen zum Trotz haben sie sich nie dauernd verdrängen lassen. Die erste’ Urkunde, die die Juden in Nordhausen erwähnt, ist vom Jahre 1290; Vermutlich aber haben schon lange vorher Juden in der Stadt gewohnt. Mancherlei Dokumente und Gesetze sind vorhanden, aus denen ihre rechtlichen und sozialen Verhältnisse zu entnehmen sind. Im Jahre 1349, zur Zeit des »Schwarzen Todes«, wurden die Nordhäuser Juden der Brunnenvergiftung bezichtigt und verderbt«, vermutlich verbrannt Eine dichterische *) Im Selbstverlag des Verfassers. Preis 3.— M.