Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nicht jeder kann mit ■ 1 * vor dem Geiste au Geist gesegnet sein, aber jeder kann Respekt vor ihm haben. 1 Wer respektlos ist, ist nicht nur geistlos, sondern däm Geist entgegen. Die Ehrerbietung vor dem j Geist war immer ein I, Stolz im Judentum, ijnd ein Volk geht demj Niedergang entgegen, däs den Respekt vor dem Geist verliert. Diese Gefahr droht mitunter der deutschen Judenschaft, wenh man feststellti daß oft der sogenannte Witz den Oeist verl drängen will. Hier übernimmt alsp die heue Loge mit dem Namen eines Trägers des Geistes die Pflicht, den Respekt vor dem Geiste zu lehren und weiter zu tragen, undj da muß sie bedenketfi, daß ein Hindernis für | die Ehrfurcht vor dem Geiste die Enge der Partei ist. Der Parteimensch kennt nur immer die fertigen Antworten, er weiß alles, er hat für alles j sei ne Formel, er bedarf nicht des Geistes, denn was er als solchen äußert, ist wie eine Ware, die ihm fertig geliefert wird; er hört auf, ein Suchender, ein Denkender zu sein. Abraham Geiger war kein Parteimensch, denn er war ein Menscjh des Geistes, er hatte den Blick und das Verständnis für das Suchen und' das Kämpfen, und; deshalb legt sein Name den neuen Brüdern diej weitere Pflicht auf, aus der Enge der Partei herauszutreten und auch im andern stets den Suchenden zu sehen. Denn der Geist ist, wie Beethoven es vom Künstler gesagt hat, immer unterwegs, während der Parteimensch immer am Ziele ist. Wer Abraham Geigers Arbeiten kennt, der muß sehen, daß Abraham Geiger nie mit sich selbst befriedigt war, daß er vielmehr immer unterwegs, immer bereit war, zuzulernen und sich für Menschen und Ideen zu öffnen {suchte. Das aber lehrt auch der Orden der Bne Briss, in dem es keine alleinige orthodoxe Richtung, weder nach rechts, noch nach links, gibt; <)lenn er soll Menschen zusammenführen, sie sich [einander erleben, einander erschließen lassen. Das ist Liberalismus im edelsten Sinnen Innerlich frei sein, niemals Knecht sein, immer di^ Fähigkeit haben, sich zu erschließen, nie am Ende sein, immer jung bleiben für junge und neue Gedanken, das ist der Liberalismus von Abrahäm Geiger, der zur Humanität, die auch unser Ziel ist, führt. Dazu hat Abraham Geiger noch eins besessen Und gelehrt, den .starken Glauben an das Judentum. Er war ein Mann ohrte Pathos, ein Mann der Wissenschaft und der Forschung, dem das nur ’ tönende Wort fremd war. Zu wahrem Pathos gehört eins, nämlich die Bescheidenheit; man muß 1 viel gedacht und geleistet Haben, um .wahrhaft bescheiden zu werden. Die fertig jn, die Parteimenschen, sie können unbrscheideiTsein. Abraham Geiger besaß Pathos nur dann, wenn seine Seele mit betroffen war, wenn dem Judentum sein Recht und sein Platz verwc igert werden sollte, wenn es verkannt-wurde, dann war Pathos die Sprache seiner Seeje. Eine Gefahr für die Loge sind die großen ^Xtorte, die eine Leistung zu sein, scheinen, die Gefahr, daß Worte;; vor die Taten treten. Berechtigt ist bei ups nur der Mensch selbst, nur das, was er leistet, sölf Bedeutung und Recht haben, nicht, was er bloß spricht. Wirken und schaffen, ringen und arbeiten, so wie es Abraham Geiger alleze it -getan, das ist el, was wir von ihm lernen können. Geist, Respekt vor dem Oeist, Liberales, Humanitas und Bescheidenheit, alles das fügt sich zu einem, was aus dem Namen Abraham Geiger zu uns spricht: Noblesse oblige; es istf Name des Adels, den Sie gewählt haben,. a es Adels, ‘der bei uns Juden allein gilt, däs Adels des Geistes, vor dem Sie die Ehrfurcht beu 'eisen wbllen, durch das, was Sie vollbringen.. Mit Worten über die Bedeutung als Führer und Wegweiser, die sich insbesondere auf die Brüder des Beamtenrates, die ni:ht über den anderen, sondern vor ihnen als Beispiel stehen sollen, schloß der Präsident seine Ansprache urjd stellte fest, daß der Beamtenrat der neuen Loge b esteht aus den Brüdern: ‘ 1 -• . J « Präsident: Rabbiner Dr. Martin Stilomonskij Vizepräsident: Arnold Stein Prot. Sekretär: Leo Rosenblatt Finanzsekretär: Hugo Philips Schatzmeister: Adolf Wisla Marschall: Dr. Karl Rosenthal Wächter: Georg Heidemann Mentor: San. Rat Dr. Salomön .Stjynthal. Es überbrachten sodann für fie Logen des Westens und Südens Br. Isaak; Köln, vom westdeutschen Logenverband, für den gesamten Osten Br. Löwisohn aus Breslau, für Mi teideutscjiland Br. David aus Dresden und für Berlin Br. Löwenstamm Olückwünsche und Grüße der neuen Loge entgegen. Zum Schluß ergriff der neu gewählte Präsident Br. Martin Salomonski das. Wort, um für die piückwünsche zu danken und’den Weg der neuen Loge zu skizzieren. Ni:ht zermalmen, sondern Wohltätigkeit üben, nicht lässiges Wesen zeigen, sondern Bruderliebe, nicht zerfallen, sondern Eintracht üben, Wege, die die neue Loge gehen Vorbild! und Bruder Groß- — 57 - / in Parteien das sind die will, und für