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Der Orden Bne Briss · 1926-11-01 · Nr. 11 - November (11.1926) · p. Seite 189

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 11 - November (11.1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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marer Fragment »Die Geheimnisse« (dessen Meister den bezeichnenden, Na nen »Humanus« ragt), bis zu den Allegorien im zweiten Teil!es »Faust«: immer hat es Goethe geliebt, den Geheimnissen, in denen wir alle wandeln«, in adäquater Form zu begegnen Beim jungen Goethe isk es noch die genialisch-kraftvolle Lust am Trug«, beim älteren C oethe läutert sie ich zu der ruhigen Verehrung des Urierforschthen, die den Weisen kennzeichnet Und Goethe erkennt, daß nicht nur der Weise sich von ahnungsvollen,. dunkeln Zusammenhängen umgeben fühlt, sondern daß auch der kluge, praktische Menschenverstand ein f[inhüllen des Bekannten fordert: »Wenn man dem Menschen gleich und immer sagt, worai f alles ankomntt, so denkt er, es sei nichts daiiinter. Gewissen Geheimnissen, und wenn sie offenbar wären, muß man durch Verhüllen und Schweigen Achtung erweisen, denn dieses wir <t auf Scham und gute Sitten.« Es ist nur eine selbstverständliche -orlsequenz dieser Gedanken, wenn die Loge v erschwiegenheit von den Brüdern forurt. Goethe hat in einem Lcgengedicht »Verwiegenheit« Schweigen urd Vertrauen als Endlagen des Lobenlebens gefeiert: Wenn die Liepste zum Erwidern Blick auf Liebtsblicke beut Singt ein Dichter gern ini Liedern, Wie ein solches Glück erfreut. Aber Schweigen bringet i'ülle Reicheren Vertrau’ns Jfcpriick: Leise, leise! Stille, stülp! Das ist erst das wahre Glück. Heil uns! Wir verbund’ue Brüder Wissen doch, was keiner weiß; Ja, sogar bekannte Lieder Hülleri sich in unsem Ktjeis. Niemand soll und wird ejs schauen, Was einander wir vertraut: Denn auf Schweigen und Vertrauen Ist der Tempel aufgebautj . , . Eine deutliche Beziehung £u den geheimnis- 1 llen Formen des Logenlebens ist die geheime Gesellschaft der Turms in dert4»Lehrjahren«, die Is verborgen, teils offen auf Wilhelm Meisters rziehung einwirkt, ebenso die symbolreiche inrichtung der »pädagogischen Provinz« in den Wanderjahren«. Daß die Logen unter diesen Formen nicht nur das Gemeinschaftsleben pflegen, sondern auch* den Gedanken der G1 e i c h h e i t aller Menschen betonen, hat Goethe in einer Trauerloge vom- 15. Juni 1821 in geradezu modern ■ anmutenden Worten ausgesprochen: »Unser Bund hat yiel Eigenes, wovon gegenwärtig nur das eine herausgehoben werden mag, daß, sobald wir uns -versammeln, die entschiedenste Art von Gleichheit entsteht; denn nicht nur alle Vorzüge.vpn’Rang, Stand und Alter, Vermögen, Talenten>.treten zurück und verlieren sich in der Einheit, sondern auch die Individualität muß zurücktreten^ Jeder sieht sich an der. ihm angewiesenen- Stelle gehalten. Dienender Brüder, Lehrling; Geselle, Meister, Beamte, alles fügt sich dem'zugeteilten Platz und erwartet mit Aufopferung die Winke des Meisters vom Stuhl: man hört keinen Titel, die notwendigen Unterscheidungszeichen der Menschen im gemeinen Leben sind verschollen; aber auch nichts wird berührt, was. dem Menschen sonst am nächsten liegt, wovon er am liebsten hört und spricht; man vernimmt nichts von seinem Herkommen, nicht, ob er ledig oder verheiratet, Vater oder kinderlos, zu Hause glücklich oder unglücklich sei; von allemdiesem Wird nichts berührt,* sondern jeder bescherdet sich, ^n würdiger Gesellschaft, in Betracht höherer, allgemeiner Zwecke auf alles Besonde're Verzicht zu tun«. Gerade den letzten Gedanken des Verzichtens und Ueberwindens ’ zugunsten höherer Ziele hat Goethe zum Grundtbema <des bereits erwähnten Fragments »Die Geheimnisse« machen wollen, die der Darstellung eines religiösen Bundes gewidmet sind. Hier finden sich die bekannten Verse, die jeden Logentempel, schmücken könnten: Von der Gewalt, diealle Menschen bindet, Befreit der Mensch sich, der sich überwindet. Das letzte endlich, was Goethe mit der Loge verbindet, ist sein Wissen um die Ehrfurcht', wie er es in den Wanderjahren« entwickelt hat. Goethe unterscheidet drei Arten Von Ehr-. furcht: die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, vor dem, was unter uns ist, und vor dem, ‘was uns gleich ist. Man hat gerade dem jüdischen Geist vorgeworfen, daß er keine Ehrfurcht kenne. 'Die so sprechen, vergessen, daß die jüdischen Zehn Gebote das erhabenste Dokument der Ehrfurcht aller Zeiten darstellen. i . ‘ 189 -

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