Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gehirn.) Der Knabe verliert Unbeholfenheit und Ungefwandtheit; wer auch gelernt hat, Hammer, Säge ’usw.. zu gebrauchen, ist für das Leben ... besser vorbereitet, als derjenige, der hinter seinen Büchern kurzsichtig, bleich und krumm geblieben ist; er wird im Haushalt sich von Handwerkern möglichst unabhängig machen können; und später, wenn er selbst Arbeiter beschäftigt, wird er ihre Leistungen besser verstehen und beurteilen.' Damit kommt er dem Idealtyp des Amerikaners nahe: a hell of a fellow, einem »Allerweltskerl«. Der Handfertigkeitsunterricht vermittelt praktische, nicht bloß theoretische Intelligenz und entspricht damit, wie Baumann richtig hervorhebt, der natürlichen Anlage des Kindes. Denn jedes gesunde Kind zeigt regen Tatendrang und Tätigkeitstrieb; mit der Hand fühlt, betastet und erkennt das kleine Lebewesen die Außenwelt. Im vorschulpflichtigeri Alter betätigt es sich mit Spiel — später aber fehlt fast jede Gelegenheit iu praktischer Betätigung. Nur die Mädchen werden im Handfertigkeitsunterricht ausgebildet. Daher muß die Benutzung des im bewegungsfrohen Kinde vorhandenen Triebes bei der Erziehung die Hauptsache sein. Der Werkunterricht darf demnach nicht zu spät beginnen; er muß zwischen dem 8. und 16. Lebensjahr betrieben werden. Setzt er rechtzeitig ein, so können die Muskelbewegungen einen so hohen Grad der j/ollkommenheit erreichen, wie es später nicht tnehr möglich wäre. Jeder gebildete Laie weiß - auch, daß jede Muskelgruppe durch Nervenbahnen mit dem Zentrum verbunden ist; vor allem ist die Hand mit dem Sprechzentrum verknüpft- Die Hand ist, wie Pabst trelfend sagt, «ine Art sechster Sinn; ihr Weg führt direkt zum Kopf. Handarbeit »weckt die Initiative, setzt, die wesentlichen Geistestätigkeiten, Aufmerksamkeit und Wollen in Bewegung und fördert die regelmäßige Aeußerung des Willens; sie bildet also, die Intelligenz aus: Bilde das AUge, übe »die Hand. * Fest wird der-Wille, scharf der Verstand Im Lebenskämpfe wird sich der am schnellsten durchsetzen, der Kopf und Hand entwickelt hat, sei er Kaufmann, Arzt/ Chemiker oder Arbeiter. Er wird sich allen Problemen besser anpassen. — » Das Hauptproblem der sittlichen Erziehung ist, nach Wulfen, die W i 11 e n s b i 1 d u n g, die Eräehung des Willens zur Selbständigkeit und Selbsttätigkeit. Hier schafft der Werkunterricht drei wichtige Dinge für das Leben: Das Kind lernt aufbauen, sich beherrschen und wahr zu ' Sit :h selbst zu sein. Der Charakter wird also gestärkt. Merkt das Kind,daß es etwas leisten kann so gewinnt es Selbstvertrauen und wird ruhig unc überlegt. Es darf sich beim H.-Unterricht mit un ausgeführten Entschlüssen nicht begnügen; so bildet es physische und psychische Fertigkeiter aus. Es wird daran gewöhnt, durch Zergliedern die Dinge genau zu erfassen und wird dann auch bei andern Arbeiten sorgfältig und gewissenhaf! vorgehen. Jes wird mit den zu verarbeitenden Rohstoffen bekannt und^Iernt ihre Entwicklung zum Kulturprodukt, zur Fabrikware, ahnen, Hüppe betont ganz schaff, daß solche Arbeit sehr ernst zu nehmen ist. Der Wille wir wiederholt Herausgefordert,' bis die Arbeit ferti ist; der Ejirgeiz wird angestachelt — di Schwierigkeit muß überwunden werden.!Der Werkunterricht gestattet nicht alles Mögliche z j beginnen und nichts zu vollenden; er bekämp t dadurch au^h die .nervöse Hast und Unrast. Dai-Kind soll lernen auf eigenen Füßen za stehen — denn der Lehrer zeigt, der Schüler voljendet und erkennt Tan der fertigen Arbeit, wie hoch er seine Geschicklichkeit einzuschätzen hatd Er wird bescheiden! Mit deifi Können wächst der Drang zur Arbeit, die Beschäftigungsfreude, die Kraft I und, das Selbstvertrauen; die Schüchternheit beginnt zu weichen. | . , Praktisches Arbeiten nötigt zu scharfejn Sehen; scharfes Sehen zum Verweilen und 4u innerer Sammlung. Schlummernde Beobachtungsgaben werden geweckt. Warum beobachten unsere Kinder in den Großstädten im allgemeinen so schlecht? Weil die Zahl der auf sie einströmenden Eindrücke zu groß ist, ihr Wechsel sich zu rasch vollzieht. Der Werkunterricht treibt aber nicht beim Anschauen stehen. Er übermittelt wertvolles Erfahrungswissen. Mit dem richtigen Auffassen und Darstellen der Dinge entwickelt sich aber auch die Aufmerksamkeit, die Konzentration der geistigen Energie. Das Kind muß sich jn strengste Zucht nehmen, jede Unaufmerksamkeit kann sich rächen. Es sieht, was sonst nicht sehr oft der Fall ist, die Folgen seines Handelns. Bei allen Schwier gkeiten muß es sich selbst helfen. An die Stelle des sogen, phantasierenden Handelns tritt aas wirkliche HandeLn. Jeder Selbstbettug tritt scharf zu Tage. — ■ Also der technische Unterricht lehrt^auch die’ sittlichen Fähigkeiten: Genauigkeit, Korrektheit, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer. — Der Unterricht bahnt aber auch ein persönliches — 62