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Der Orden Bne Briss · 1927-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 3 - März
Date
1927-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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In diametralem -Gegensatz zu den hierher gehörigen Werken Beethovens beginnt nun in der weiteren künstlerischen Entwicklung Beet- ( . hovens eine ganz merkwürdige Dimensionser- Weiterung, clie nunmehr in schwindelnder Ent- ”wicklung zur Höhe hinan oder in die tiefsten Abgründe hinabführt, charakterisiert durch ein vulkanisches Hervorbrechen von aus untersten, nie zuvor erreichten oder auch nur erahnten Abgründen aufwärts. Eine Entwicklung, die eine auffallende Aehnlichkeit mit dem alternden Goethe aufwüst. Auch Goethe wird alles Vergängliche zum Gleichnis, das Unzulängliche Ereignis, alles _Starre fließend, der feste Kreislauf zur Spirale. Völlig abwegig ist nun aber die vielfach aufgestellte These, daß für diese letzte Schaffensperiode Beethovens die Zerschlagung der musikalischen Form das Charakteristikum sei: Niemals hat Beethoven willkürlich musikalische Grundgesetze verletzt; er hat lediglich den zur , Darstellung kommenden Grundgedanken ent- sprechend die Naturgesetze prolongiert, ausgebaut und' variiert; selbst seine größten Kühnheiten der letzten Werke lassen sich restlos auf ■die Grundformen und Naturgesetze der Musik •'zurückführen. Beethoven rührt in den Werken dieser Schaffensperiode an die letzten metar physischen Probleme. Ich nenne die neunte Symphonie, seine letzten Klaviersonaten und die letzten Streichquartette. Der Oegensatz zwischen der Vergänglichkeit des Menschen und der Ewigkeit Gottes ist sein Thema, entsprechend den Worten Goethes: »Ihr wandelt droben im ewigen Licht, die seeligen Augen blicken in stiller, ewiger Klarheit; doch uns ist gegeben auf keiner Stätte zu ruhen, es schweben und fallen die leidenden Menschen, blindlings von einer Stätte zur andern, wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen, jahrelang ins Ungewisse hinab.« Dieses Thema der Nichtigkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen ist das Grundmotiv all’ dieser Werke. Und die Lehre, die wir hieraus ziehen sollen, giebt uns Beethoven in seinem Schwanengesang, in seinem letzten Streichquartett in F. Ueber die Einleitung schreibt er die Schicksalsfrage: »Muß es sein?« Und die Antwort erteilt er, indem er über das kraftvoll gefaßte Haüptthema die inhaltsschweren Worte schreibt: »Es muß sein!« Das soll heißen: Wir müssen tapfer den Kampf mit dem Leben aufnehmen, alles irdische Leid muß ertragen werden; niünand hat das Recht das Leben leichtfertig weg des Leids Anspruch den Tagoije dunkelste Und rjun r te seine neu des Mens findet, mi Freude be das. ist s Auf zwei der Freudts Idee der werden B diesen Ku£ pfeiler ist »Ihr stürz Schöpfer,- über Sternfe: ^uwerfen, denn nur durch Ueberwinden werden wir innerlich frei und haben auf das wahre Glück, ein Gedanke, in die Formel prägt, daß nur der 3fad zum Leben im Licht führt. verstehen wir, warum Beethoven Symphonie, in der die Tragödie (jhseins ihren ergreifendsten Ausdruck dem Schillerschen Hymnus an die schließt. Freudiges Bejahen des Lebens, Vermächtnis an die Menschheit. Grundpfeilern baut -er diesen Begriff auf. Der eine Grundpfeiler ist die Allmenschlichkeit. »Alle Menschen rüder, seid umschlungen, Millionen, der ganzen Welt.« Der andre GrUndder Glaube an einen Oott der Liebe. nieder, Millionen, ahnest Du den Welt, such ihn über’m Sternenzelt, n muß er wohnen.« Also, auf Erden ein Volk von einander brüderlich liebenden Menschen, im Himmel ein väterlich liebender, segnender Gott. Auf diesen Reitern füllt die Lebensfreude Beethovens. Nicht Freude am Tand, sondern Freude darüber, daß man aus eigener Kraft als schaffender Mensch Herr wird über das. S chicksal; daß man mit aller Not des Lebens siel auseinandersetzt, kämpft, und trotz aller Gemeinhei:, trotz allen Jammers, trotz Heuchelei, Rohheit, V Kunden und Schmerzen, sich seine eigne Well aufbaut, sich seiner Würde bewußt bleibt und in innerer Einheit mit aller Natur, mit allen große n Geistern, mit allem, was dje tiefste Seele liebt, jubelt und jauchzt. »Freude, schöner Gjötterfunk :n, Tochter aus Elysiurp; wir betreten feüertrunkeri Himmlische Dein Heiligtum.«: | Das ist im Sinne Tagores der Schritt aus der dunklen Kammer in das strömende Licht, in dem nun die befreite Seele sich selber schauen darf, sei wie Gottes Auge sie sieht. Eine Illustration zii Beethovens Maxime: »Wir Endliche mit dem unendlichen Geist sind nur zu Leiden lind Freuden geaoren und vielleicht erhalten die Ausgezeichnetsten durch Leid Freude.« Dieser Gedanke »durch Leid Freude«, ist er| nicht leizten Endes auch der Grundgedanke unserer Ordensgemeinschaft? Der Gedanke, wenn Leid uns trifft, wenn das Schicksal uns prüft, nicht zu verzagen, vielmehr erst recht der hchen sittlichen Forderungen unseres Ordens eingedenk zu bleiben, dann erst recht Bruderliebe, Wohltätigkeit und Freundschaft zu üben, in der sicheren Gewißheit, daß wir nur dadurch, daß - 36

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