Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 8 - August (8.1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s.i bereitwillig ich nach meiner ganzen Lebrrsauffassung und -führung mich der Anregung der Marcus - Horovitz-Loge ^nschließe und mich in die Reihe der .Brüder (stelle, die als Vorkämpfer für ritterliche Oesinnung in dem Anfragen unsererOeisteskämpfe auftreten wollen, so muß ich doch vor einer Uebe^spannung dieses Prinzips der »Ritterlichkeit« warnen. Die Temperamente der Menschen fließen weit auseinander. Ohne in der Oesinnung tinritterlich zu sein, kann jemand, von der sprudelnden Lebendigkeit seiner seelischen Orunrjstimmpng fortgetragen, den Gegner derber anjfassen, als es nötig wäre. Wir dürfen auch' nicht zu empfindsam sein, und gelegentlich jmuß man auch ein kräftiges Wort vertragen,! wenn es von einem Oegner gesprochen wird, dessen Begeisterung für seine Idee in einem warmen Herzen wurzelt. Etwas mehr Humor, nicht in Gestalt beißender Satire und verfehlender Verspottung, sondern im besten Sinne dis Begriffes tut uns -in unsern Auseinandersetz. Man “kann damit oft die gefährlichsten entspannen. Die Heranziehung von Brüdern, verschiedenen Lagern des Judentums z!u der Aussprache über das Thejn lic'ikeit« in den Mitteilungen der Qroßloge ist kann schon den ein glücklicher Gedanke und Beginn einer Bewegung zur Refojrm unserer Kriegssitten bedeuten. Die Redaktion hat mich ausdiücklich als Mitglied der Zionistischen Organisation -zur Aeußerung aufgefordert. Dazu ein persönliches Wort. Ich habe der Förderung der zionistischen Idee und des palästinensischen A.ifbauwerkes meine besten Jahre und Kräfte gewidmet; darüber habe ich die Oegenwartsaufgaben des Judentums nilcht vermessen. Wo immer ich versuchte tätig zu sein, Jhabe ich die E rfahrung gemacht, daß m^ine Art im Andersdenkenden den Juden zu sehen und zu achten, das, was ich erstrebte, mehr förderte, als per- »nliche Anzapfungen und Angriffe es vermochten, ich habe nie versucht, rednerische oder schrift¬ ' ellerische Entgleisungen, die igenen Parteigenossen begangen von meinen wurden, zu mich gewisse lie noch bis bemänteln. Um so schwerer trafen 'ngriffe von gegnerischer Seile, Heute'schmerzliche Eindrücke (unterlassen haben Sollen sich solche Zwistigkeiten verewigen? Es mgen not. Situationen die aus den kommen, ma »Ritterliegt kein innerer Grund zur Forterhaltung der mit schärfsten Waffen geführten Kämpfe vorf Nicht-verstehen-wollen, persönliche Verstimmungen und Ressentiments halten das Kampffeuer wach. Wenn hier der Orden unter Ausschälung aller Niederschläge der seitherigen Fehden die Herstellung des Gottesfriedens ernsthaft versuchen wollte, würde er sich ein Ehrendenkmal . in aer Oeschichte des deutschen Judentums, verdienen. fwir haben es in unserer Oemeinde erreicht, daß die sdnst so feindlichen Brüder friedlich miteinander gehen. Auch in unserer Oemeindd hat es an Kämpfen nicht gefehlt, aber sie sind pie in das Persönliche ausgeartet. Alle Richtungen halten treu fest an ihren Ueberzeugungen. j Aber sie sind zusammengeschweißt zu gemeinschaftlichem Aufbau des jüdischen Lebens, j Wo der Wille zum Frieden vorhanden ist, ebnd sich rasch der Weg zpm Frieden. Möge sich diese Erfahrung, die uhs in unserer Oemeindearbeit geworden ist, auch an der. Allgemeinheit bewahrheiten und die jetzt angenommene Aussprache über die »Ritterlichkeit« sich gestalten zu einer machtvollen Kundgebung des Willens zum Frieden! Wif schließen hiermit die Aussprache über däs Thema Ritterlichkeit. Wir s^hen, .daß alle Auslassungen getragen waren von*.dem starken, Willen, die Formen des öffentlichen Kampfes so zu gestalten, daß die natürliche Lust d;s Streitens — sofern Streiten ein Streben ist nicht vergällt werde. Wir zweifeln nicht, daß s :hr viele —gerade unter den führenden Köpfen* in jüdischen öffentlichen Leben — gleich denken. Um solche Anschauung auch wirklich in die Tat umzusetzen — dazu gehört vor allem eins: vergessen können, einen Strich unter Ver- .- gangenes setzen, Empfindlichkeiten überwinden; Des Weiteren: die Unterführer so beeinflussen, daß sie ebenso handeln. r A|s Orundlage und Vorbedingung gilt es,* die Ldhre des Ordens vom gegenseitigen Veriteheij immer mehr zu vertiefen.' Dieses Veriteherj hängt aufs innigste zusammen mit einer Inderin Forderung unseres Orcens: der Neutralität seiner Stellung. Hier und da glaubt man über |den Begriff Neutralität mit leichtem Achselzucken hinweggehen zu können. Neu- -I - tot