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Der Orden Bne Briss · 1927-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1927-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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s - er am 21. Feßruari 1677 starb? Oder wenn wir genauer seine! Jugjendgeschichte und den Kreis seiner Gefährten -studierten, würden wir dann wissen, wer Spinoza war? Goethe sagte'fvon sich, er sei ein präsumtuoset Mensch,, upd ein Mensch, der vorwegnimmt, antecipiert, was in der Zukunft Schoße verborgen liegt, isit jedes Genie. So nahm auch Spinoza eine.Entwicklung vorweg, die noch in. weite» Ferne lag. ' Er bedeutet eine Schicksalswende^ in der Geschichte des jüdischen Volkes. Er ist hier das, was Renaissance und Reformation für Italien und djas Abendland waren. In ihm bricht der Geist der Neuzeit in das bis dahin noch mittelalterliche Judentum ein; diesmal noch mit Machtmitteln aus ihm vertrieben, aber auf die Dauer dofh nicht von ihm fernzuhalten. In Spinoza wirdj zürn ersten Mal die Zweiseelenhaftigkeit des moidernen Juden offenbar, es ist eine Schicht in ihjn, die man nicht anders denn als protestantischen Geist bezeichnen kann (obwohl er j nierßals zum Christentum übergetreten ist).! Er ist zunächst auch seinem Wissen nach nur Jude, beherrscht Bibel, Talmud und die mitlelaltprlich-jüdische Religionsphilosophie, wird dafin aber von der modernen Bildung ergriffen ^nd weit über sein ursprüngliches Milieu hinäusgetragen. J5o‘ wird er ein notwendiges Glied in dem Geburtsprozeß des modernen Menschen und des neuzeitlichen Geistes, der Sch cksalsstellung nach Genosse von Luther und Giordano Bruno. Während aber Luther ankämpfenld gegen den Mißbrauch päpstlicher Gewalt un4 gegen die Mittlerstellung, in die sich Kirche und Priester'-zwischen den Gläubigen und die Schrift eingedrängt hatten, zu einer Spaltung der Kirche führt, während Giordano Bruno, der blühende Verehrer des Kosmos und der unendlichen Welten, anrennend gegen die scholastische Physik und die pfäffischev Dunkelmännerei, ein Jahrzehnt inden furchtbaren Klauen der Inquisition schmachten muß, um dann 1500 in Rom_ verbrannt zu werden, gerät Spinoza, in scharfsinniger Dialektik weitergehehd als Luthei, die Heiligkeit der Bibel und der aut ihr gegründeten Gebräuche aufhebend; und sie als historisches Menschenwerk erweisend, in Konflikt mit der jüdischen Gemeinschaft, wird durch den großen. Bann aus ihr ausgestoßen und später* von den weltlichen Behörden aus Amsterdam vertrieben. Stellen wir die hier nicht überflüssige Frage, ‘ was geschehen wäre; wenn Spinoza innerhalb des Judentums geblieben wäre. Hätte er wie Luther eine Zersplitterung herbeigeführt? Hätte er schon damals'eine liberale Richtung begründet? Wer weiß es. Er hatte jedenfalls das Zeug, ein Schleiermacher des Judentums zu Werden, er hätte eine viel größere Verinnerlichung herbeiführen können als dais spätere Reformjudentum, denn was er verlahgte, war eine Religion des Herzens und de^ Tat, die den Menschen auf sich selbst stellt und ihm seine Freiheit gibt. Zugleich freilich! hätte er zerstörend gewirkt. Denn er ist der i Urheber der Bibelkritik und der Negierer der Autorität und der Bräuche. Untersucht man j seine Stellung zum Judentum, so darf man zweierlei niemals vergessen, den Haß des Vaterd, der enttäuscht war, daß er nicht Kaufmann wurde, und den späteren, nbch grausameren seines Volkes und die Qualen, die ihm der Ausschluß ai s der Gemeinschaft trotz allem bereitet haben muß: So etwas muß in der Seele eines jeden Mjenschen lange nachzittern. Erst heute, wo wir wissen, wie Stark der Mensch im Zusammenhang mit seiner Umgebung lebt, wie sehr die Fäden, die ihn mit ihr verknüpfen, - einen Teil seiner selbst ausmachen, können wir ahnen, wie dieses Ereignis auf ihn gewirkt hat.’ Es müssen fürchterliche Kämpfe gewesen sein, von denen uns nichts berichtet wird, die aber zu demselben Resultat führten wie bei Carlyle, der alle Furcht uncTAngst von sich wirft in einem Augenblick inneren Erlebnisses: es durchrieselt ihn wie ein Feuerstrom und nun ist er mit göttlicher Kraft erfüllt, wie er sie nie gekannt hat. Für die innere Entwicklung des Denkers aber war jene Gewaltprozedur von fundamentaler Wichtigkeit. Es ist nichts so schwer, als die Eierschalen einer früheren Entwicklungsstufe abzustreifen, der man innerlich längst entwachsen ist. Spinoza nun wurde in diesem Kampf mit sich selbst, in dem Kampf zwischen Glauben und Wissen, welcher der der Geburt des modernen Menschen ist, einen mächi tigen Schritt weiter geworfen. Denn nun stand er auf einmal jenseits seiner. Sein Volk hatte ihn unter sich zu treten gesucht, gemäß jenem i allgemein-menschlichen Gesetze, daß ein jeder i das, was ihm geschieht, um seine Selbstachtung zu stärken, an einem anderen üben möchte. Er aber flog wie ein Komet hinaus in den freien Raum der europäischen Welt. Hineingeschleudert in eine furchtbare Einsamkeit, aus der aber erst die wahre Philosophie entspringt, wuchs er hinein in das Ailgemein»Menschliche. Sein Kampf gegen sich selbst wurde ein Kampf gegen die politische und religiöse Unduldsamkeit und

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