Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.läßt ihn kalt;- sein Nervensystem, auf starke Reizung jeder Art, auf Sensationelles, Interessantes eingestellt, hat keine Brücke zu diesen wenig greifbaren Idealen. Wohltätigkeit ist Verbundensein mit seinen Leistungen, mit seinem Vermögen, mit seinem Besitz; Bruderliebe, das ist immer nur ein.Wort, ein Wort, das in seinem Lexikon fehlt, da er nur Konkurrenten in seinem Kampf ums Dasein kennt, nicht Menschenbrüder; und Eintracht ist ein Begriff, der im Streben zum Sichbehaupten im Leben nicht als Ideal vorhanden ist, sondern durch Gesetze oder durch gesellschaftliche Ordnung stabilisiert wird. Ich will dadurch nicht die Größe unserer Ideale, nicht das Ewigbeständige der humanistischen Ideale in Frage stellen. Will nur sagen, wie wenig Beziehungen wir zu ihnen haben, wie weltfremd uns heute diese Ideale in ihrem inneren Gehalt sind; und will behaupten, daß diesen Idealen das Concretpackende und das Fordernde fehlt, daß es nicht möglich ist, sie stets an den Logenabenden als Erlebnis zu gestalten. Alle Bemühungen, die Logenabende inhalts- und wertvoller zu machen, die Brüder mehr zur Mitarbeit heranzubringen, sind müßig und können nicht zum Ziele führen, da die Diskrepanz zwischen unseren Idealen, die nicht zeiiios sind, und unseren scharfen Lebensumständen zu groß ist. — Wie kann der heutige Mensch zu solchen Idealen gefühlt werden? Lassen wir einmal den falschen Satz, .daß wir Ideale »haben* Wir »haben* nie Ideale; wir können danach streben, wir können uns-danach sehnen, wir müssen dann aber unser Inneres darauf einstellen und wir müssen uns wandeln. Wir müssen etwas Ueberpersönliches anerkennen und müssen uns fügen; diese Wandlung möchte ich einer Gemeinschaft wie der Loge als Leitstern zugemutet wissen. Unter Wandlung wäre zu verstehen, daß die einmal gegebene-Form und die Denkweise nichts Abgeschlossenes isf, daß das Glück der Menschen nie in den Dingen zu suchen ist, daß Lebensinhalt Personlichkeitsentwickiungist, daß es bei irgend welchen Fehlschlägen innerlich nie mangeln kann, wenn •>. das Dasein nicht auf die bloße Existenz, sondern auf das Werden gegründet ist. Denn: wir sind nicht, wir werden! Um es mit einem Zitat zu belegen, — es müßte dem Log'enbruderin Fleisch und Blut eingehen— »... wenn Du dies nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist Du nur ein trüberOast auf der dunklen Erde«. Stirb und werde! Ein aktuelles Beispiel aus unserer Zeit; Wir haben es erlebt, wüe zahlreiche Logenbrüder unter dem Druck wirtschaftlicher Nöte ihrem Leben ein Ernje setztenj Es war nicht nur-ein katastrophaler Zusammenbruch einzelner Brüder, sondern ein ebenso großps Zeichen der Leblosigkeit unserer Logen-Idealej Würde das oben genannte Ideal: Wandlung lebendig sein, so daß die Loge ihre Mitglieder, im tiefsten Sinne dieses Qoethe- Wortes erzffhen würde, es würde bedrängten Logenbrüder ein Weg eröffnet, sich ip der Wirrnis der feiten gleichgesinnten Brüdern anzuvertrauen, lüm Wege und Lösung schwebender Lebenskonflijde zu finden. Das Leben erhält ungeahnten Wert durch Unterordnung unter eine neue Erkenntnis religiöser, geistiger oder ideeller Art. Der Kulturmensch muß wieder: dazu kommen, sein Schicksal, seine Schuld, sein Glück zu leben. Wir müssen dem Leben einen Sinn gebend denn das ist der Sinn des Lebens! Das muß die Loge als ihre Weitere Aufgabe betrachten, wenn sie in unserer heutigen Zeit des Erwerbes, des Weiterkommens auf materiellem Gebiet, dem anscheinenden Ziel des Lebens nach Einfluß, Macht und Geld die Führung nehmen und behalten will.: Wenn wir sagen, wir müssen bestrebt sein, unser Wohl und jdas unserer Nebenmenschen zu fördern, so niuß es klar sein, daß es nicht um das Außen, sondern um das Innen geht ‘ Diese Forderung des Ueber-Sich-Selbst- Hinauswachsens ist für uns Juden nichts Neues. UnsereVorfahren haben es uns durch ihre beispielgebenden Taten bewiesen, wie gerade durch das Ueberwinden ihres eigenen Oeschickes ihre Sittlichkeit sich bis zu historischer Oröße vertieft hat. Und damit komme ich zu dem zweiten Symbol: Beispiel, das ich als Logenideal aufgestellt setjen möchte.. Es braucht nicht lange erklärt zu werden. Wenn Bruderliebe einen moralischen Anspruch in sich schließt, der in unserer heutigen Zeit in seiner Phraseologie unangebracht und unerfüllbar ist, so ist das Beispiel, das ein Bruder dem anderen geben kann und soll, ohne irgendwelche Moral, wirklichkeitsnah i^nd erfüllbar. Je weniger wir uns moralisch geben, desto mehr gewinnen wir an Wahrheit unserer Ideale. Nocheip Drittes müssen wir als Forderung der Loge auf^tellen und das ist das Resultat, das aus der Wandlung und dem Beispiel des Einzelmenschfen entspringt: Erkenntnis! Erkenntnis verhandelt nach Sprengler mit unbezwinglicher Not wendigkeitdssChaos der ursprünglichen, umgebenden E i n d r ü c k ein den Kosmos,