Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1927-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»Der junge Jurist«, erzählt Professor^ Veit Valentin weiter, »kann im Vormärz nictyt Privatdozent, picht Rechtsanwalt werden; so kämpft er als Publizist für die Emanzipation, d. h. die Eindeutschung seiner Glaubensgenossen — und darf es spät erleben, selbst in der Vaterstadt Hamburg der erste deutsche Richter jüdischen Olaubens zu werden. Kein literarischer Vagant, kein Schöpfer aus Oenieland — vielmehr eih zuverlässiger, gerechter, getreuer Verwalter einer Begabung, in der sich, selten genug, Verstandesschärfe durch Gemütswärme gesättigt und geläutert hat: so macht der Rabbinerenkel einen Lebensweg, der ihn den ersten Zeitgenossen zugesellt. . . Ein Stück Nathan, eiA Stück Posa steckt in dem Streiter, der so weise wie edel war, und durch seine harmonische Menschlichkeit bis I heute gerade auch - den Nichtjuden gewinnt. Diese reineren tjestalten unserer ersten Revolutionszeit haben ihn wie keinen verehrt und geliebt; erst heute weiß man aber auch, wieviel die erste deutsche Reichs Verfassung dem helläugigen Vorkämpfer des allgeneinen Wahlrechtes an tatsächlichen formalen u^id materiellen Verbesserungen verdankt, so daß,nun wirklich die Linie sichtbar leuchtet, die von : Gabriel Riesser zu Hugo Preuss jührt.« I t- Der Orden und die Jugend. Von Br. Dr. Fritz Ooldschmidt (Spitjoza-Loge)i Zwei Berliner Logen veranstalteten kürzlich eine gemeinsame offene Sitzung, in der man' sich über das Thejna »Wir und die Jugend«' aussprach. An der Aussprache nahmen jugendliche teil. Aus den Worten des Sohnes eines Logenbruders ging hervor, daß er vom Wesen und den Zielen des Ordens keine Ahnung hatte. Unter anderen stellte er die nicht mehr neue Behauptung auf, daß zwischen Eltern und Kindern, zwischen der Generation der Logen- Brüder und der Jugend, eine unüberbrückbare Kluft gähne. Auf der anderen Seite beklagt ein Bruder den »Radikalismus« der Jugend. Er schien daran zu zweifeln, daß es gelingen könne, die Jugend für die Ideale einer neutralen Org^&is^tion, wie es der Orden sei, zu begeistern. 'Nun ist es unbestreitbar wahr, daß die Jugend von den sogen, radikalen Parteien .oft leicht zu gewinnen ist. Diese Erfahrung können wir im großen deutschen wie im engeren jüdischen Parteileben machen. Als Grund dieser Erscheinung wird meist angegeben, .daß die Jugend allen Kompromissen abhold sei und daß sie sich darum gern den Parteien zuwende, in, deren Programm ein Gedanke — um die Wirklichkeit unbekümmert — bis in seine letzten Konsequenzen verfolgt werde. Sicherlich hat diese Begründung sehr viel für sich. Aber wird die Jugend von den extremen Parteien nicht auch deswegen so stark angezogen, weil sie bei ihnen eine Begeisterungsfähigkeit, eine Hingabe und Opferfreudigkeil sieht, die sich bei allen »Parteien der Mitte«] bei den mehr oder weniger Gesättigten^ seltener findet? In Wirklichkeit besteht ja zwischen der Jugend und der älteren Generation gar keine »unüberbrückbare Kluft« etwa in dem Sinne, daß die jjugend »neuen Anschauungen huldigt« die die »Alten« ablehnen. Es ist vielleicht im Gegenteil]-zu bedauern — wenn auch nicht verwunderlich —, daß die moderne Jugendbewegung 60 wenig Eigenartiges und Neues geschaffen! hat, daß die Jugendorganisationen meist nu^ ein Abklatsch der Organisationen der Erwachsenen sind. Gerade die Jugendlichen, die sich am radikalsten gebärden, sprechen vielfach kritiklos das nach, was sie in den Versammlungen der »Alten« gehört haben, und sind damit viel »reaktionärer«, als sie selbst ahnen. Selbst die Anschauung, daß zwischen. Eltern und Kindern ein naturgegebener Gegensatz bestehe, und die Theorie des »Oedipuskomplexes«, “Stammen aus der ilten Generation Soll nun der Orden gleich so mancher Partei der Mitte zwar die Richtigkeit des zum Gemeinplatz gewordenen Satzes »Wer die Jugend hat, hat die Zukunft!« anerkennen, aber resigniert die Hände in den Schoß legen? Damit würden wir zeigen, daß wir kein Vertrauen zu uns selbst, zu unseren Ideen und Idealen, zu unserer Begeisterung und unserer Begeisterungsfähigkeit haben. Und dabei ist doch gerade .für den (jüngeren Logenbruder, der dem Orden — 6 —