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Der Orden Bne Briss · 1926-08-01 · Nr. 8 - August (8.1926) · p. Seite 107

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 8 - August (8.1926)
Date
1926-08-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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der Marcus - Horovitz-Loge. Ich gaty der Er- 1 Wartung Ausdruck, daß es nicht schwer fallen dürfte, eine ohne Satzung und Treus^hwur zusammengehaltene Liga von Männern jru finden, die den Ausscbreitunge'h in! den | jüdischen Kleinkämpfen ein Oegengewicht setzt und die, ohne den Versuch zu machen^ weit klaffende sachliche Differenzen überbrücken zu wollen, dem guten Ton, der allein unserer jüdischen Stellung ^würdig ist, Eingang in unsere Verhandlungen | verschafft. Ich kann nicht behaupten, daß mein Aufruf, zu dem sich ausdrücklich der damalige Leiter des Centralvereihs, Eugen Fuchs, bekannte, einen bemerkbaren Erfolg erzielt hätte. Die Kampfsitten haben sieb in unseren Reihen nicht gemildert, die Verbitterung und Verwilderung des Tones, die nach dem Krieg in dem öffentlichen Leben in Deutschland Platz gegriffen haben, sind leider nicht ohne Wirkung iuf unsere innerjüdischen Auseinandersetzungen | geblieben. Nun sollen die Logen die Rolle jener von mir vergeblich ersehnten Liga übernehmen. Die Voraussetzungen für die Zuwendung zu dieser Aufgabe sind in Organisation und Tradition unseres Ordens gegeben. In ihm | vereinigen sich Männer der verschiedensten Denk- und Parteirichtungen im Judentum^ er b ndet seine Mitglieder zu gemeinschaftlicher jüdischer Arbeit eng aneinander, sucht di? Brüder zur einträchtigen Oesinnung, zur Achtung vor der Persönlichkeit und Weltanschauung des ‘Mitbruders, zur Ehrfurcht <vor den großen Idealen des Juden-. tums zu erziehen und dämmt durch die fest gefügte Ordnung des Rituals rednerische Ausschreitungen ein. Damit sind die Grundpfeiler geschaffen, auf denen sich die Brücke zur Verständigung im Leben außerhalb der Loge schlagen lief e. Indes dürfen wir uns nicht der Erkenntnis der Tatsache verschließen, daß das innere Erziehungswerk der Loge nicht immer und überall erhillt wird. Wenn wir durch die Zwischenirr tanz des Ordens auf eine Bereinigung der Vtrkehrssitten im öffentlichen Streite rjler jüdischen Meinung hin wirken wollen, muß ip den Logen se bst der Grundsatz zum Durchbruch gelangen: Ritterlichkeit »begins at hörne«. Ifh will hier nicht in kleinlicher Bemängelei die Verstöße gegen die Ritterlichkeit im inneren Logenverkehr aufzählen, die mir in den Jahrzehnten der Zugehörigkeit zum Orden begegnet sind, aber eine Erscheinung will ich herausheben, die Wir oft genug beobachten können: noch haben yi'fcle Brüder nicht gelernt, einem Bruder, der eine der eigenen Anschauung fremde oder unbequeme Meinung sachlich vorträgt, mit Ruhe und Aufmerksamkeit zuzuhören. Es, gehört mit zur Ritterlichkeit, solchen Ausführungen ohne Zeichen der Ungeduld und des Unwillens zu folgen. Und für die Wahrung, der Würde jm geistigem Kampfe draußen ist schon viel gewöhnen, wenn, wir diese Sitte des politischen Anstandes, an-! nehnen und hinaustragen wollten. Aber trotz! aller noch bestehenden und wohl nie ganz ver-j meic baren Unzulänglichkeiten hat der Orden den Befähigungsnachweis, zur Befriedung'^ des jüdisc len Lebens beizutragen, erbracht, und es bed.irf nur einer aufraffenden Willensanstrengung aller jener Brüder, die des gehässigen Tones, im jüdi sehen Kleinkampf satt sind, um' in letzterem die i ibersteigerte Leidenschaftlichkeit abzudämmen. Anpacken müssen wir das Versöhnungswerlf zunächst pei der jüdischen Presse. In Deutschland wird jetzt allgemein darüber geklagt, daß die Ueberheizung des politischen Kampfes zum großen Teil auf die Presse zurückzuführen ist, deren verhetzende und aufpeitscheride Schreibart der Keil zwischen die in ihrer politischen Gesinnung auseinanderstrebenden Volksteile immer tiefer treibt. Auch wir müssen ein ernstes Wort des Bedauerns aussprechen über die Kampfesweise mancher jüdischen Preßorgane in Deutsch; lanl Wer als Außenstehender diese'Zeitungen lesen würde, bekäme einen ganz falschen Eindruck von dem1 jüdischen Leben iri Deutschland, er würde dein Eindruck gewinnen, daß clie 'Juden die sonst von 'außen her als eine kompakte, in sich geschlossene Masse angesehen . sind, sich zerfleischen. Jede Blöße eines politischen oder religiöseri Gegners wird rücksichtslos aufgedeejet, dessen Ansichten und Handlungen werden schonungslos! diskreditiert. Diese Presse ist nicht das Spiegelbild jüdischen Lebens, sie .zeigt nicht das wahre Oesicht der deutschen Judenheit, scjndern eine Verzerrung.1 Mag auch der Kampf d«|r Richtungen oft heftig aufeinanderstoßen, so sehen wjr doch Tausende von jüdischen Männern in zäherj Arbeit für das Wohl und Gedeihen des Judentums begriffen. Die Presse, hätte die Aufgabe, diese positiven Werte darzustellen, statt, den persönlichen Kampf zu schüren. Die'Logen- — 107

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