Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1927-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Knechtschaft. Das ist das hohe Ethos, das seinen politisch-theologischen Traktat durchzittert! Freiheit. Freiheit des Gedankens gegenüber |dem Staate, Freiheit des Olaubens gegenüber der Orthodoxie jeder Art, Freiheit der Pnilosophie gegenüber der Theologie. Ein Ethos, das fern ist von dem hohlen Pathos unserer Tage, sondern das herausbricht aus Lebenskonflikten und der in ihnen eingenommenen Haltung. Dann aber erhob er sich über die Zeilkämpfe und im Kampfe mit sich selbst^ wurden seine Gegner: das Streben nach Reichtum, Ehre und Sinnenlust. All dies erschien ihm als ein Streben nach Dingen, die uns unfrei. machen, die uns in Abhängigkeit von der Außenwelt bringen, die unsere Knechtschaft besiegeln. Er hat als reifer Mann nie nach Reichtum gestrebt, niemals nach Ehre, wollte nicht auf die Masse wiiken, sein Name sollte nicht auf dem Titelblatt seines Hauptwerkes erscheinen. Was er wollte, war nur Wahrheit und innere Freiheit. Das Große hierbei isi, daß er sich nicht nur diese Ziele seizte, sondern daß er lebte, was er lehrte. Der Mensch soll soviel wert sein, wie seine Gedanken, sagt Hebbel. Er war es. Und darauf beruht das Geheimnis seiner Wirkung. Ueberdies aber'wurde er einer der großen Metaphysiker des Abendlandes, prägte einen der möglichen Standpunkte mit großer Schärfe aus. Die neuzeitliche Lebensstellung unterscheidet sich von der mittelalterlichen dadurch, daß sie auf das Diesseits gerichtet ist und nicht auf das jjenseits wie das Mittelalter, daß sie dem einzelnen Menschen eine größere Freiheit gewährt und daß auch die exakte Wissenschaft diese Macht steigert. Im englisch-französischen Kulturkreis führte diese Einstellung zum Positivismus, der nichts anderes als die Wahrnehmung und das in ihr Qegebene anerkennt und alles darüber Hinausgehende, alle Metaphysik als unmöglich ablehnt. Dieser Positivismus, der' , mit Bacon beginnt, dann über d’Alembert und Turgot, zu Hume, Mill, Comte führt, ist ganz getragen vom Oeist der exakten Naturwissenschaft, die der Verbindung von Experiment und mathematischem Denken ihre großen Erfolge verdankt. In ihm inkarniert sich der eine Zweig der modernen Diesseitigkeit und zugleich der Aufklärung. In Spinoza schafft sich der Diesseitsstandpunkt und "die Aufklärung einen anderen Ausdruck. Die Kritik wendet sich nicht wie im Positivismus gegen die- Religion überhaupt, sondern nur gegen die Schrift;, die exakte Wissenschaft aber - erhält nur feinfluß auf die formale Entwicklung der; Gedanken. So geschieht es, daß er zwar gahz yerwuraelt ist im . Diesseits, daß er ein jenseits in|Tmittelalterlichen Sinne ablehnt. Aber, ihm, der ganz in den Sachen und nicht imi Scheine, lebt, kann das, was uns die Sinne al^ Phänomen geben, nicht genügen. Nicht die sichtbare Welt, so wie sie sich uns gitt, ist ihni* die eigentliche, sondern nur der sie tragende, Einheitliche, schöpferische . Grund. Er ei kennt die Gesetzmäßigkeit der Natur an, aber er sträubt sich dagegen, daß diese Natur entgöitert und zu eioEm sinnjlpsen' Spiel der Materie degradiert wird. Er Hält, fest an der Lehre aller, auch der jüdischen Mystik von der Göttlichkeit der Natur, ä$er wphlgemerkt, der schaffenden und nicht der, geschaffenen. Gott ist-die immanente Ijrsache der!!Welt, die allumfassende, aLumspannende, allgegenwärtige und alles aus,sich erzeugende'Schöhferkräft des Universums. Iirr Geistigen t/nd Körperlichen prägt er sich gleichermaßen'aus, , j Damit begründet sich die berühmte Identilätslehre, die dann die Grundlage auch des deutschen Idealismus tiachkantucher Piägunj^verden sollte. Vier Identii iten umschließt sie: die Einheit von Gott und Natur, von Geist turid Materie im Weltall, von Seele lund Körper irii Menschen, und die Einheit dei Ordnungszusammenhanges . von Vorste Jungen [und Dingelp, Wir können hier außer der ersten, von djer wir schon ge sprachen haben, nur auf die!'dritte kurz hinweisen. Heute nätnFch, wo die Medizin und Psychother ip:e uns >-die’ enge iVerschlungenheit von Leib and Seele gezeigt [haben, beginnen wir erst zu begreif Ai, was Spinozamit seiner Identiät der beiden Attribute meinte. Der Mensch zerfällt nicht, wie Platon und später , däs Christentum lehite, in einen Leib Mund eine unsterbliche Seele, sondern es ist ein und dasselbe, was uns einmal als Seele, das andere Mal ajls Leib erscheint.. Hier gibt es weder Wechselwirkung, noch Parallelismus, sondern/ wie man heute sagt: Leib-Seele-liinheit. i Nicht vom sachlichen Inhalt seiner Lehre, nicht von seinem System, haben wir hier zu reden, obwohl, w^ wir ebeÖ sahen, manche seiner Oedanken heilte wieder aktuell werden. st uns Spinoza heutje? Ist die heutige nicht Unendlich j weit von ihm Was er* verabscheute, Reichtum, Was also Generation entfernt? Ehre, Sin^enlust, Triebfeder also heutfe ist das nicht mehr als je alles ■ Handelns f Wenn wir wieder in - ein .! lebendiges Ver- — 23