Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 8 - August (8.1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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brüder, die von der Marcus-Horovitz-Loge aufgerufen werden, sollen selbst bei ihren publizistischen Kundgebungen die Ritterlichkeit, die man andern jüdischen Richtungen schuldet, sofern diese der Förderung unserer Gemeinschaft dienen wollen, hochhnlten und sich verbinden, um energisch Front zu machen gegen jegliche Ausschreitung und Aufhetzung in den jüdischen Presseorganen, audh wenn diese der eigenen Partei dienen. Wir können uns Pressefehden, die nieder- und auseinanderreißen statt aufzubauen, bei unserer Geiamtsituation nicht ohne schwere innere und äußere Gefahren leisten. Keineswegs < sollten wir dulden, daß unsere jüdische Gemeinschaftsarbeit durch gewissenlose Schreibereien durchkreuzt wird|. Die publizistischen Mißtöne, die wir leider nicht selten hören, verletzen die innere Würde und das äußere Ansehen des Judentums.' Indes dürfen wir die beklagten Auswüchse im innerjüdischen Kampfe nicht allein auf das Konto der Presse setzen. Wir haben zum Glück auch gute Organe, die sich bei aller Strenge Tn der Festhaltung des eigenen Standpunkts in persönlichen Fragen eines gemäßigten, würdevollen Tones bedienen. Es besteht eine Abhängigkeit unserer Art, die inneren Geisteskämpfe auszutiagen, von einer anderen Allgemeinerscheinung im gegenwärtigen Leben des deutschen Volkes, ln Deutschland ist jetzt alles politisch. Die Polrtisierung wird in Gebiete getragen, die ihrer Beschaffenheit nach dieser Behandlungsart widerstreben, wie Religion, Justiz, Wohlfahrtswesen usw. Diese neuzeitliche Gepflogenheit hat auch auf uns Juden übergegriffpn. Selbstverständlich können auch wir der Politik nicht entbehren, wir brauchen eine großangelegte, über den Tag hinausgreifende Politik, um die Zukunft des Judentums zu sichern und seine Sendung zu erfüllen. Ueber die Wege dieser Politik gehen unsere Anschauungen auseinander; diese Differenzierung gibt aber nicht" das Anrecht zu persönlichen Reibereien und'Verunglimpfungen. Erst wenn wir, wie es jetkt leider in Deutschland Mode ist, das jüdische Leben in allen seinen Ausstrahlungen , in den engen Gesichtswinkel niedriger politischer Instinkte einstellen, ist der Zündstoff i geschaffen. Aber wir Juden als die Erben und Hüter - von Ewigkeitswerten dürfen oms nicht ' fortreißen lassen von Strömungen des Tages. Unsere Uebeilieferungen lehnen sich gegen jene 1 dt der Politisierung auf. Und wir sollten unls zusammentun, um dort, wo sich solche Ge >f|ogenheiten auch bei uns eingenistet haben, grt rtdliche Säuberung zu veranstalten. I In dem Kreise, in dem ich stehe uni• wirke, sind wir schon lange abgerückt von gehissigem Kleinkampf; unser Gemeindeleben und die Organisation der Religionsgemeinschaft in Lande haben wir fundiert auf der Grundlage ( er Verständigung und des Ausgleichs. Dabe wurde keinem Mitarbeiter zugemutet, von seiier religiösen oder politischen Ueberzeugunf abzurücken. Und bei dieser »Ritterlichkeit« gedeiht nicht nur das Ganze, dem wir dienen, sondern alle jüdischen Richtungen und Besln bungen erfreuen sich des Aufschwungs. Abef" vielleicht läßt sich das, was in kleine^ Verhältnissen cfurchgeführt wurde, nicht ohne weiteres bei größeren Dimensionen des jüdischen Lebens, wie beispielsweise in Berlin, erreichen. Das Problem »Berlin« ist wc hl das schwierigste in dem hier zur Diskussion st ijienden Fragenkomplex. Dort sind die Zusp tkungen am schärfsten, die Atmosphäre ist dauerndgeladen mit Spannungen, die sich von Zeit zu Zeit explosiv entladen. Von der Gemeine e Berlin mit einer Viertel Million Juden geht einej reiche Befruchtung des geistigen Lebens der Jjjden im Reiche aus. Dieses Abhängigkeitsv :ihältnis vergrößert die Gefahr, daß die keineswep q immer .»ritterliche« Form, in der dort die j itiischen Menschen im Kampfe um öeberzeugun nen und Machtpositionen aneinanderprallen, den \ erkehrston in dem jüdischen Leben der übrigen Gemeinden und Organisationen in Dei tischland beeinflussen wird. : Wem kann denn überhaupt die Durchsetzung der unvermeidlichen geistig :iji Auseinandersetzungen mit persönlicher Gehässigkeit förderlich sein? Nutznießer .unserer Zwistigkeiten sind nury unsere gemeinsamen äußeren Feinde. Sollte das alte biedere Sprichwort, daß Frieden ernährt, Unfrieden aber verzehrt, gerade für unsere Gemeinschaft keine peltung haben? —' 100