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Der Orden Bne Briss · 1926-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1926) · p. Seite 90

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1926
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1926)
Date
1926-06-01
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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Einzelfragen und vielleicht auch in manchen Grundfragen verschieden '.denkenden jüdischen Gegner, mit dem uns doch das gleiche jüdische Interesse bindet, der ebenso wie wir, nur freilich nach unserer Meinung auf falschem Wege, das Beste des Judentumjs will. Schön diese Ueberlegung müßte alle zu einer Form des Kampfes veranlassen, die schließlich zum Frieden führt. Aber'darüber hinaus müßte jepe rein praktische Erwägung uns stets leiten, die Gottfried Keller im Fähnlein der sieben Aulrechten in seiner wundervollen Mahnung für den Redner zum Ausdruck bringt, daß man nämlich denjenigen, mit dem man gegebenenfalls nachher Zusammengehen muß, vorher nicht bekämpft, wie man einen Feind bekämpft. Wie verbitternd und zerstörend solche Form der Kämpfe ist, sehen wir im politischen Lebenwo über der Heftigkeit des [politischen Kampfes sehr häufig der Gedanke, daß auch der Gegner ein Sohn des gleichen Vaterlandes ist, Verloren _ geht. Je kleiner der Kreis iit, umso bösler muß solche Einstellung sich apswirken, weil die Reibungsfiächen größer sind. Am gleichen Orte und in der gleichen Gemeinschaft, wo die Menschen freiwillig oder notgedrungen in jengerer persönlichen Beziehung zu einander stehenikommt es vielfach dahin, daß die sachliche Meinungsverschiedenheit zu persönlicher Feindschaft führt, während andererseits, wo der Ton der richtige ist, die guten persönlichen Beziehungen von sachlicher 1 Meinungsverschiedenheit unberührt bleiben und ihrerseits zu einer Milderung auch der sachlichen Differenzen führen. Wir| Juden als religiöse Gemeinschaft der Minderheit, die von außen her dauernd den schwersten Angriffen ausgesetzt ist, haben ein ganz besonderes Interesse daran, daß auch die Meinungsverschiedenheiten im eigenen Lager nicht zum Zwist oder gar zur Sprengung der Einheit führen. Es darf bei uns nicht der Fall emtreten, daß man die gemeinsame Arbeit mit Andersdenkenden verweigert. Wenn wir gut Jüdisch sein wollen, so bedeutet' das keineswegs, daß wir das alte jüdische Erbübel festhaltfen, die Zwietracht, die niemals schweigt. Der Midrasch sagt einmal, daß stets, wenn Israel in dei Wüste 4lagerte oder aufbrach, Zwistigkeiten herrschten; der Lagerplatz am Sinai sei die einzige Ausnahme gewesen. Die spätere israelitische und jüdische Geschickte bietet leider nur allru 'vie der Gemachen agerung Einh eit pnd rechter Friede nicht < arin die verschiedenen Meinungen zt m Schweigen darin, daß daß gebracht werden, sonderri-vielmeh die Wei dem Belege ,hierfiir.: Aber wir müßten endlici aus schichte lernen und sollten es nicht so wie unsere Vorfahren, die während der Be Jerusalems durch die Römer in der belagerten Stadl m|t einander Krieg geführt und dadurch die Widerstandskraft geschwächt raben. Dazu ist aber erforderlich ein holies Maß von Achtung und Ehrfurcht vor der Heber; :eugung des mdferen, das sehr wohl mit :harakterfester Ueb< rzepgungstreue vereinbar ist. Wenn der Talrrud an einer bekannten Stelle die Fimmelsstimme von der. streitenden Partei :n sag en läßt, daß beide die Worte des lebendiger Gotles sind so weist|er damit den Weg für alle nnerjüdischen Kämsfe., So sehr ein jeder sich benüht, objektiv das Richtige zu erfassen, so sehr muß er sich dess;n bewußt sein, daß letzten Eudes c äs alles nyr rach seiner Subjektiven Uebem ugung richtig ist, und' muß der subjektiven Eilsteilung des andren Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wer an öffentliche Angelegenheiten m t der Objektivität hgrangeht, die dem Menschen überhaupt mögichiist, wird niemals den Wunsch hegen, daß alle .Opposition beseitigt wird. Der Widerstrei der Meinungen ist notwendig und nützlich die Unifizierung führt nicht zum Frit den, sondern zur erstärrung. Daraus folgt aber, was gerade >ei unls Juden sehr oft; außer acht gelassen wirc, daß rechte Austragung der Gegensätze n friedlicher >e erfolgt. Viele unter uns vollen unter Schlagwort des Friedens alles vermieden sehdn, was überhaupt die Gegensät ze in die Ersehe inung treten läßt. Das bedeutet I Interbindung Meinungsäußerung und Verzicht auf die der Gelt|end>iachung der eigenen U Das alle und :berz lugung. ist für uns doppelt bedenklich, weil eben religiösen Dinge etwas Persöilichcs sind, wel in ihnen die Individualist zi| ihrem Recfyt kömmen muß. Wollen wir die innerjüdischen Kämlife ent. giftejn und in ihrer Wirkung frucht jring;nd gestalt :n, äo müssen wir uns zunächst ibgewöhnen, die Meinung des Gegners, wie es I rider übli :h ist, als »unjüdisch« zu bezeichnen erin lert diese Ausdrucksweise imm :r an besteht, vielfach Mich die im 91

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