Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1926
- Issue
- Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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politischen Leben zeitweise üblich gewesene Bezeichnung des Gegners als »Reichsfeindc. Ls liegt in dieser Einstellung ein unsäglicher Hochmut, die Auffassung, als ob man selbst allein im Besitze des wahren Judentums und als ob' der Gpgner ein Feind des Judentums sei. Diese " Verketzerung muß aufhören. Und es muß ferner gefordert werfien die Anerkennung der Gleichbeiecfitigung aller Richtungen und Meinungen innerhalb des Judentums. Ich habe kürzlich eine offizielle Parteiäußerung gelesen, von der ich nicht recht weiß, ob ihr gegenüber die Empörung über Iden anmaßenden Hochmut oder das sarka?tische Lächeln am Platze ist! Das sind Dingo, die dpi Kampf verbittern und vergiften müssen'. Wir ijniissen es uns abgäwöhnen, die andets Der künden als minderwertige, als Juden zweiten Der (dritten Grades anzusehen oder selbst den Maßspab festzustellen, der für die Berechnung < -- Judentums zu gelten hat. Wir müssen auch i nert, die das jüdische Interesse in einer uns mcht ausreichend oder gar falsdh erscheinenden Weise bekunden,Gerechtigkeit widerfahren lassen. De; innersten Beweggründe der Einstellung jzegeijiüber dem Judentum entziehen sich unserer Kenntnis und ganz und gär unserer Beurteilung. £in weiteres aber ist notwendig, die Be- .eitigiung des Mißtrauens, das man von vorm1 hereil anderer Anschauung entgegenbringt.. Es wird häufig hinter den Worten und Maßnahmen der änderen mehr und anderes gesucht, als was ausgesprochen ist, man traut einander nicht,darum >t dter Kampf oft nicht gerade und ritterlich. Denn dies Mißtrauen führt zu einer gewissen Minterhältigkeit. Dieses Mißtrauen aber hat Dtztljich seinen Grund in der mangelndemFähigeit oder in dem mangelnden Willen, sich gedanklich so einzustellen, daß man die Anschauung des andren überhaupt versteht. Infolgedessen, wird im jüdisch politischen Leben oft aneinander vo’rbeigeredet, man findet keinen gemeinsamen Boden, man spricht1 verschiedene Sprachen, obgleich die Worte derselben deutschen Sprache angehören. Das mag für große Versammlungen wirksame Effekte ergeben, aber wirklich förderlich ist das sachlich nicht. Würden sich alle in dieser Hinsicht die rechte Mühe nehmen, so würde es nicht Vorkommen, daß prominente' Persönlichkeiten dem Andersdenkenden Feigheit als Beweggrund imputiereri, daß man verdächtigt wird, nach deil Andersgläubigen zu scjhielen. usw. Ich gebe durchaus zu, daß es schwer ist," sicfh in die geistige Einstellung hineinzyqenken, aus der heraus sich; der Standpunkt desi andern er-' klärt. Aber Wenn wir mehr Wert däräüf’legen, daß der Kampf sachlich geführt wird und daß er iachlich ertragreich ist, als daß unsere Fechtejrkur st Bewunderung findet, und wir; durch' 'spe Urteilslose gewinnen oder Urteilsfähige für den Au jenblick bljenden, so müssen wir cj.en Versuch ma :hen. Ich habe vor kurzem in‘ein’er ganz zufilligen Unterredung mit einem T zionistischen Führer wiederum beobachtet, daß. ihm die gedankliche Einstellung, aus der heraus-der Liberalismus zur' Frage der jüdischen iNationalität .Ste lung nimifiL von Grund aus frenjid war, und daß meine Ausführungen ihm etwas durchaus Neies waren! Für mich war diese Unterredüjig doppelt lehrr üch, weil sie mir diesen Mängel auf der zion stischen Seite gezeigt aber mich gleichzeitig auch gelehrt hat, wief es kdhiijnt, daß wir die zionistischen Gedarikehgänge u|id Argumente gelegentlich gar nicht -verstehen, j Von den! führenden Männerinjn/ allen Richtungen lind Parteien muß' ein großes Mlaß vo 1 Verantwortlichkeit s g;e f ü h 1 tmd Se Ibstbe tiqrrSchung gefordert werden. Auch große geistige Fähigkeiten,' glänzende Rednergabe und Dialektik sollten nicht aUsrelcben tut eine fühlende Stellung in ddr partei, wenn de Mann nicht dieses Verantwortlichkeitsgcfüh1, die se Selbstbeherrschung und die aufrichtige E It r f u r c'hj t vor der ehrlichen uebarzeugung anderer besitzt. Wem nicht der iAugehblUfkserlolg, sondjerrt der dauernde Sieg! der eigenen U< berzeugung jam Herzen liegt, ■der wird sich vor aller Demajgogie fern zu halten wissen. In Wailkämpfen oder in Kämpfen um irgend eine grundlegende Frage wjrd es freilich immer wieder Vorkommen, daß' da und dort kleinere Parjeigrößen sich in der Ausdrucksferm vergreifen iincj demagogische Mittel,'die nicht zu billigen sind, anwenden. "Schlimm ist es, wenn dies seiiens der änerkanntejn Führer geschieht. Aier sonst sollten wir jo der berechtigten Empörung nicht zu weit gtjhen und diese Dinge nicht in ihrer Bedeutung j überschätzen. Freilich ist lda;cu ein Zweites nötig, und hierzu bedarf es pnbtdingt der Erziehung, daß nämlich die Parteien nicht versuchen, derartige Aus- - 91 - I