Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1927-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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t — auf jüdischer Seite — über das unleugbare Dunkel jeder Gegenwart mit der Hoffnung hinweg, der unendliche Fortschritt werde das Ziel in langsamer, aber unaufhaltlicher Entwicklung erreichen'. Dieser neu-jüdische Messiasgedanke verschmilzt zwei in der traditionellen Religion wirklich vorhandene Gedanken zu einer Einheit, die. den Früheren fernlag. — »Die Freiheit ist gegeben«, das ist jüdisches Erbgut; der Messias und mit ihm die Erlösung von Krieg und Unterdrückung, von Hunger und Feindseligkeit, sie müssen kommen. Haften aber die Alten das entscheidende Gewicht darauf gelegt, daß Gott selber es ist, der durch das Wunder aller Wunder, durch die Persönlichkeit des Messias am Ende dieses Aeons diese Menschheit zur ''Seligkeit aufc dieser Erde führt, wobei noch keineswegs Einhelligkeit über die Dauer des ^»Tage des Messias« und über das, was nachher ist, herrscht, — so knüpft der neue Messiasglaube vor allem an die optimistischen und rationalen Elemente an, sieht in. der durch menschliche Arbeit errungenen sozialem und politischen Befreiung die hochragenden Marksteine gottgewollter Entwicklung und macht vollen Ernst mit dem Gedanken, daß der Mensch Gott helfen muß, Gott zu werden. Sicherlich konnte mir die jüdische Religiosität eine solche Umbiegung erfahren, ohne daß dieses offensichtliche Neue einen unhe bardin ßruch |mit dem Alten bedeutet. j Verbindung m^t dem Lebensgefühl von einst vor allem darin gegeben, daß der sinnvc Charakter menschlicher Tat, menschlichen V wirkungswilleris in den Anschauungen von hei und in denep von 5ipst den Kern bildet, höchste Anspannung zur Erfüllung der göttlich Gebote kennzeichnet dort wie hier die Fromm keit. des Juden' Wohl muß sie sich davor hüU ■von der reinen Diesseitigkeiteines Fortschri? aberglaubens yerschlungen zu werden, sie m sich darauf bejsinnen, was in uns fortschres soll und was Kennzeichen echter Errungi schäften gotte^füllten Lebens ist — Schwier keiten und Gefahrquellen, denen gerade der Ju von heute im meisten ausgesetzt ist aber in der j demütigen Ueberzeugung, db noch unendlich viel des wirklich Gute, zu tun bleibt, quillt doch ein tiefer Bcjrn religiöser Kraft. Der jüdische Optimismus, der alte wie der neue, hat nichts mit satter Genugtuung über die Herrlichkeit dis Erreichten zu schaffen, nicits auch mit Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit, die darüber täuschen wollen, daß »der Trieb des Menschin böse von Jugend an«, es ist vielmehr die tiefbohrencje Mahnung des Gewissens, nicht müde zu werden; denn »der' Tag ist kurz, c Arbeit |groß upd der Bauherr drängt.« Altstadt Jerusalem. , Y'on Alice Hold heim. Der Name Jerusalem, vor wessen Ohr er ausgesprochen werden mag,, .ruft durch seinen Klang eine überwältigende Fülle von Bildern und Vorstellungen hervor: die Stadt der Herrlichkeit Davids und Salomos, der frommen Hügel von Golgatha und Gethsemane, der Heiligtümer des großen Propheten, auf die Fromme von allen Enden der Welt täglich im Gebet ihre Sinne richten — der Schauplatz uralten historischer^ Geschehens, blutiger Eroberungen durch Römer, Türken, Christen, die die Stätte höchster Heiligkeit zu ehren meinten, indem sie sie mit Feuer und Schwert eroberten; der Feuersbrünste, die erbarmungslos .zerstörten, was die Geschütze unversehrt gelassen; barbarischer Zertrümmerung von Mauern, Wällen, Türmen — um sie zum eigenen Schutz desto höher wieder äufzurichten! So häufte sich im Laufe der Jahrhunderte Stein auf Stein. So schrieb jede Epoche ihre Geschichte in.* die willfährig aufnehmen ü Erde. 1 Der Anblick dieser Jahrtausenden geweihten Stätte erfüllt den Beschauer mit so tiefer Elr Furcht, daß sein Mund verstummen müßte, we nicht auch hier das Leben des Alltags sei Rechte forderte. Eilende Menschen tragen il Lasten an Arbeit und an Sorgen über die v. Geschichte schweren Steine, und die ura Szenerie ist Tummelplatz für eine höchst re. ganz und gar menschliche Gegenwart. Die Aj1 stadt Jerusalem, um deren Mauern und auf eir Fläche, die fünfmal größer ist als sie selbst, (L neue Stadt Jerusalem sich ausgebreitet hat, t< das Geschick aller großen Städte: sie ist c Mittelpunkt des Geschäftslebens gewordc Zwei Hauptstraßen stehen wie die mächtige Arme eines Kreuzes senkrecht aufeinander: d eine zieht sich vom Damaskustor im Nord; 76