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Der Orden Bne Briss · 1926-12-01 · Nr. 12 - Dezember (12.1926) · p. Seite 204

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 12 - Dezember (12.1926)
Date
1926-12-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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Schlage anders, wenn der Bruder, der beispielsweise im Osten ein Bankgeschäft betreibt, weiß, daß ein angesehener, kluger Bankier Westdeutschlands ihm ohne weiteres mit brüderlichem Rat zur Verfügung stünde, daß die Bereitwilligkeit dieses Beraters zu einem Opfer an Zeit der Großloge ausdrücklich erklärt worden ist? Aber vergessen wir auch die kleinen Zeitopfer nicht. In einer Logen Sitzung oder Komiteesitzung können Bausteine gelegt werden, die wichtiger sind, als manche berufliche Arbeit. Ohne das Zeitopfer bleibt nicht nur der Baustein des Fehlenden unvermauert, auch die Steine der anderen bekommen keinen Halt. Viel Aufwand wird unnütz vertan. Zeit muß auch da sein für unsere jüdischen Institutionen jeder Art. Waisenhäuser und Schulen, Erholungsheime und Lehranstalten, kurz, jede Art kultureller und sozialer Leistung kann mindestens in gleichem Maße wi» durch Geld gefördert werden durch persönliche Arbeit. An viel zu vielen Stellen bleibt diese Arbeit an einzelnen, ganz wenigen besonders opferwilligen Männern hängen,die womöglch dafür noch Undank und Spott ernten. Häufig nehmen solche Männer ihr Werk mit ins-Grab, weil ihnen zu Lebzeiten niemand an der Last tragen hilft, und niemand sich in das Arbeitsgebiet vertieft. Es liegt dies zum größten Teil daran, daß es an einer planmäßigen Heranziehung von Nachwuchs für derartige Aufgaben fehlt. In den Wirtschaftsorganisationen und in großen Einzelbetrieben spielt diese Frage der Heranbildung des Nachwuchses eine ganz wesentliche Rolle, und es hat zu allen Zeiten ein gutes Stück Wirtschaftsgesinnung ausgemacht, ob und in welcher Weise der Nachwuchs zu den künftigen Aufgaben, die seiner harren, herangezogen worden ist. In unserem Falle liegt es nicht nur so, daß die vorhandenen Kräfte sich aus den von mir gekennzeichneten Gründen ungern zur Verfügung stellen. Eine nicht'zu rechtfertigende Gesinnung des persönlichen Ehrgeizes verhindert häufig die Mitarbeit gleich befähigter, gleichaltriger, gteichangesehener Männer. Moderne Wirtschaftsgesinnung verlangt Einordnung und Ineinandergreifen. Ueber- und untergeordnete Organe sind nötife, und wenn die Sache gut ist, sollte es sehr gleichgültig sein, ob man mit oder ohne Amt, ob: man als Vorsitzender oder als Bei sitzer arbeitet. Die Ideale unseres Ordens bedeuten einer bewußten und vollen Gegensatz zu einer ma teriellen Lebensauffassung. Das Ordenslabe i kann also mir gedeihen, wenn die Wirtschafte gesinnung der Brüder den Ordensideaien entspricht, wenn schon bei der Berufswahl und bei der Erziehung der Kinder eine Wirtschaftsgesinnung zur Geltung kommt, die nicht im Geldverdienen, sondern in der Heranbildung von vielseitig gebildeten, abgerundeten Persön lichkeiten vornehmen Charakters die Hauptaufgabe erblickt. Und. in der gleichen Richtung liegt es, wenn ich nochmals betone, daß die Arbeit in der Loge und für Aufgaben des Ordens und der Allgemeinheit unbedingt ihren vollberechtigten Platz neben der Berufsarbeit haben muß. Anders kann der Orden nicht gedeihen, kann aber auch der einzelne Bruder nicht in dem’ Sinne gedeihen, daß neben seiner Wirtschaft auch seine Gesinnung sich zu immer höheren Zielen entwickle. In seinem Buch » Von kommenden Dingen« hat sich einst Walther Rathenau mit der Wirtschaftsgesinnung unseres Zeitalters auseinandergesetzt. Er kämpft gegen die materielle und materialistische Weltanschauung, gegen die Ueberschätzung der Mechanisierung. Er schließt das Buch; »Wehe demGeschlecht und seiner Zukunft, wenn es den Ruf seines Gewissens betäubt und beharrt in materieller Stumpfheit, in der Freude am Flitter, in den Banden der Eigensorge und des Hasses. Wir sind nichtda um des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, auch nicht um des Glückes willen, sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen aus menschlichem Oeiste.« Besser als in meinen Ausführungen ist in diesen herrlichen Worten das ausgedrückt, -r was ich trockner und an einigen Einzelpunkten zeigen wollte. 1 ♦ 20t

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