Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 12 - Dezember (12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Lage befinden, die von der der Jahre 1918—1925 in der vorteilhaftesten Weise absticht, daß wir ein großes Stfick Weg durch i Wildnisse und über Abgründe hinweg zurückgelegt haben, und daß wir uns jetzt auf einem Wege befinden, der immerhin übersehbar ist, und dessen Hindernisse den zielbewußten und seiner Kraft vertrauenden Wanderer nicht mehr schrecken können. Da scheint es mir an der ieit, den Ruf zu erheben nach vermehrter materieller Leistung der Brüder auf allen Gebieten der Ordenstätigkeit. Es gilt, Nachschau zu halten im Hause, wo Ausbesserungen und Anbauten nötig sind. Es gilt auch für jeden einzelnen, erneut die Grundlagen seiner Existenz zu prüfen. Und ich hin überzeugt, daß diese Prüfung aufräumen wird mit viel Pessimismus und eine neue Periode größter Opferwilligkeit für die Allgemeinheit einleiten wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Angst vor neuen Erschütterungen der bürgerlichen Existenz, vor künftige/! Krisen sich bei allen, die mehr oder minder gut die schweren Jahre überstanden haben, sich in viel stärkerem Maße dahin ausgewirkt hat, daß die Ausgaben für. allgemeine Zwecke gekürzt oder gestrichen wurden, als dahin, in diesen schweren Zeiten persönliche Einschränkungen und Opfer auf sich zu nehmen, um mehr oder mindestens das Gleiche für die Loge und andere Aufgaben der Allgemeinheit leisten zu können. Es gilt, solche Anschauung zu bannen und dafür eine erneute Opferwilligkeit einzusetzen. Unser Orden muß den Gedanken verbreiten, daß nicht das Haus für die Zukunft am festesten steht, dessen materielle Quadern die mächtigsten sind, sondern, daß es der Geist ist, der die Häuser baut. Daß die Erhaltung und Pflege kultureller Einrichtungen des deutschen Judentums, die Pflege aller Ideale unseres Ordens die stärkste Bürgschaft ist für die Zukunft. Oder anders ausgedrückt: Es wäre verfehlt und ein Zeichen unveränderter erneuerungsbedürftiger Gesinnung, wenn jeder einzelne nach Ueberwindung der schwersten wirtschaftlichen Nöte nur daran denken würde, die alte Vermögensziffer, den früheren Lebensstil unverändert wieder zu erreichen. Dringender und wichtiger ist es, die Fonds der 'sozialen und kulturellen Institutionen, die Fonds der Logen wieder zu füllen, auf daß sich Mäterie in Ströme von Geist umsetze, und zunächst die Zukunft, in diesem Sinne gesichert sei. ’ * *. Wäre es nicht richtig, das Wort: »Zeit ist Geld«, ein Motto unseres Zeitalters, fn Anwendung und Gesinnung verschwinden zu lassen? Das Wort hat einen jwirts.chaftlich. richtigen Kern, seine Anwendung als Ausfluß der Wirtschaftsgesinnung der letzten'Jahrzehnte 'hat dazu geführt, daß die Zurverfügungstellung., von Zeit für die Allgemeinheit geradezu als wirtschaftlicher Leichtsinn und Unsinn angesehen wurde. Unsere Logensitzungen, vielleicht, noch mehr die Tätigkeit unserer Komitees und die individuelle Leistung auf Sozialen? Gebiet sind von dem »Zeit /st Oeld* erwürgt-worden.' Nicht weniger haben .Selbsterziehung und Bildung darunter gelitten. Wo sind die Männer vielseitiger Bildung, reifen Wissens, abgeklärter Weltanschauung, die früher Führer und Mittelpunkt unserer Logen waren? Sie sind ersetzt durch abgehetzte, ständig die Uhr ziehende,, ängstlich mit ihren Stunden wuchernde nervöse Menschen unserer Tage. Unsere Logen jeiden darunter mehr, als es uns bewußt ist.. »Zeit ist Bildung«, »Zeit ist Brüderlichkeit«, »Zeit ist Hilfeleistung«. Wäre das nicht alles mehr im' Sinne des Ordensgedankens? Opfer an Zeit müssen gebracht werden in ganz anderem Maße, als es heute geschieht, um Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht wieder so zu üben; wie es - Pflicht jedes Ben Briss ist. Zeit, geopfert vom Bruder dem Bruder, ist auch das Mittel, mit dem wirtschaftliche Note besser behoben werden könnten, als durch Hilfskassen und Unterstützungsaktioher?. Mir schwebt vor, daß unter der Führung derGroßloge sich Brüder aus allenTeilen Deutschlands, aus allen Betpfsschichten finden sollten, die sich bereit erklären, Zeitopfer zu bringet^ in dem Sinne, daß sie sich anderen'Brüdern zur Beratung in Wirtschaftsfragen zur Verfügung stellen. Die letzten Jahre haben zur Genüge - gezeigt, daß viele Schwierigkeiten vermieden worden wären, wenn frühzeitig kluger Rat weitsichtiger Männer eingeholt worden wäre. In der Regel scheitert der Wunsch nach brüderlichem Rat daran, daß der sachverständige Bruder ein Konkurrent ist, oder daß die begreifliche Scheu, dem Nachbar Einblick in die eigenen Verhältnisse zu gewähren, ein unüberwindliches* Hemmnis darstellt. Wäre es nicht mit einem r -i ' . I •' . 203