Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1927-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6727475-6029141-6074737--1385-4868015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zu diesem bequemen Verfahren seine besondere Berechtigung zugestanden. Vor allem, es ist fast rührend zu sehen, wie der Achtzigjährige sich für Caesars menschlich noble Erscheinung begeistert, wie er Brutus und Cassius, hohl- , köpfige Verschwörer, als ob ihr Verbrechen von gestern wäre, vor sein europäisches Gericht zieht Oder wie er mit dem greisen Voltaire noch einmal den Calas verteidigt. Wie jung ist dieser kritische Kopf geblieben, und wie warm ist sein Herz endlich geworden! Immer wärmer, immer mutiger, je mehr das leidende Europa an Ermutigung brauchte. Der Entdecker Brandes hat Ibsen und Strind- - berg ' und Nietzsche gefördert und manches ^ahdere, als er jung, unternehmend, verwegen ' .war. Da er alt wurde,-weit über das biblische 4 Alter hinaus, schrieb er -am liebsten über diejenigen, die zu Weisen geworden sind, über die Vollendeten, die MaB und Gesetz in sich selbst gefunden haben. Als er selbst ein Weiset wurde, konnte er nur noch mit unseren erlauchtesten Ahnei^ verkehren, ohne) daß er sich durch diesen Umgang io angemäßter Erhabenheit unseren Sorten und Nöten er trücken ließ. Wie wenig Illusion er sich über die Menschen machte, Brandes hat nicht nach dei Schuld, sondern nath der Heilung gefragt. Dieser Sohn eines der kleinsten europäischen Völker hat Europa besonders wohlgetan. Der Fünfundachtzigjährige, der laus fröhlichster Unternehmungslust abberufen wtirde, gehört nicht zu seinen großen Forschern uiid Schöpfern, aber ein ewig Lernender — und mehrlkann niemand sein wollen —, hat er überall gesammelt, von Spinozas Reinheit, von Voltaires Tapferkeit, von Goethes Menschlichkeit, und hat uns davon gegeben, damit wir weiter leben könnep von Erinnerung zu Hoffnung. . Installation der Abraham-Geiger-Loge, I3erlin. : 4 Von Expräsident Landsberg, Stettin. I Es w“ar eine überaus stattliche Anzahl von Brüdern, die sich zum größten Teil aus Berlin, .zu einem großen aber auch aus dem Reich am zweiten Ap'il abends im großen Tempel des .Berlfttet1 Logenhauses zusammen fanden und dadurch Zeugnis von dem großen Interesse ablegten, das man überall für die Errichtung neuer Arbeitsstätten des Ordens in Berlin hat. Neben den Brüdern, die man bei solchen Gelegenheiten immer trifft und die^ trotz langjähriger Zugehörigkeit zum Orden damit immer wieder ihr großes Interesse für seine Ziele und Zwecke bekunden, konnte man auch eine Anzahl neuer Brüder begrüßen, die wahrscheinlich zum ersten Mal 'einer solchen, 'wohl immer ganz besonders ein-! drüqksvollen Feier beiwohnten, einer Feier, die auch diesmal eine besondere Weihe dadurch , erhielt, daß unser Bruder Großpräsident Baeck die Festrede übernommen hatte. Fünfundzwanzig Brüder aus den alten Eogen Berlins waren es, welche vom Vorsitzenden des Gründüngsausschusses, Bruder GeorgSilberstein, in den Tempel geleitet, vom Bruder Gioßpräsidenlen für die neue Loge willkommen geheißen wurden, »um eine neue Afbedsstätte zu schaffen und so zu beweisen, daß die alten Pflichten in ihnen noch lebendig sind und ihnen zu neuen Pflichten, zu neuen Aufgaben werden«. Siebzehn Kändidaten wurden dann neu eingeführt und ^ur Mitarbeit ermahnt, da nur »demjenigen, der r^iitschafft, Ve'rstänc nis für die Logenarbeit werdeh kann, während derjenige, der am Rande der Straße sitzt und auf das Wunder wartet, das ihm von selbst kommen soll,, ein solches nie I erleben würde, jArbeiten, arbeiten und wieder arbeiten am Werke von W. B. und E. bringt allein Verständnis dafür,' was es bedeutet, ein Bien Briss zu sein«. Nachdenji Bruder Vizegroß Präsident Walter die neu eiqgetretenen Brüder auf den inneren Wert der Symbole und Zeichen hingewiesen hatte, die »auch nicht gelehrt, sondern nur durch'die Tat gelernt werden der Bruder Großpräsident in könnten«, führte seiner Weihrede in der nunmehr ordnungsgemäß installierten Abraham-Geiger-Loge etwa folgendes aus: Nur wenn eine neue Loge einen neuen Akzent, einen neuen Ton für die Ordensarbeit bringt, hat sie -das Recht der Begründung, blop um einen neuen Raum auszufüllcn, das wäre zu wenig. Was aber die neue Loge Neues sagen will, beweist sie durch den Namen, den jsie sich wählt. Und der Name Abraham Geiger legt den neuen Brüdern vor allem die Pflicht des Respektes 1 - 56