Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 11 - November (11.1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 197 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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die dem Leser zuwegun, und darum w< sie es besser Wahrheit, die und in vielem eine größere Treue zum' Original ein, mutet, sich dem Texte entgegeiizube der hebräischen Sprache Raum läßt macht, als unser Deutsch tun kann«. Aber es ist nicht unsere, die jüdische Luther erschließt. Ihn beherrscht sein rejformatorisches Strebeil, das Evangelium auch auf aas wort des Alten Bundes gründen zu können. Ufcberäll findet sein geschärftes Auge «Christus geweissagj«, siin Heilswerk bis ins einzelne vorausgesagt, in unnachahmlicher, vieldeutiger Prägung. Wo allerdings sc| hone Betrachtung nicht in Frage kommt, jläßt er in seiner Uebersetzung «die hebräischen Worte fahren und sprichj frei den Sinn heraus aufs beste Deutsch, so er kanq«. po feiern denn Hehräisch und Deutsch jene heiligt Vermählung, die Luthers Werk so einmalig, so epochal tnachL Rosenzweig erinnert daran, daß derartige Ereignisse nicht anders als einmalig sein können, wie etwa Vossens Homer, oder Schlqgel-Tiecks Shakespeare. Und fer pflichtet Luther .bei, wenn dieser in Hieronymus, dem Schöpfer der Vulgata, seinen unmittelbaren Vorgänger sein Vorbild sieht. ‘ Betrüblicherweise hat Luther in unserer Zeit auch eine Nachfolge erhalten, besonders im Katttz sch’schen Bibelwerk, das philologisch den ganzen Apparat der bibelkritischen Wissenschaft von 100 Jahren zusarpmenfaßt und ihren Forschungen und Ergebnissen peinlicast gerecht wird, dafür aber als Uebersetzung ein Rückschrittl ja ein Fehlschlag ist. Der Stab ihrer gelehrten Mitarbeiter schwankt zwischen Glauben und Unglauben, kann di her |die Bibel nicht sagen lassen, was sie sagen will. Zu deutlich ist das Bestreben, den Heiligenschein der alten Bibel gründlich zu zerstören und den leisesten Verdacht eines günstiggläubigen Vorurteils zu verscheuchen. t>er Gerechtigkeit halber hätte erwähnt werden sollen, djiß große Partien anderer Uebertragungen (so GunUel und mehrere im Göttinger Bibelwerk) doch bereits einen anderen Geist atmen. Buber und Rosenzweig gehen von einer neualten, jüdischen Gläubigkeit aus, für die sie im heutigen Judentum Widerhall zu finden hoffen. Sie sind bereit, wie das schöne Bild Rosenzweigs besagt, je nachdem der Scheinwerfer für eine Weile diese ^derjjehe Bibelstelle in Licht taucht, sich diesem Lichte ringsum Dunkel herrschen. Das Zwang nicht, Lehre und Trost aus Worte zu entnehmen, ihm können die verborgenen Quellen der Lehre und des Trostes aus jedjem Wort dieses Buches einmal aufbrechen; darum wollen unsere Uebersetzer sich in neuer Ehrfurcht vor dem Worte beugen. Für sie besteht die Notwendigkeit, «soweit'irgend ihre Spracüe es ermöglicht, den eigentümlict en Wendungen jener offenbarungsträchtigen Menschenr sde, sei’s nachbildend, sei’s anbetend, zu folgen«. Als Hilfsmittel verlangt Rosenzweig eine Art geologischer Betiachtung aller Sprachen der Erde, bis herab zur erahnten Einheit alles menschlichen Sprechens, bis zur Schicht des Wurzelsinnes. Aufschlußreiche Beispiele (dem 2. B, Mose entnommen) beleuchten diese Methode, rechtfertigen z. B. das »Zelt der {Gegenwart (Luther »Stiftszelt«) über dem Schrein der Vergegenwärtigung« (statt Zeugnisses). Wichtig sind ihm hin er:jene o zugeben, mag auch Judentum kennt den diesem oder jenem auch die sogen. Atemkolen, für den freien Vortrag Unerläßliche. Rhythmen, die Poesie von Prosa, flammende Rede von Rechtssatzung, kurz alle Redegattungen der Bibel charaktermäßig scheiden. An tiefschürfenden Vor- ■ arbeiten jüdischer Autoren,, die übeF den hebräischen Text ein völlig neues, Licht verbreiten, nennt Rosenzweig, nur eine; Der Pentateuch von Dr. Benno Jacob, deft er unter den Lebenden, Juden wie Christen, wohl den besten Kenner der hebräischen Bibel nennt (Seite 37, Anmerkung) — ein Urteil, das uns nicht zu hoch dünkt. Der Ver^ deutschung von Buber und Rosenzweig,'’ deren weittragende Bedeutung hier nicht in Rede 'steht, dürfen wir jedenfalls angesichts so hoher Zielsetzung, wie sie der Essay »Die Schrift und Luther« offenbart, denbesten Fortgäng wünschen. ’ Essen, im Nov. 26. Expräs. Dr. Jj S a m u e f. * * Dr. Willy ,Cohn - Breslau: Die. Gestalt des Juden in jüngsten literarischen Er Stil ei-- ■ n u n g e n. « * Wer aufmerksam die deutsche Literatur der’letzten^ Jahre verfolgt hat, wird immer wieder feststellen, können,« in welch erheblichem Umfange jüdische Fragen, sei es im Hanptthema, sei es nebenbei, von emst zu nehmenden Schriftstellern behandelt werden. Man kann beinahe sogar zu der Behauptung gelangen, daß heute überhaupt kaum ein Roman erscheint, der nicht irgendwo die brennende' Judenfrage andeutet, ich hatte schon des öfteren Gelegenheit, in Vorträgen über moderne Bücher die Dinge zu streifen und möchte heut auf einige allärpingste Erscheinungen Hinweisen. Da ist zunächst der Roman von Arnold - U l-i tz «Christine Munk«, erschienen im Verlag Albert L’ a n g e’n, München, vielen vielleicht schon aus seinem förtsetzuhgs-" weisen Erscheinen im Berliner Tageblatt bekannt. Doch erst aus der zusammenhängenden Lektüre gewinnt man ein Bild von der Bedeutung des Werkes, das wie kaum eirl anderes Buch die Schwingungen und Erregungen der letzten Jabre, wiederzugeben weiß. Der .Roman spielt .in Breslau und läßt noch einmal die Tage des Kapp-Putsches vor unseren Augen aufsteigeii. Da heißt es an einer Stelle: * »Der junge Redakteur der radikalen Arbeiterzeitung lag ermordet in der zertrümmerten Redaktion. EF war ( noch was Schlimmeres als nur Republikaner, er war auch noch Jude.« An einer anderen Stelle dieses Buches spricht einmal Ulitz von dem jüdischen Intellekt, der oftmals in so scharfem Oegensatz steht zur-deutschen Gemütlichkeit, wie er sich ausdrückt. Ulitz, der ja durch sein ganzes bisheriges Schaffen als durchaus judenfreundlich bekannt ist, will eben nur zeigen, wo,.die Grenzen' laufen. Wir, die wir an einem gegenseitigen Verstehen besonders interessiert sind, müssen auch ein solches Urteil nachdenklich ^nnehmen. Wie der Verfasser es'verstanden hat, unsere Zeit auf das Papier zu bannen, pben hoch . Erlebtes zu gestalten, verdient die allergrößte Bewunderung. ln .seinem Novellen-Band »Verwirrung der Gefühle« greift Stefan Zweig in der Erzählung »Unte'rgang eines —■$ Herzeiis«, erschienen im Insel-Verlag, Leipzig, ein andaesjüdisches Problem heraus. In der Arbeit von 50 Jahren hat Salomonsohn sich bis zum Geh. Kommerzienrat empqr- I 197 —