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Der Orden Bne Briss · 1927-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1927-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Was besagt für unsere Frage der Gedanke vom Messias und seinem Reich? An dieser Lehre und der höchst merkwürdigen Umbildung, Umbiegung darf man sagen, die sie im Judentum des 19. Jahrhunderts vielfach gefunden hat, knüpft die religiöse Begründung des Optimismus vornehmlich an. Wir. stehen hier geradezu vor einer Umwandlung eines der wichtigsten Olaubensstücke iip Oeiste eines erheblichen Teils der modernen Judenheit, vor einem Wandel, der, wenn er dem Judentum der kommenden Oeschlechter in Fleisch und Blut übergeht, ganz neue Ausblicke eröffnet. Was war diese .Lehre, rund was ist aus ihr geworden? Nach dem Glauben der Alten, der Lehre des Talmud, kommt! der Messias, der verheißene König aus Davids Stamm, wenn eine ungeheure, eine unerträgliche Notzeit die Menschen zur Verzweiflung treibt; »wenn du. die Pferde der Perser an die Särge im Lande Israel angebunden siehst, dann hoffe auf die Ankunft des Messias«, sagt Rabbi Simon bar Jochai. »In der Zeit,' da der Sohn Davids kommen soll, wird das Lehrhaus eine Stätte der Unzucht sein, Oaliiläa verwüstet, das Hochland verödet, die Bewohrier des Grenzgebietes werden von Stadt zu Stadlt ziehen, aber keine Mittler finden^ die Weisheit der Sqhriftgelehrten wird verderben, die Sündjenscheuen werden mißachtet, hündische Schamlosigkeit herrscht, und die Wahrheit wird vermißt«, so beschreibt Gamliel II den Zustand jener Tage! In einer interessanten Diskussion zwischen Rabbi Elieser ben Hyrkanos und Rabbi Josua ben Chanänja wird die Frage aufgeworfen, wovon! der Zeitpunkt der Erlösung durch den Messias, abhinge. Rabbi Elieser spricht die Ansicht aus, der Messias würde komtneif, wenn Israel volle Buße getan, und Rabbi Josua die Meinung, Gott führe die Tage des Heils zu einer von ihm vorherbestimmten Zeit herauf, unabhängig von der sittlichen Haltung des Volkes.; Beide kämpfen mit Bibel- . Zitaten gegen einander; schließlich siegt Rabbi Josua: der Messias kommt, wenn Gott es will, und wann er es will. Und in der Tat, im tiefsten Erleben des jüdischen Gemütes durch alle Jahr- * hunderte bis zum Einbruch der jüdischen Neuzeit, d.h. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, war' in Oefühl und Glaube die Meinung vorherrschend, Gott selber würde durch ein unerhörtes Wunder die l Tage des Heils herbeiführen; daß es der Menschheit gegeben sei, aus eigener Kraft in allmählichem Fortschritt das Wunder zu vollbringen, es unnötig zu mächen, davon wußten unseie Ahnen, die in den vergangenen Zeiten imr bebender Seele einen Messias die in ihren Grundfesten erschüttert wären, wenn die Kunde von ]dem Auftreten eines Erlösers ihr Ohr traf, gar nichts. .Sie waren und biieben . die Wartenden,, die Au$spähen len; ihr Glauben an. Gott war eins mit dem Glauben an das-große Wunder, das ihnen das Heil ihnen und aller Menschheit. Wunderhaftigkeit der Messiasedv imrfier die Ueberzeugung hjnt i die Menschheit sich im Oläuber einigen würde. Die jüdische Neijzeit hat lin kein Stück der Tradition ernster gerungen als nische Idee. Wie hat sie sich amalgamierl? — Unsere kulturelle und politischner wieder mit entgegengeharrt, schenken würde, Denn durch alle warjung leuchtet urch-, daß darin n an den Einen um die messiadiesen Glauben soziale Emanzipation^ wurzelt wie bekannt in Die Verwandt- und läßt sich Weltanschauung und Lebens] [efühl der Aufklärung. Wir können leider an dieser Stelle nicht ^aüf die Berührungspunkte eingehen, die di,ese Manifestation des eurof äischen Geistes mit dem jüdischen Wesen hat schaft ist sicherlich sehr innijj schon in gewissen Seiten des biblischen Geistes aufweisen. Ejs ist vor allem das freudige Vertrauen auf die menschliche Vernunft und ihre Tragfähigkeit, die Ueberzeugunj j, daß die göttliehe Offenbarung etwas Einleu« :htendes, Durchsichtiges sei, das rechte Mittel zitr »Erziehung des Menschengeschlechtes«. In lern so die Aufklärung an die Vernünft glaint, gewinnt sie zugleich ein Vertrauen zum menschlichen Willen, den sie durch die Vernunft sich;r bestimmt und geleitet % vermeint. Der Optimismus der Erkenntnis gebiert den OptfmisnU.s des Wollens, des Lebens. Wie herrlich'weit hat’s doch die; Menschheit gebracht, und Wer weiß, was alles noch kommjen mag! Hier steht die Wiege jenes ganz und gär unchristlichen Fortschrittsglaubens,1 der mutigen Ueberzeugung, de ■ freie Mensch werde es schaffen! War da‘s ficht die Recht-„ fertigung, der sich ankündigende Sieg der jüdischen Gewißheit Von der Kra t der rein und frei geborenen Seele-1 Ja und nein!' Wohl ist hier das Gespenst von der Erb schuld verjagt; aber es werden auch all die Z wischenglieder übersprungen, die immer aufs reue gemachten Erfahrungen, daß der freie Me Freiheit vie öfter zum Bruch Oesetzes bestimmt hat als zu seiner, Erfüllung. Man legt optimistisch die Möglichkeit des Guten schon als seine Wirklichkeit aus und hilft sich ensch sich in des göttlichen 73

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