Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 11 - November (11.1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 196 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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i Verfolgungen und Austreibungen fortgeschleppt, verstreut und zu Häuserbauten- und Festungswerken verwendet, nunmehr nach dem neugeschaffenen Denkmalsfriedhof übergeführt worden und Wiederaufstellung gefunden haben, so.daß der alte *Judensand« jetzt seine alten Leichensteine . . besitzt. f Im Ganzen sind es nach einem vom Verfasser beigegebenen Verzeichnis ISS Steine, bezw. Steinfragmente, die aus den Jahren 1000 bis etwa 14-25 stammen und die jetzt auf 12 Felder verteilt sind. ■ ' Die photographische Wiedergabe der achtzehn Grabsteine, die 12 Namen von Männern und 6 solche von Frauen verewigen, ermöglicht dem Leser die Nachprüfung » der vom Verfasser vorgesehlagenen Lesungen und bereichert zugleich unser Wissen auf paläographischem Gebiete. Auf den älteren Steinen sind nämlich noch die damals -üblichen Zwischenzeillinien sichtbar, die auf den Steinen jüngeren Datums fehlen Auch die Schriftzeichen feigen eine Entwicklung: die ritzende steile Schrift wird . in den späteren Jahrhunderten von der breiteren volleren . v .„Schrift verdrängt. r- . . Der Stein des RabenuGerschom bar Jehuda ^60— 1040i, dem die Mit- und Nachwelt den Ehrennamen Leuchte des Exils beigelegt hat, sowie die seiner Zeitgenossen ■ erinnern uns an das alte . berühmte M a g e n z a , wie Mainz bei unseren Vorfahren geheißen, in welchem Thora, Wohltun, Größe und Vornehmheit, Weisheit undT)emüt« vereinigt waren, und das gemeinsam mit den Gemeinden Speyer und Worms eire führende Rolle in der Judenheit innehatte. Auf die Anordnungen dieser drei Gemeinden .-*■ (Takkanot Schum) wird noch in unseren Tagen Bezug genommen, so beispielsweise bei den noch jetzt in den ostjüdischen Zentren üblichen Verlobungsurkunden (T’naim rischonim). Die kleine Schriftreiht sich den Arbeiten der bekannten Forscher auf diesem Gebiete (Simon Hock Marcus Horovitz, Lehmann, Lewysohn, Salfeld, Wachstem usw.) würdig an. — Die strenge Gewissenhaftigkeit,; die peinliche Vorsicht und'die wissenschaftliche Akribie, mit der der Autot an sein Werk heränging, werden vom . r Leser..wobliuend. empfunden. . ■.* Wir sind ihm daher für diese kleine Gabe dankbar und sehen der Veröffentlichung der umfassenden Arbeit, die zur- Zpit in Vorbereitung ist, ‘mit großem Interesse entgegen. Hoffentlich wird auch sie zur Erforschung der , jüdischen Geschichte auf deutschem Boden Wertvolles beitragen. . v jE. Finkei. , * * Micha Josef bin Gorion: Messias-Legenden, Preis Mk.,2,80. Morgenland-Verlag, Berlin-Friedenau, Laubacherstr. 16. Aus dem Nachlaß des bekannten Verfassers von »Der Born Judas und Die Sagen der Juden sind vor kurzem zehn Legenden erschienen, die den religiösen Messias behandeln. Auch diese Schrift besitzt die Vorzüge der früheren Veröffentlichungen des gelehrten Autors. Ein Nachwort der (Jebersetzerin Rahel Ramberg — bin Gorion, sowie Quellen und Anmerkungen erhöhen den Wert dieses interessanten Büchleins. E. F. Die Sagen der Juden. Mose. Qesammelt von Micha Josef bin Gorion, übersetzt und herausgegeben von Rahel und Emanuel bin Gorion. Verlag von Rütten & Loening, Frankfurt a. M. *1926. 418 S. In das Land der jüdischen Seele führt uns die neue Sammlung alter Sagen und Legenden, mit der die Herausgeber dieses Buches das vor Jahren begonnene Werk M. J bin Gorions fortsetzen. Man darf es wohl behaupten, daß derjenige die jüdische Seele nicht versteht, [der du jüdische Sagenwelt mit ihrem märchenhaften phantastischen Zauber nicht kennt. So hat es denn auch in neuerer Zi nicht an Stimmen gefehlt, die dem jüdischen Volksgeiste eine empfindungs- und gefühlhafte Beziehung zur Weit, alle aus der Tiefe der Seele quellende Schwärmerei, Phantastik und Mystik äbsprechen. ‘ Dabei bleibt jedoch die große und weite jüdische Sagenwelt, in der auf fast jeder Seite das Gegenteil jener Behauptung offenkundig zu Tage tritt, völlig unbeachtet Freilich ist diese Welt uns Modernen ein. verwunschenes Märchenschloß geworden, verwittert und verweht, nachdem sile d<n früheren Geschlechtern Jahrhunderte lang ein wohlbekanntes und vielbetretenes Land, ja fast möchte man sagen, Alltagsland gewesen war. Hier in diesem Werke wird die alte Zauberwelt wieder lebendig und der Neuzeit erschlossen, ln schöner bildhafter und kraftvoller Sprache werden die alten Sagen und Mythen den Quellen wortgetreu nacherzählt Wie in einem Heldenepos zieht die Gestalt des großen Heros, von unzähligen Nebengestalten begleitet, an uns vorbei, in vielen Einzelzügen geradezu homerisch anmutend. So erzählt das erste Buch dieses Bandes das Leben Mosis nach einer einheitlichen Chronik des Sefer Hajaschar. Die drei folgenden Bücher schildern einzelne .Epochen seines Lebens n^ch verschiedenen midraschischen Quellen, die zu einem Ganzen zusammengefügt sind. Quellennachweise und mannigfache Register sind dem schönen und sehr interessanten Buche beigegeben, ( das neben schöngeistigen auch wissenschaftlichen Zwecken zu dienen berufen ist. Die äußere Ausstattung des Buches entspricht allen Anforderungen des Bücherfreundes. Expräs. Dr. Holzer, Worms. * . .. *'!' Franz Rosenzweig: Diie Schrift und Luther. Berlin 1926, Lambert Schneider. Angesichts des nicht geringen Wagnisses einer neuen Verdeutschung der Schrift durch Martin Buber und Franz Rosenzweig werden wir dem Zweitgenannten dankbar sein, wenn er jetzt, gleichzeitig mit der Uebertragung des 2. Buches Mose, Obige Abhandlung ausgehen läßt, und uns unter steter Bezugnahme auf Luthers Bibelübersetzung mit dem Leitgedanken des eigenen JUntemehmens bekannt macht. Sprachphildsophische Bemerkungen bilden den Auftakt; Friedrich Schleiermachers Unterscheidung von 2 Arten Uebersetzungen, solchen, die den Schriftsteller und solchen, die den Leser in Ruhe lassen, wird für die Frage nach dem rechten Mischungsverhältnis verwertet; sodann Luther mit den besten ErläuterungsWorten angeführt, die er selbst seinem mächtigen, bis heute unübertroffenen Werke (besonders in der Einleitung zum »Psalter«) gegeben. Luther will zuweilen die Worte steif behandeln, zuweilen nur ihren Sinn geben; er tritt für 196