Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«rächtet Wird eine von beiden zu sehr in den - Vordergrund gedrängt, so kann es nur auf Kosten ,der anderen geschehen. Nach Pestalozzi wird der Mensch viel mehr gebildet durch das, was er tut, als durch das, was er hört Die allseitige . Bildung verlangt' natürlich auch Bildung der Hand. _Da der Hand oft die nötige Uebung fehlt, ist sie ungeschickt, selbst bei einfachen Griffen. Heute wird ja dem Kinde alfes fertig »in die Hände gegeben;’ früher mußten die Kinder sich selbst die Federkiele schneiden, das Papier liniieren, heften usw. Natürlich wäre es lächerlich, alles selbst machen zu wollen; die Zeiten sind vorüber, in denen Gustav Freytags Vater am Abend nach Geschäftsschluß noch genügend Muße fand, seine Söhne in praktischer Haus- und Handarbeit zu unterweisen. Radikale Schulreformer fordern heute für das erste Schuljahr einzig und allein die Bildung der Sinne, der Sprache-und der Hand! Erst müßten die wichtigen Geisteswerkzeuge" gebildet werden, bevor der Schüler mit ihnen arbeiten könne. Die Anschauung, sei das Fundament aller Erkenntnis. Nur durch das Ringen mit dem rMatferial können Ware Ideen entstehen. Der Handfertigkeitsunterricht ist ein gesteigerter Anschauungsunterricht; er setzt gründliche Beobachtung voraus und erzieht zu formrichtigem Denken. Er bildet den Verstand — freilich auf andere Weise als der Talmudunterficht früherer Zeiten. Nicht im Wissen, sondern im Wollen sieht Herbart den Wert des Menschen. Der Schüler . soll »nicht mehr die geistig* Photographie des Lehrers sein« — das Endziel soll das Können, die Kraft zum selbständigen Handeln, bilden. - Mit einer gewissen Berechtigung sagt Wendt: »Kulturelle Erfolge sind Errungenschaften im Kampfe mit der Natur; nicht moralische Vorschriften bessern den Menschen, sondern die langsame arbeitsvolle Entwicklung an der Hand J * -der technischen Wissenschaften. Die Arbeit als ^''trielbewußte Technik ist Erziehungs- und Bil- ■ l’dungsmittel der menschlichen Gesellschaft.« An dieser Stelle soll das Kapitel Hand- * feriigkeitsbezw. Werkunterricht in der »JüdisChen Gemeindeschule« nicht besprochen f Werden.!. Diese Studie soll sich an diejenigen Eltern wenden, die ihre Kinder nicht von vornherein für Handwerks- oder technische Berufe bestimmt haben. Sie rechnet mit dem Streben der jüdischen Eltern, ihren Kindern durch den Besuch höherer Schulen, sei es auch unter größten Opfern, die — 60 bestmöglichste Geistesapsbildung zukommen zu lassen. I Diese Oeistesausbilldung verlangt aber gestimmte Rücksichtsnahmlen. Denn unsere Kin bringen eine gewisse Belastung der Nerven auf die Welt. Wohl hjaben uns unsere Ah ein köstliches Gesundheitserbgut hinterlas durch ihre Sittedreinheit, Mäßigkeit und Gen samkeit.. Der beste Beweis war die außerordeju liehe Kraftentwicklung! nach dem Fallen dei . Ghettomauern. Wir erleben ja heute mit Staunen mit welch gewaltigen Rässekräften die befreiten russischen Juden auf der, Bildfläche erscheinen Unser Rassegut war nicht schlecht! Unsere Ahnen haben nicht Krankheiten auf uns übertragen, sondern nur eine gesteigerte Empfänglichkeit für gewisse Gebrechen. Die geistige Energie, die Fähigkeit, geistige Werte zu schaffen, war durch Generationen seit uralter Zeit aufhöchste entwickelt worden. Aber von außen brandeten ständig schädigende Wogen heran So kam die Ghettounrifhe, die Jahrhunderte dauernde Flüchtigkeit und Unstetigkeit, die ständige Furcht vor Bedrückung in unser Blut; Inzucht durch Heirat in kleinem Kreise, mangelnde körperliche Ausarbeitung] Konzentration in djer Großstadt, zermürbende geschäftliche Sorgen uijid Kämpfe machten die Eltern »nervös«. Werden nun Kinder in eine nervöse Umgebung hineingeboren,; so muß. man zum mindesten den Faktor des psychischen Kontaktes in Rechnung ziehen und dafür sorgen, daß die Schule nicht ebenfa Is noch die Nerven ungünstig beeinflußt. Nervöse Kinder sind oft frühreif, sogenannte Wunderkinder. (Aber nicht alle Wunderkinder werden, wie Goethe sagt, Genies.) Nach Prcif. Gräüpp ist Unausgeglichenheit, Disharmonie i ir Kennzeichen. Zu hervorragender Begabung for bestimmte Fächer gesellen sich oft Mängel auf anderen Gebieten. Die Affekterregbarkeit ist c ft gesteigert, klingt aber auch leicht ab (Laune ihaftigkeit). Selbst sorgfältigster Erziehung gelingt es nicht immer Selbstbeherrschung zu erzielen,"Zorn- und Wutausbrüche zu verhindern. Es besteht eine Art abnormer Reaktion auf die Reize der Außenwelt und des eigenen Körpeis. Trotz leichter Auffassungsgabe bleiben diese Kinder oft zurück, weil ihre Muskeln und Sinne .abnorpi ermüdbar und überempfindlich sind (z. B. Auge und Ohr gegen Geräusche usw.). Sie sitzen im Unterricht nicht still, werden hastig, zappelig, bockbeinig, reizbar; sie zeigen Mangel an Ausdauer und gewisse Schwäche des Willens. Ihn Wesen wird zerfahren, ihre Aufmerksamkeit 4 I