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Der Orden Bne Briss · 1927-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 3 - März
Date
1927-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Ji; Was lehrt uns Beethovens Werk? Beethovens Ausnahmestellung in der Musikgeschichte ist letzten Endes auf die Tatsache zurückzuf(ihren, daß er es verstanden hat, die in den Menschen aller Zeiten schlummernden Ideen restlos so zu gestalten und gemeinverständlich äuszudrücken, wie es bisher kein anderer Tonkünstler vermocht hat. Die Grundlagen dieser Ideen basieren, wie Alfred Heuß zuerst dargelegt hat, auf den Lehren von Jean Jacques Rousseau, der ih leidenschaftlicher Absage an die zeitgenössische Kultur die Rückkehr zur Natur predigte. Diesen Dualismus zwischen Kultur und Natur, den Rousseau nicht zu überbrücken vermochte, hat nun Beethoven ih seinen Werken il, derungen und Verantwortungen wie ein Bekenner un^ Prophet mit seinen' Mitmenschen zu reden. Aus dem Bedürfnis, gemeinverständlich zu werden, nimmt sein ganzes musikalisches Gestalten eine gewollte Schlichtheit an. Der Ausdruck wird zur Gestalt. Als Paradigma dieser Schaffens-' periode nenne ich die Eroika. Injihr, lernen wir Beethovens Stellung zur humanen; Ku^tiir kennen. Bekanntlich war sie Napöteon gewidmet. In Napoleon wollte der RepublikanerjBeethoven die Einzelpersönlichkeit ehren, die fällig sein sollte, das tdurch die Revolution her^ufbeschworene 'Chaos durch -Synthese von Freiheit und Zucht in geordnete Bannen zu lenken.; Oie Partitur lag zur Absendung an Napoleon, bereif, da überbringt zu einer einheitlichen Synthese gezwungen. Nur ihm ein Freund die Nachricht, [daß Napoleon unter diesem Gesichtswinkel ist Beethovens sich zum Kaiser erklärt habe.' Wütend zerreißt künstlerische Entwicklung zu verstehen. Kein er das Widmungsblatt ''und Schleudert die Musiker vor oder nach ihm hat ejne Entwick- Partitur zur Erde mit den V^örtCti: Der lungj von annähernder Weite und Höhe erfahren, auch nichts als ein gewöhnlicher-’ Mensch! Um diesen Aufstieg als-ein lebendiges Ganzes^Nun wird er auch .alle Menschenrechte mit zu erkennen, ist es zweckmäßig, die gegensätz-’ Füßen treten, nur seinem Ehrgei;: höhnen, sich liehen Werte in ihm herauszuarbeiten. Diese Gegensätze sind Kraftzentren seiner Entwicklung. Als erstes derartiges großes Kraftzentrum bezeichne ich die Gesellschaft. Wie bei allen Musikern des 18.. Jahrhunderts wird die Kulturschicht, in der er aufwächst, zur Basis seiner künstlerischen Entwicklung. Die Beziehungen zur Umwelt werden zum Nährboden seiner Kunst. Die Werke dieser Frühperiode sind als andre fühlen ein Tyrann Napoleon die nur höher werden!« - . War auch in Gedanken an; Eroika entstanden, so ist die Wümung an ihn doch nicht reih persönlich aufmifasseu. Nicht $ dieser eine, sondern ganz sügehiein der Held, das Heldentum war Beethovens -Thema, nicht das Individuum Napoleon, sondern das Typische, Ewige, das in ihm sich darsteilte^ Heldenkraft in lediglich als technische Vorstudien seiner eigent- Kampf und Sieg, die (hröße de Heldentodes, liehen künstlerischen Mission zu bewerten. Das das Heldentum der Schöpfung; Heldengeist des nämliche gilt von den Werken, die unter dem Menschen, der Menschheit, denn * -Mensch seih zweiten Kraftzentrum, das man zweckmäßig mit. heißt Kämpfer sein, MensChehlosi ist Krieg. Das dem Wort »Das Elementare« bezeichnet, geschaffen wurden, es sind dies Tonschöpfungen in denen zum ersten Mal das Elementare hervorbricht, ein Stürmen und Drängen, das die FesSeln der Konvention zu zerbrechen droht. Erst mit den Werken, die unter dem dritter? Kraftzentrum »Der Mensch« geboren wurden, ist'Beethoven auf der Höhe seiner eigentlichen künstlerischen Laufbahn. -Erfüllt von dem Bewußtsein seiner Aufgabe, »hat sich Beethoven, ähnlich wie Kant, mit dämonischer Gründlichkeit durth zielbewußte technische Ausbildung in der Instrumentalmusik auf sein eigentliches Lebenswerk vorbereitet. Er steht am Ende seines dritten Lebensdezenniums, die Hand der Ertaubung hatte ihn lähmend berührt. ■ Er tritt nunist es, was die Symphonie im.ijförer lebendig werden lassen will. Genau w^lhier, ist es in allen anderen Werken dieser Scihaffensperiode, mag es sieb um Instrumentajwerke wie die Musik zu Egmont, die CQriolanouvertu^e, mag es sich um die Klavierwerke oder Um dit Kammermusik handeln. In all’ diesen Werken djkhtet Beethoven in Tönen seine Philosophie jdjfflr Kultur, seine ' Philosophie der Geschichte der Menschheit, eineXfc Philosophie, in der die Ideen { »einer Zeit, die Ideen eines Rousseau,,Kant; Klcjpstock, Goethe, Schiller und Hejrder ihren'Ausdruck finden. Mit Prometheuskraft werden diese Id sdn zum Kunstwerk gezwungen, charakterisiert i durch höchste Reife des Schaffens, restloses Eir swerden mächtigster Inspiration mit, strengster Beherrschtheit in der Gestaltung. Niemals in der Kunst ist je mehr, wie Oscar Bie sagt, aus der Musik heraus. Seine Kunst wird eine geistige; er benutzt die - wieder eine solche Kongruenz Musik, um als Mensch mit menschlichen For- Inhalt erreicht worden. von Form 1 und — 35

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