Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I' Verhältnis zum Lehrer *n. Der Lehrer erscheint mehr als Berater beigemeinsamem Suchen und Finden. Dadurch bildet sich das so notwendige von innen kommende Bin- und Unterordnungsgefühl heraus. Vorteilhaft ist auch der Geist gegenseitiger Hilfsbereitschaft unter den einzelnen Schülergruppen; besonders zeigt sie sich bei Arbeiten im Garten. Jeder Schüler übernimmt die Verantwortung für [sein Beet, aber auch für das Ganze; er muß sich einfügen, dienstbereit sein, Hilfe annehmen uhd geben. — Nicht unwichtig iät, daß dieser Unterricht eine Art von Ausgleich Sn den sonstigen SchüJSP leistungen ermöglichen kann. Mancher Knabe, der auf anderen Oebieten versagt, wird, wenn seine Handgeschicklichkeit sich ausbildet, zu sich selbst wieder Zutrauen fassen; er ahnt, daß das Leberf * später für! geschickte Hände Anerkennung haben wird, nicht bloß für Menschen, die die höhere Schule bis zum Ende erledigt haben. Der Unterricht bildet den Verstand und Erfipdungsgeist, aber au|ch den Oeschmack des Kindes. Künstlerische Fragen kann der erfahrene Lehrer nach und nach an sie heranbringen. Wenn auch Präzisions- und Qualitätsarbeiten nicht verlangt werden können, so muß doch die schöne Form das Ziel' der Tätigkeit sein. Ob sich der Schüler ein Bücherbrett, einen Bucheinband oder einen Stiefelzieher, ein Flugzeugmodell oder einen Pappkasten schafft — er muß schön formen. Er läjßt die Hand reden und nicht bloß den Mundj. Die Pflege der künstlerischen Seite verinnerlicht die Bildung; sie ist ein Gegengewicht ge^en seichtes hohles Bildungsgeschwätz — aber auch gegen unklare soziale Phrasenrederei.! * ' Von großer Bedeutung ist auch der Einfluß auf das Haus; die Mußestunden werden ebenfalls praktisph ausgeriutzt, das Qelernte wird verwendet. [ Der Kna(>e lernt die Verwerturig von Abfällen! (Korken, Zigarrenkisten, Pappe üsw.) und wird selbst Handwerker spielen. — Er wird das Heim selbst schmücken wollen — und wird niPht' bespöttelt werden. 'Denn der häusliche Sinn wird verinnerlicht. Er lernt sich am Kleinen zu freuen und sucht auch im Bescheidenen die Spuren der Schönheit.' ((Beste Bekämpfung der Anmaßung; Erziehung zur Anspruchslosigkeit!) Er lernt auch den Wert des Oeldes schätzen, wenn er vergleicht, was solche Arbeiten kosten, wenn sie Aridere ausführen; der Sparsamkeitssinn wird gefördert. Aber auch der Sinn für Saubeikeit und Orclnung, den er im Unterricht entwickeln muß, ist im Hause doppelt wertvoll. Wie er nach dem Unteiricht Kleisfertopf, Säge, Hammer uswr anden richtigen Ort stellen und di*n Arbeilsplatz nicht schmutzig verlassen darf, so wird er auch daheim ordnungsliebend werden. Manches Fachurteil berichtet, daß der technische Unterricht sogar die Handschrift bessert. — Da jede Arbeit schon an sich sittlich wirkt, (ist es nicht zu verwundern, daß sonst schwer leitbare Knaben ein gutes Betragen zeigen und sich gehorsam erweisen. In Erziehungsanstalten hat njan bekanntlich mit dem Werkunterrichi in dieser Beziehung die besten Erfahrungen gemacht. Ein Wort gartens. WerK noch über den Wert des Schülerunterricht muß auch] in ihm erteilt werden. Natürlich handelt; es nicht um die Kern haben Studienräte Dü Ausbildung zu sich auch hier Berufsgärtnern, sondern nur pm erzieherische Probleme. Seinen 1925 die beiden Schöneberger enel und Haack in einer Studie treffend dargesteilt. Mit dem Tiefstand der Naturkenntnisse bei der Gjroßst^dtjugend verbindet sich sft ein Mangel' an Ehrfurcht vor <^en Erwachsenen, ein UCberhändnehmen materiellen Geistes] Unterricht ünd'Arbeit jri Schülergärten fördert gesundes Kraftgefülil, gibt Gegengewicht gegen die geistige Schularbeit und gegen sexuejIle Verirrungen. Der Aufenthalt' in frischer Luft rjacji dem stundenlangen Hocken im Klassenzimmer regt die Atmung ah und härtet ab.; Die Kinder werden dem Einfluß der S raße entzogen, das Beobachtungsvermögen wird entwickelt; die Rätsel des Lebens werden näher an die Kinder herangebraclit. Der Gemeinschaft! sinn wird gefördert duren die gegenseitigen iiifeleistungen und die Achtung vor dem, was der Mitschüler gepflanzt uijd gebaut "hat. Def Ehrgeiz wird angestaphelt — jedes Kind will auch in seinem Beet Ertrag ernten, auf seinem-Baun Obst ernten. Eigenes Säen und Pflanzen stärkt das‘Bewußtsein j der Sulbstveranfwort'ürig. Nicht unberechtigt stellt Oberlehrer Ma5c die Frage: Glaubt Ihr in Ernst, daß wir die körperlichen Anlagen und Kräfte der . Jugend-nur durch Vorträge über Gesundheitspflege stärken können? Der Schülergarten ist prochiktiv, .er zeigt den Segen schaffender Arbeit; erjbildet den Ge* schrnack und den künstlerischen Sinn, (ßlumenbeete, Anlagen). (Der Schülergarten'"fördert aber" auch den so [überaus wichtigen Gedanke n der ‘ Eigensiedlung; er macht Lust an der eigenen Scholle und Widerwillen gegen das Hausen in der Steinwüste der Großstadt. Er vermittelt aber nicht 63 r